Tetschen,

das ungemein anmuthig auf dem rechten Elbufer am kleinen Flusse Polzen im Leitmeritzer Kreise liegt. Das Städtchen, schon im 12ten Jahrhundert als Veste bekannt, gehörte mit der gleichnahmigen Herrschaft um die Mitte des 11ten Jahrhunderts den mächtigen Berka von Duba und Leipa, fiel aber nach der Schlacht am weißen Berge bei Prag, wo der damahlige Besitzer, Rudolf von Bünau, nach Sachsen flüchtete, an das gräfliche Haus von Thun, das es noch besitzt. Ein hoher Sandsteinfelsen über der Stadt trägt das schöne Schloß, das theils gegen Ende des 17ten Jahrhunderts, theils erst im vorigen Jahrhunderte neu erbaut wurde, eine aus dem Felsen gehauene, 936 Fuß lange und 32 Fuß breite Einfahrt und einen, über 70 Klafter tiefen Felsenbrunnen hat. Die Büchersammlung ist ziemlich ansehnlich und die Rüstkammer reich an alten Waffen. Ein Lustgarten umgibt das Schloß, und das Ganze wird von dem geschmackvollen Besitzer immer mehr verschönert. In dem Städtchen, das 1600 Einwohner, eine Kattundruckerei, Baumwollenspinnerei, und viel Handel und Schiffahrt hat, besuchen wir die, im 17ten Jahrhundert erbaute, Lorettokapelle auf dem schönen Marktplatze, die Sakristei in der Stadtpfarrkirche mit guter Bildhauerarbeit, und den Wasserthurm, wo ein vom Mühlbache getriebenes Rad über 40 Eimer füllt und eine in den Schloßgarten geführte Röhre sich ausgießt. Der Fluß Polzen, der hier in die Elbe fällt, hebt gewöhnlich im Frühlinge zuerst die Eisdecke des Stromes und veranlaßt dadurch die Ueberschwemmung in Sachsen, während die Moldau bei Prag noch zugefroren ist. Die seit 50 Jahren bekannte Heilquelle, das sehr gut eingerichtete Josefsbad, liegt nahe bei dem Dorfe Weyer.

Wir sind hier in einer Gegend, die man mit Recht Böhmens Paradies nennt, und gewiß ist kein Theil des Elbthales schöner, als das Uferland von Tetschen bis Aussig, wo zwischen mahlerischen Felsengestalten ein reizendes, fröhlich geschmücktes Gelände sich durchschlingt, und hier Felsenstirnen mit Burgtrümmern, dort Weinberge mit Winzerhütten, dort freundliche Dörfer mit ihren Kirchthürmen sich in dem still bewegten Strome spiegeln, den Schiffe und leichte Kähne beleben. Alles ladet uns ein, in dem Städtchen länger zu verweilen, wo ein guter Gasthof uns alle Bequemlichkeiten darbietet. In der Nähe und Ferne locken uns reizende Gegenden. Wir besuchen die anmuthige Meierei Liewerda, 3 Viertelstunden von Tetschen. Der 2 Stunden entfernte Schneeberg (s. [S. 126].) ist von hier am bequemsten zu besteigen. Wir gehen durch Tichlowitz, eine Meile aufwärts am rechten Elbufer, zum Zinkenstein, auf dessen Gipfel wir von sieben verschiedenen Standpunkten die bezauberndsten Aussichten genießen. Auf dem halben Wege nach Aussig, eine Viertelstunde ostwärts von der Elbe, erhebt sich unweit des Dorfes Nieder-Welhottin der schroffe Spaltenstein, eine auf grauem Sandstein aufsitzende, dreimahl gespaltene Basaltkuppe, die aus Laubholz- und Tannenwipfeln, gegen 700 Fuß hoch über der Elbe, mahlerisch hervor ragt. Nicht weit von hier ziehen sich am Elbufer die Podskalsky-Weinberge nach Aussig hinan, die einen, im ersten Jahre wie Champagner schäumenden weißen und rothen Wein liefern. Oberhalb Aussig, das auf dem linken Elbufer liegt, erhebt sich der Schreckenstein, ein nackter Porphyrfelsen, dessen von den Hussiten zerstörte Burg auf das blutige Schlachtfeld hinabschaut, wo im Brachmonat 1426 gegen 12000 Meißner und Thüringer, die Friedrichs des Streitbaren großherzige Gemahlinn, Katharina, zum Schutze des Vaterlandes gesammelt hatte, im Heldenkampfe erlagen.

Haben wir uns verleiten lassen, so weit unsere Wanderung fortzusetzen, so miethen wir in Aussig einen Kahn, der uns nach Schandau zurück bringt.

Dritter Abschnitt.

Rückreise nach Dresden.

Wir verlassen Schandau bei Tagesanbruche und wenn wir in einer Gondel hinabschwimmen, landen wir in einer Stunde bei Halbstadt, dem Städtchen Königstein gegenüber. Wir sind hier unter dem

Lilienstein,