Zu der eben beschriebenen Wanderung und dem nächsten Rückwege über Hohnstein brauchen wie ungefähr 7 Stunden, und wer vom Hockstein auf dem früher ([S. 41.]) angedeuteten Wege durch den Amselgrund nach Schandau zurück kehren will, hat einige Stunden mehr nöthig. Ein dritter, sehr anziehender aber längerer Rückweg führt über den Waizdorfer Berg, Gosdorf und den Kikelsberg, den tiefen Grund und den Ochelgrund. Wir werden diesen Weg in der Folge erst beschreiben, und wollen an die vorgeschlagene Wanderung die Reise nach Stolpen knüpfen. Diejenigen, welche den Hockstein früher schon besucht haben, und den geraden Weg von Hohnstein wählen, brauchen zur Ausführung dieses Reiseplans, mit Einschluß des Rückweges, eine Tagereise. Wir kommen von Hohnstein auf einem angenehmen Wege nach Heeselicht und weiter über Langenwolmsdorf, in dritthalb Stunden nach

Stolpen,

das am Abhange eines Basaltberges liegt, auf dessen Kuppe, 1010 Paris. Fuß über dem Meere, das alte Schloß mahlerisch sich erhebt. Die Stadt, die 1000 Einwohner zählt, welche sich meist von Landwirthschaft und Brauerei nähren, verdankt dem König eine 1789 angelegte Wasserleitung, die das Wasser eine Stunde weit führt, und eine Inschrift am Ausgusse der Hauptröhre rühmt diese Wohlthat. Auf dem Markte sehen wir ein, im Jahre 1818 am Tage der Jubelfeier des Königs errichtetes Denkmahl, das aus erlesenen, 7 Ellen hohen Basaltsäulen besteht, die eine obeliskenförmige, von einem metallenen Eichenkranze umschlungene Gruppe bilden, deren oberste Säule durch seltene Größe und Stärke sich auszeichnet. Eine Inschrift auf einem, an die Säulen gelehnten Granitblocke spricht die Widmung des Denkmahls aus, das ein Kreis von kleinen Basaltsäulen, den vier junge Eichen beschatten, umschließt.

Der hiesige, wegen seiner regelmäßigen Säulengestalt berühmte Basalt, zieht die Aufmerksamkeit des Naturfreundes vorzüglich an. Wir dürfen nur einen Blick umher werfen, um uns zu überzeugen, in welcher Reichhaltigkeit diese Massen sich hier finden, da außer dem großen Schlosse, auch die Mauern der Stadt, die Stadtkirche und das Straßenpflaster von Basalt sind. Der Berg, auf dessen Kappe die Säulen hervor ragen, läuft von allen Seiten sanft an, bis er an der Stelle, wo der Basalt zu Tage ausgeht, sich steil erhebt. Der Basalt ist auf einem ziemlich grobkörnigen Granit gelagert, doch lassen sich die Gränzen, wo dieser aufhört, und die hervorragenden Basaltsäulen anfangen, nicht genau bestimmen, und man kann dieselben nur bei dem Anfange des steilern Ansteigens, wo man keinen Granit mehr findet, vermuthen. Der Basalt zieht sich um das Schloß in dicht an einander stehenden Säulen, die im Durchmesser 6, 8, 10 bis 12 Zoll haben, zwar zuweilen über 12 Ellen lang zu sein scheinen, aber in dieser Länge senkrecht, oder auch gebogen auf einander stehen, da man keine über 7 bis 8 Ellen lange Säulen zu Tage ausgehend findet. Die meisten sind sechsseitig. Die schönsten zu Tage ausgehenden Säulen sieht man im Thiergarten und im ersten Schloßhofe. Der Basalt ist schwärzlich, auf dem Bruche uneben, mit Zeolith, kleinen Hornblendekristallen, seltner mit Olivin, Hornstein und Augit vermischt, und zeichnet sich durch starkes Polarisiren aus. Nach des Schottländers Macdonald[7] Bemerkung, hat der Basalt zu Stolpen in seiner Masse viel Aehnlichkeit mit dem Basalte in der Fingalshöhle zu Staffa, und besonders fand er die querliegenden Basalte im Schloßbrunnen den Säulen auf dem südwestlichen Theile von Staffa ungemein ähnlich. Der Basalt wird gebrochen, und besonders auch zu Amboßen, und Schlagsteinen für Buchbinder benutzt.

Das Schloß, das wir nun besuchen, ist älter als die Stadt, sorbischen Ursprungs und kam nebst dem Städtchen, das in frühern Zeiten Jokrim hieß, und in der Gegend des nahen Dorfes Altstadt lag, im Jahre 1222 an die Bischöfe von Meißen, die sich um den Anbau dieser Gegend große Verdienste erworben haben. Stolpen blieb seitdem dem Bisthum eigen und wurde in der Folge der beständige Wohnsitz der Bischöfe. Im 15ten Jahrhunderte verwüsteten die Hussiten das alte Jokrim, und der Ort ward alsdann am Fuße der Burg wieder aufgebaut, und nach dieser benannt. Eine blutige Fehde zwischen dem meißnischen Bischofe und dem Rittergeschlechte Carlowitz, gab im Jahre 1559 dem Kurfürsten August Anlaß, sich der Burg zu bemächtigen, die seitdem landesherrliches Besitzthum blieb. Seit dem Jahre 1716 bewohnte die Gräfinn Cosel, Augusts II. verstoßene Geliebte, das Schloß, und zwar anfänglich den Johannisthurm, späterhin bequemere Zimmer, bis sie im Anfange des siebenjährigen Krieges daselbst starb. Die Preußen nahmen 1756 die unbeschützte Veste ein, die darauf zerstört und endlich 1787 ganz abgetragen wurde. Während des Feldzugs 1813 wurde Stolpen in die Linie gezogen, durch welche Napoleon seine Stellung an der Elbe deckte.

Die vier Höfe des Schlosses, das unmittelbar auf den Säulen des Basalts sich erhebt, sind durch Brücken verbunden. In dem ersten Hofe, oder der sogenannten Klengelsburg, sehen wir ein, in den Basalt gebrochenes Wasserbehältniß, und den ehemahligen bischöflichen Marstall, wo jetzt das Amtsarchiv und einige Ueberreste der Altäre und Verzierungen der abgetragenen alten Schloßkirche aufbewahrt werden. Man zeigt uns in der Nähe das furchtbare Gewölbe, das vor Zeiten die Marterkammer war. In diesem Hofe fiel am 8. September 1756 der erste feindliche Schuß, der den siebenjährigen Krieg eröffnete, als der preußische Generalmajor Warneri, der das Schloß mit seinen Husaren überrumpelte, den sächsischen Befehlhaber der Veste, welcher eben im Begriff war, seinen Degen abzugeben, durch einen Pistolenschuß tödlich verwundete. Aus dem zweiten Hofe führt eine Brücke längs schöner Basaltsäulen zu einem doppelten Thore. Durch das erste Thor kommen wir zu einem schmalen Gange, der zu einem unterirdischen Kerker führt, worein die Gefangenen durch ein Loch hinabgelassen wurden. Das zweite Thor führt uns in den Hof selbst, und wir erblicken links den Johannisthurm, den wir besteigen, um eine, nach Mitternacht und Morgen reiche und anziehende Aussicht zu genießen. In dem vierten Hofe sieht man die Ueberreste der alten Schloßkirche und den Basaltbrunnen. Dieser merkwürdige, in seiner Art einzige Brunnen wurde im Jahre 1608 angefangen, und in den durch Feuer erweichten Basalt 287 Fuß tief gebrochen, bis man nach einer Arbeit von 22 Jahren Wasser fand, das in der Folge 7 bis 8 Ellen stieg und wechselweise wieder fiel. Seit dem Ueberfalle der Burg durch die Preußen im siebenjährigen Kriege, bei welchem diese alte eiserne Kanone, Gewehre und Kugeln in den Brunnen stürzten, ist er bis auf beinahe drei Viertheile seiner ehemahligen Tiefe verschüttet. Der von Naturforschern oft ausgesprochene Wunsch, den Brunnen geräumt zu sehen, um die seltene Gelegenheit zur Untersuchung des Innern eines Basaltberges benutzen zu können, möge hier 45 Jahre nach dem Ersten, der ihn dringend aussprach[8] wiederhohlt werden.

Auf dem Rückwege vom Schlosse gehen wir über den Kirchhof, wo sich das dem Geschichtschreiber Stolpens, dem verstorbenen Pfarrer Gerken errichtete Denkmahl auszeichnet, zu dem Thiergarten. Kurfürst August bestimmte diesen Platz ursprünglich zu einem Obstgarten, welchen er aber, als die Anpflanzung mißlang, in einen Thiergarten verwandelte, wohin er weiße Hirsche und andere seltene Thiere versetzte. Auch von dieser Anlage ist längst keine Spur mehr übrig. Den Weg am Fuße des Schloßberges fortsetzend, verweilen wir einen Augenblick bei dem Basaltbruche, wo wir die regelmäßigsten Säulengestalten erblicken, und gehen dann weiter zu der sehenswerthen königlichen Schäferei, welche mit dem nahen Vorwerke Rennersdorf den Hauptsitz der veredelten Schafzucht in Sachsen bildet. Schon 1765 wurden, um die inländischen Schäfereien zu veredeln, über 200 spanische Stähre und Mutterschafe, von zwei spanischen Schäfern begleitet, nach Sachsen gebracht, und im Thiergarten aufgenommen. Späterhin (1778) wurde dieser Stamm durch einen Zuwachs von erlesenen Merinoschafen aus den beßten Heerden in Leon und Castilien vermehrt und zur Erweiterung der Zuchtanstalt auch in Lohmen, Rennersdorf und Hohnstein Schäfereien angelegt. Die Schäferei in Stolpen hat seitdem durch fortgesetzte Sorgfalt einen vorzüglich feinwolligen Stamm erhalten. Von hier wurde die Schäferei in Lohmen veredelt, die sich in der Folge selbst fortpflanzte, und noch immer wird aus dem Stamm im Thiergarten die Zuchtanstalt in Rennersdorf verbessert. Die Stammschäferei in Stolpen, ist die einzige ursprünglich spanische Schäferei in Sachsen, und Spanien selbst, behauptet man, habe jetzt keine Heerde mehr aufzuweisen, die dem 1765 nach Sachsen gekommenen Stamm vollkommen gleich wäre. Sie hat auf die Veredlung der Schafzucht in Sachsen, und dadurch auf Landwirthschaft und Gewerbfleiß überhaupt, wohlthätig eingewirkt, da von 1779 bis 1811 über 10,000 Stähre und Mutterschafe an andere inländische Schäfereien gegen vestgesetzte sehr billige Preise abgegeben wurden. Das Kriegsjahr 1813 hat zwar auch dieser Anstalt, besonders den Schäfereien zu Stolpen und Rennersdorf, großen Verlust gebracht, den man jedoch seitdem zu ersetzen eifrig und mit Erfolg bemüht gewesen ist.[9]

[5] S. Götzingers angeführtes Werk.

[6] Seine Geschichte erzählt Engelhardt in den Denkwürdigkeiten aus der sächsischen Geschichte, Bd. I. S. 1. ff.

[7] In einer Anmerkung zu Wiedemann’s Uebersetzung von Faujas de Saint Fond’s Reise durch England, Schottland und die Hebriden. Band 2. (Göttingen 1799. 4) S. 36.