Falkenberg,
einem der höchsten Berge des meißnischen Kreises, an der Gränze der Lausitz, ungefähr 1 Meile zu wandern. Der Fahrweg geht über Berthelsdorf, Nieder-Ottendorf und das Försterhaus im Klunker; der Fußpfad hingegen läuft seitwärts des erstgenannten Dorfes, längs dem Schönbachsberge. In einem am Wege sich hinab senkenden kleinen Thale wird Granit gebrochen, und in Säulen, Portalen und ähnlichem Gebrauche nach dem Winkel bearbeitet und sehr fein geglättet. Die beßten Arbeiten liefert eine vorzüglich harte, aus bläulich weißem Feldspath, weißem Quarz und braunschwarzem Glimmer bestehende Art. Wir setzen den Weg zum Försterhause im Klunker fort, wo wir Bewirthung und einen Führer finden, und kommen durch einen Theil des Putzkauer Waldes, in 3 Viertelstunden auf den Gipfel des Berges, der 1808 Par. Fuß über dem Meere liegt. Der ganze Wald, durch welchen wir wandern, ist mit Granitblöcken besäet, die zuweilen mit großen Kuppen und Klippen abwechseln, und hier und da Höhlen bilden, worunter die Wolfshöhle die größte ist. Gegen den Gipfel ansteigend, findet man viel Flötzgrünstein, und Grünsteinporphir, der zuweilen die Magnetnadel in Bewegung setzt. Merkwürdig ist, am westlichen Abhange, ein durch den Granit setzender, 9 Zoll breiter Gang von basaltischem Grünstein, der in Basalt übergeht. Die Aussicht vom Gipfel ist unermeßlich. Wir übersehen das weite Gebiet vom Riesengebirge bis zum Kolmberge. Wenden wir uns auf der Abendseite zu einigen Bänken unter Granittrümmern, so fliegt unser Blick über eine schöne Landschaft in die Gegend von Dresden bis zum Kolmberge, während in Nordwesten die Berge unter Königsbrück und Hoyerswerda den Gesichtskreis schließen. Auf der nördlichen Seite sehen wir über eine Waldblöße einen großen Theil der Oberlausitz von Camenz bis gegen die schlesische Gränze; am Fuße des Berges liegt das lange Dorf Neukirch in einem schönen Thale, und Bauzen, von zahllosen Dörfern umgeben, breitet sich in der Ferne aus, welche die Gebirge von Arnsdorf und Wilthen schließen.
Auf der Nordseite des Berges ist altes Gemäuer zu sehen, und auch auf dem nahen Ruprechtsberge sieht man Trümmer. Die Geschichte weiß zwar nichts von Burgen auf diesen Höhen, die Sage aber erzählt, von zwei Brüdern, Valentin und Ruprecht, die einst nach der Theilung ihres Erbes, des Rittersitzes Neukirch, auf jenen beiden Bergen Schlösser gebaut, aber bald sich entzweit hätten, worauf nun in einer blutigen Fehde die Burg auf dem Falkenberg wäre zerstört worden.
Wer von Bauzen in die sächsische Schweiz reiset, wird uns hier begegnen, wenn er über Neukirch auf den Falkenberg und weiter über Neustadt und Hohnstein oder über Sebnitz nach Schandau geht.
Wir wenden uns wieder nach Neustadt, um den Rückweg anzutreten. Nehmen wir den Weg über Hohnstein, das dritthalb Stunden von hier entfernt ist, so besteigen wir den Polenzer- oder Richtersberg, der nicht weit von der Stadt rechts an der Straße nach Hohnstein liegt, und freuen uns einer reichen Aussicht über das reizende Thal von Neustadt und den Felsenzug von Hinterhermsdorf bis zu dem Schrammstein, über welchen die hohen Kuppen des Rosenbergs, und Winterbergs und der Königstein sich erheben, und in der Ferne die böhmischen Gränzgebirge nach dem Erzgebirge sich ziehen. Haben wir Zeit uns in Neustadt aufzuhalten, und unsre Reiselinie zu verlängern, so würde eine Abschweifung in das nahe böhmische Gränzgebiet eine ungemein belohnende Wanderung sein. Wir kommen durch Langburkersdorf, und wenn wir in 1 Stunde die böhmische Gränze überschritten haben, besteigen wir den Raubeberg, auf dessen Gipfel wir das anmuthige Thal, durch welches unser Weg gegangen ist, und die heitre Landschaft, die sich weit ins Gränzland ausbreitet, überschauen. Eine Viertelstunde weiter südöstlich bei Neudörfel, erhebt sich der Spitzberg, auf dessen Kuppe, die ein eisernes Kreuz bezeichnet, der Basalt säulenförmig zu Tage ausgeht. Bei Lobendau, dem ersten Gränzdorfe, liegt eine Kapelle, die an manchen Festtagen von vielen Wallfahrern besucht wird. Der Weg zu dem schönen gewerbsamen Dorfe Hainsbach, mit einem Schlosse des Grafen von Salm, zieht sich durch das freundliche Thal und wir erreichen bald den Porzen, einen mächtigen Basaltberg, an dessen Fuße der Weg zu dem Städtchen Schluckenau läuft. Wollen wir die Wanderung durch den einspringenden Winkel Böhmens nach der Lausitz fortsetzen, so kommen wir über das gewerbfleißige Rumburg und Ruppersdorf nach Herrnhut, oder über das schöne Warnsdorf nach Großschönau und Zittau, oder über Georgenthal zu den Trümmern der Burg Tollenstein. Die nächste bequeme Straße von Schluckenau aber nach Herrnhut geht entweder über Friedersdorf, Kotmanndorf und Strahwalde, oder auf einem noch geradern, und mannigfaltig anziehenden Wege über das freundliche böhmische Gränzdorf Georgswalde, in dessen Nähe bei dem sächsischen Gersdorf wir die Quelle der Spree, den Spreebrunnen, besuchen und über das ansehnliche Weberdorf Eybau, eines der größten Dörfer Sachsens.
Es genügt uns, diese weite Abschweifung, wenn auch nur für wenige Reisende, angedeutet zu haben, und wir kehren nach Schluckenau zurück, um von hier entweder über Nixdorf durch ein anmuthiges Thal nach Sebnitz zu wandern, oder über Einsiedel oder Neudörfel nach Rugiswalde zu gehen, wo der
Unger
vor uns liegt, über dessen hohen Gipfel wir den Rückweg nach Schandau machen wollen. Das Prachtgemählde, das hier vor unsern Blicken aufgerollt liegt, steht an Umfang und Reichthum nur den Aussichten vom großen Winterberg und Zschirnstein nach. Auf dem nächsten Standpunkte gegen Mitternacht und Abend ist die Aussicht in die Gegenden von Dresden, Königsbrück und auf die Lausitzer Gebirge jenseit Stolpen, zum Theil durch Bäume verdeckt. Auf der Morgenseite, am Rande eines Kiefernwäldchens, auf einer mit Granitblöcken bedeckten Erhöhung, überblicken wir eine Landschaft, welche die Gebirge von Zittau bis Altenberg in blauer Ferne begränzen. Ueber Sebnitz und den Buchberg hin, folgt unser Blick dem Bergzuge, den die Lausche bei Zittau, der Nestelberg, der Tanneberg, der Kaltenberg, und die Kemnitzer Berge bilden. Hinter dem mahlerischen Felsenkranze von Hinterhermsdorf bis Schandau, woran das jenseitige Uferland sich knüpft, blicken der Rosenberg, und aus blauerem Hintergrunde der Gräber und der Göltsch hervor, und beginnen einen neuen Gebirgrücken, über welchen wir das Schloß Blankenstein bei Aussig schimmern sehen. Vom Schneeberg zieht sich eine Bergferne, wo wir das böhmische Dorf Schönewalde, den Sattelberg, den Geiersberg, und endlich den Kahlenberg und Geisingberg erblicken. Gehen wir durch das Gebüsch auf die höchste offene Kuppe des Berges, so schließen sich auch die östlichen Fernen an das unermeßliche Landschaftbild, und über dem Porzen sehen wir die Tafelfichte, das Friedländergebirge und einen matten Streif des Riesengebirges dämmern.
Den Berg hinab steigend, kehren wir über Ulbersdorf und Altendorf auf dem bekannten Wege nach Schandau zurück.