Wir kehren über die Wiesen am Schwarzbach nach Gosdorf zurück, und besuchen zuerst den

Waizdorfer Berg,

wohin uns durch das Gebüsche der Weg führt, den eine seltsam verkrüppelte Fichte, der Ziegenstrauch genannt, bezeichnet. Linden krönen den Gipfel des Granitberges, der sich über dem Dörfchen Waizdorf erhebt, wo es keine Sperlinge geben soll. Die Aussicht, die sich hier vor unserm entzückten Blicke öffnet, gehört zu den reizendsten und reichsten, die wir von irgend einem Standpunkte des Berglandes genießen. Alle Felsenthäler von Liebethal bis Hohnstein, selbst der nahe tiefe Grund, der Ochelgrund und das Elbthal sind von dunkeln Waldwipfeln verhüllt, aus welchen hier und da weiße Felsenspitzen hervor schauen. Von dem Weifberge bei Hinterhermsdorf zieht sich über den großen Winterberg, den Schrammstein und Falkenstein bis zu den Bärsteinen ein mächtiger Felsenbogen, über welchen der Zschirnstein und am westlichen Gränzpunkt der Königstein hervor ragt, von welchem nach Dresden hin eine heitre Landschaft sich ausbreitet. Der Kaltenberg mit den Trümmern des Schlosses Chemnitz, der Rosenberg, der Rücken des Schneebergs, der Sattelberg und Geiersberg mit dem benachbarten Schönwalde, der Kahlenberg und Geiersberg bei Altenberg und der von hier nach Dippoldiswalde laufende Bergzug, der Luchberg und Hirschberg bilden den Hintergrund. Wenden wir uns gegen Abend und Mitternacht, so erblicken wir den Augustusberg bei Königsbrück, die Pulsnitzer Gebirge, näher den Unger und gegen Morgen endlich Böhmens Gebirge. Oestlich von hier, unweit Losdorf, erhebt sich der

Kikelsberg,

welcher, wie der mit ihm zusammenhangende Hankenhübel, ein Basaltberg ist. Er steigt ziemlich steil empor, und ist überall mit Basaltstücken bedeckt. Am Abhange auf der Morgenseite ist ein offener Bruch, wo man sehr starke Säulen sieht. Dieser, dem Granit aufgelagerte Basalt ist von schwarzgrauer, ins Blaue spielender Farbe, von dichtem und unebenem Bruche und zuweilen ist Olivin, Augit, Hornblende und Zeolith sparsam eingemengt. Er findet sich theils in unregelmäßigen Stücken, theils in Säulen von 3, 4 und 5 Seiten, oder größern und kleinern Tafeln, oder auch kegelförmig. Die Aussicht von dem Gipfel ist nicht so reich, als wir sie auf dem Waizdorfer Berg gefunden haben, nur ist sie offener und freier nach den Gegenden von Neustadt, Sebnitz und Hohnstein.

Sind wir auf der Hinreise durch den tiefen Grund gegangen, so wandern wir auf dem nächsten Wege durch den Kohlgraben und den Ochelgrund nach Schandau zurück, und wenn wir auf dem Birkicht oder Adamsberg bei Altendorf, einem runden Hügel, über welchen unser Weg geht, einer reizenden Aussicht uns erfreut haben, gehen wir im Angesichte immer wechselnder Landschaftbilder, am Ufer der Kirnitsch hinab. Wollen wir die beschriebene Wanderung zu einer Tagereise ausdehnen, so können wir vom Kikelsberg über Ulbersdorf erst auf den Unger steigen und über Lichtenhain zurückkehren.

III. Reise über Sebnitz und Neustadt nach dem Falkenberge und Unger.

Wir verbinden diese ziemlich langen Reiselinien, weil wir ihnen, den Rückweg über den Unger mitgerechnet, folgen können, ohne mehr als eine Tagereise nöthig zu haben, wiewohl wir den Genuß erhöhen und zu einigen der anziehenden Abschweifungen, auf welche hingedeutet werden soll, Zeit haben würden, wenn wir wenigstens anderthalb Tage dazu bestimmten, und am ersten Tage in Sebnitz, oder besser in Neustadt übernachteten.

Wir reisen von Schandau entweder durch das Kirnitschthal über die Lichtenhainer Mühle, oder auf der Fahrstraße nach Ottendorf. Wählen wir den letzten Weg. Vom Bade gehen wir am rechten Ufer der Kirnitsch den, auf die Anhöhe sich windenden Pfad, und verweilen auf dem Grauen, um uns einer ungemein anziehenden Aussicht zu freuen, die uns das Kirnitschthal mit seinen waldigen Felsenwänden, auf der jenseitigen Höhe das Dorf Ostrau, hinter ihm den Schrammstein, Falkenstein, das Schrammthor und die hohe Liebe zeigt. Wir kommen auf die sogenannte hohe Straße, die von Schandau nach Nixdorf in Böhmen führt, und das südlich hervor ragende Felsenland mit seinen mahlerischen Bergfernen in immer neuen Ansichten zeigt. Bei Altendorf zieht sich links der nächste Weg nach Neustadt über Ulbersdorf und am Fuße des Ungers hinauf. Wir folgen der hohen Straße nach Mittelndorf und besteigen den seitwärts sich erhebenden runden Hügel, den Pfarrberg, wo wir die reizende Landschaft vom Buchberge bei Sebnitz bis Rathen, vom Unger bis zum Winterberge, ein herrliches Rundgemählde, überschauen. Von Morgen nach Mittag bilden die böhmischen Gebirge den Hintergrund und von Mittag gegen Abend erhebt sich der Bergzug vom Schneeberg bis zum Erzgebirge. Der Weg zieht sich ansteigend nach Lichtenhain fort, einem der ältesten Dörfer dieser Gegend, das auf einer anmuthigen Fläche liegt, wo sich uns ein neuer wunderschöner Standpunkt darbietet.

Wer von hier die östlich von Schandau liegenden Felsengegenden besuchen will, geht hinter dem Dorfe den Weg zur Lichtenhainer Mühle hinab, die sehr reizend am Fuße des Hausberges im Kirnitschthale liegt, und verfolgt den Lauf der Kirnitsch, oder bleibt auf der hohen Straße bis oberhalb Ottendorf, wo südlich der Fahrweg in den großen Zschand und östlich der Weg nach Saupsdorf und Hinterhermsdorf abläuft.