Wir verlassen die hohe Straße unweit Ottendorf, und erreichen bald das Dorf Hertigswalde, über welches der
Buchberg
sich erhebt, den wir sogleich besteigen, wenn wir nicht in Sebnitz übernachten, und die erste Morgenstunde auf dem Berge genießen wollen. Es entzückt uns auf dem Gipfel, 1448 Par. Fuß über dem Meere, eine der reichsten Aussichten. Wir übersehen die südlichen Felsenzüge, die böhmischen Gebirge, die sich um den Rosenberg und Schneeberg aufthürmen, und die anstoßenden sächsischen Gebirge, einen großen Theil des jenseitigen Elbufers bis unterhalb Dresden, während unser Blick nördlich bis Stolpen reicht. Am Fuße des Berges, gegen Nordost, breiten sich die böhmischen Dörfer Einsiedel, Lobendau und Hilgersdorf in einem schönen Thale aus, über welche der Kirchthurm von Hainsbach hervor blickt. Die Gebirge von Arnsdorf, Wilthen und Hochkirch in der Lausitz schließen den Hintergrund. Gegen Mitternacht blickt aus einem tiefen Thale, das die Ruhebänke, der Hufenberg und der Buchberg bilden,
Sebnitz
herauf, wohin wir durch eine, an den Buchberg sich lehnende Gasse hinab steigen. Die Stadt, 3 Stunden von Schandau entfernt, ist sorbischen Ursprungs der größte Ort im Amte Hohnstein mit 2500 Einwohnern, und eine der bedeutendsten Fabrikstädte des Landes, wo verschiedene leinene und halbseidene, oder halbbaumwollene, zum Theil auch gedruckte Gewebe, die sogenannten Sebnitzer Zeuge, verfertigt werden. In den günstigsten Handelszeiten, als gegen 900 Stühle im Gange waren, schickte die Stadt ihre Waaren unmittelbar ins Ausland, selbst nach Amerika, in den neusten Zeiten aber hat sich der Gewerbfleiß, besonders durch die Thätigkeit des Fabrikeigenthümers Hesse, der mit glücklichem Erfolge manche neue Gewebe versuchte, wieder sehr gehoben.
Der Fahrweg von Sebnitz nach Neustadt geht über Schönbach und Crumhermsdorf, der weit nähere und angenehmere Fußweg aber läuft zwischen dem Finkenberg und Hasenberg über die hohen Ruhebänke, eine Hochebene, 1524 Par. Fuß über dem Meere, die uns einen sehr günstigen Standpunkt zur Uebersicht des südlichen Elbufers darbietet. Wir lassen den Unger, dessen Rücken wir bei dem Gränzdorfe Rugiswalde nahe sind, seitwärts liegen, und kommen auf einem kurzen Wege, den der Blick in die nahen Thäler Böhmens erheitert, nach
Neustadt,
einem Städtchen mit ungefähr 2000 Einwohnern, das unter dem Hochwalde, in einem anmuthigen Thale am Polenzbache, 4 Meilen von Dresden und vierthalb Stunden von Schandau entfernt, an der Straße nach Schluckenau liegt. Die Stadt ist sehr alt, und wurde wahrscheinlich von dem Rittergeschlecht Berk von Duba, dessen Wappen, zwei kreuzweise gelegte Eichenäste, sie noch führt, vielleicht im 13ten Jahrhundert erbaut. Vor dem dreißigjährigen Kriege, der ihr sehr verderblich wurde, war sie der größte und volkreichste Ort des Amtes Hohnstein. Leinweberei ist der Haupterwerbzweig des Ortes. Man verfertigt hier und in der Umgegend ungefähr dieselben Gewebe, die Sebnitz liefert, und macht davon beträchtlichen Absatz ins Ausland. Der Waarenzug von Pirna über Stolpen nach Rumburg und der Schleichhandel mit Böhmen erhöhen die Gewerbsamkeit. Wir haben von hier bis zum