große Winterberg

auf seinem Rücken trägt. Der Weg zieht sich bis zu dieser Waldhöhe über üppige Wiesen, die von Quellen getränkt werden, unter welchen eine, die am südlichen Abhange entspringt, dem Wanderer die angenehmste Erquickung spendet. Auf der offnen Kuppe, die nach neuern Messungen 1416 Par. Fuß über der Elbfläche bei Dresden, oder 1766 Par. Fuß über dem Meere liegt, stehen nur noch an der östlichen Seite Ueberreste der Buchen, die einst den ganzen Gipfel beschatteten. Eine Landschaft von unbeschreiblicher Herrlichkeit liegt hier vor unsern Blicken, aber besonders reich ist die Aussicht gegen Süden und Südost nach Böhmen, dessen Gränze am Fuße des Berges hinläuft. Gegen Abend senkt sich der Bergabhang in einen tiefen waldigen Abgrund, wo die Elbe zwischen Felsenwänden hervorbricht, um ihren Lauf durch ein fröhlich geschmücktes Gelände fortzusetzen, das rechts, vom Fuße des Winterberges an, die mächtigen Goskenwände, der Reischenstein und die Schrammsteine begränzen. Dringt der Blick in die Ferne, so wird der Gesichtskreis gegen Mitternacht vom Falkenberge, den Gebirgen bei Arnsdorf und Wilthen und dem Augustusberge bei Königsbrück geschlossen. Ueber Hohnstein ragen bei heiterm Himmel die Zinnen des Schlosses Moritzburg hervor. Gegen Nordwest verfolgen wir den Lauf der Elbe über Pillnitz bis Dresden, und sehen die Höhen um Meißen hervor ragen, über welchen der Colmberg bei Oschatz, 11 Meilen von unserm Standpunkte, in blauer Ferne dämmert. Ueber die Felsengestalten auf dem jenseitigen Ufer des Stromes sehen wir links vom Nonnenstein die Höhen bei Kesselsdorf und die Berge um Tharand. Hinter Königstein blickt der Tharander Wald hervor, an welchen sich hinter Maxen die Gebirge bei Kreischa schließen, bis der Luchberg den Gesichtskreis begränzt. Der Geißingberg bei Altenberg sieht über die Kuppelberge herab; über den nahen Zschirnstein ragt der Kahlenberg, und über den Kahlstein der Sattelberg hervor. Vom Schneeberg, der sich links vom Sattelberge erhebt, zieht sich nach Süden und Südost eine Gebirgskette, in welcher die Paszokopole, der Donnersberg bei Bilin, der Hasenberg über Theresienstadt, der Göltsch bei Ausche, der Gräber, welcher hinter dem nahen Rosenberg hervor blickt, und der Forstberg mit dem Schlosse Kemnitz sich auszeichnen. Südöstlich erhebt sich der Kaltenberg, und über dem Rücken des Kreybitzer Gebirges der Kleisberg bei Zwickau in Böhmen, der Falkenberg bei Gabel, und in blauer Ferne der Jeschkenberg im Bunzlauer Kreise. Der Tollenstein, der Nesselberg und die Lausche ragen gegen Nordosten hervor und links blickt über einen waldigen Bergrücken der Spitzberg bei Oderwitz. Im Nebel der Ferne endlich dämmert ein Theil des Riesengebirges. Die längste Durchschnittlinie des Kreises, den man hier überschaut, vom Riesengebirge bis zum Colmberg, hat man zu beinahe 24 Meilen gerechnet.

Die ganze Kuppe des Winterberges besteht aus Basalt, dessen schwarzgraue Massen in einem langen Rücken gegen Mitternacht zu Tage ausgehen. Auf mehren Seiten am Abhange des Berges, wie nach dem kleinen Winterberge, nach dem Zeughause im großen Zschand, und nach Hirniskretschen und Schmilka, liegt der Basalt in großen Haufen aufgethürmt. Häufig findet man ihn in Säulen, wie in dem gegen Mitternacht sich hinziehenden Rücken, die jedoch nicht die regelmäßige Gestalt des Basalts von Stolpen haben, meist 4 bis 6 Zoll stark und gewöhnlich fünfseitig sind. Er zeichnet sich durch starkes Polarisiren aus.

Auf dem Gipfel des Berges wurde vor einigen Jahren, als Obdach für Reisende, ein einfaches hölzernes Gebäude angelegt, wo während der Sommermonate ein Wirth wohnte. In den ersten Frühlingswochen des Jahres 1821 ward es boshaft in Brand gesteckt. Seitdem wurde es durch zwei schnell erbaute Hütten ersetzt, man ist aber jetzt im Begriff, ein neues steinernes Gebäude aufzuführen. Vielleicht wird dann auch der Wunsch erfüllt, auf der Brustlehne eines, oben um das Haus laufenden Altans eine Tafel zu finden, welche alle Punkte des reichen Rundgemähldes bezeichnete.

Wer die Reise zum Prebischthor, das eine Stunde vom Winterberge entfernt ist, nicht machen will, kann entweder durch das Heidelbeergründel, oder den steileren Heuweg nach Hirniskretschen, oder auf einem nähern Wege nach Schmilka hinab steigen, um in 2 Stunden nach Schandau zu kommen. Wer vom Winterberge zum Reischenstein wandern will, geht durch die Zwiesel und den Reischengrund. Ueber den Roßsteig, oder durch Richters Schlüchte (s. den IIten Abschnitt), kommen wir vom Winterberg in den großen Zschand.

Wir wenden uns von dem Standpunkt bei den, zu Tage ausgehenden Basaltmassen südöstlich. Der Fußpfad läuft durch den Wald an einer klaren Quelle vorbei, über die böhmische Gränze auf den Brand, eine Felsenfläche, wo einst ein Waldbrand wüthete. Wählen wir hier den rechts durch eine öde Schlucht sich hinziehenden Pfad, der mahlerischer ist, als der Weg über die nackte Fläche. Durch einen dunklen Wald kommen wir bald an den Jordan, wo sich links ein Seitenweg durch Heidelbeerkraut zu dem Rande des dunkeln Prebischgrundes wendet, der über 1200 Fuß hinab fällt. Aus der Tiefe erhebt sich, von der steilen Wand im Hintergrunde abgesondert, und mehre hundert Ellen hoch, ein ungeheurer Felsenkegel, der Prebischkegel, der oben rund zuläuft, nach der viereckigen Grundfläche hin, aber abnimmt. Wir kehren auf demselben Pfade zurück, und verfolgen den, vom Jordan rechts ablaufenden Hauptweg, der uns auf eine Felsenzunge führt, die links in den eben so tiefen Hirschgrund sich hinab senkt. Die gegenüber liegende Wand des Prebischgrundes, die Stimmersdorfer Wand genannt, trägt eine vom Hauptfelsen getrennte, einer Warte ähnliche Felsengestalt, das Prebischhorn. Wir überschauen von diesem Standpunkt eine reizende Landschaft, die sich jenseit des Prebischgrundes nach Böhmen bis zum Elbthale bei Tetschen zieht. Die böhmische Gebirge ragen in der Ferne bis zur Paszokopole empor.

Endlich treten wir aus dem Gebüsche auf den Rand des Abgrunds, und finden einen Standpunkt, wo wir die, 120 Fuß hohe und eben so breite Wölbung in der Felsenwand über die Tiefe hinaus ragen sehen. Es ist das

Prebischthor.

Ein bequem gemachter Weg führt uns auf die Decke der Wölbung, die ein 60 Fuß langer Schlußstein bildet. Wir sind hier 1402 Par. Fuß über dem Meere. Ueber den tiefen, waldigen Thorgrund blicken wir auf eine schöne Gebirglandschaft, die vom Kaltenberge anfängt und sich über die Gebirge bei Kreybitz, Hohenleipa und den Kamnitzer Schloßberg zum nahen Rosenberg fortzieht, an dessen Fuße ein herrlich angebautes Gelände sich ausbreitet, über dessen ansteigenden Hintergrund die Berge bei Aussig in blauer Ferne hervor ragen. Die Elbe zieht sich unsichtbar in der Tiefe durch ihr waldiges Felsenthal hinab. Auf ihrem linken Ufer sehen wir rechts den Kahlstein und den Zirkelstein, über welche der Zschirnstein hervor ragt, und von diesem steigt der Bergzug bis zum Schneeberg und zu dem Rücken des Erzgebirges.

Wir steigen zu der innern Wölbung des Thores hinab, und ruhen unter dem Felsenbogen, wo wir einen reizenden Abschnitt des von der Wölbung gesehenen Landschaftbildes überblicken. Auf einem jetzt minder beschwerlichen Pfade ersteigen wir die, der Wölbung gegenüber sich erhebende Felsenwand, das Böchhorn, wo wir das Thor von einem sehr günstigen Standpunkte betrachten.