dem höchsten der zwölf frei stehenden Felsen in der Umgegend, der aus ungeheuren, enge verbundenen Sandsteinblöcken besteht, die auf dem Rücken des Berges sich erheben. Das Gestein gleicht völlig dem übrigen Sandstein des Elbgebirges, ist aber gegen die Mitte der steilen Höhe des Berges mit röthlichem, oder bräunlichem Eisenoker durchzogen. Es führen viele Pfade auf die Höhe des Berges, da die Landleute, welche die hier häufig wachsenden Beeren suchen, über die Abhänge nach allen Richtungen Pfade gebahnt haben. Vom Dorfe Ebenheit, am Fuße des Berges, wo wir auch einen Führer finden, zieht sich der Hauptweg an der Südseite längs dem Rande des Gehölzes. Wir steigen auf ausgehauenen Felsenstufen hinan, wo aber die Felsen unersteiglich empor ragen, führt eine Balkenbrücke über den Abgrund an der Seite der schroffen Wand und endlich bringen uns andre Stufen zwischen Felsenspalten auf die Kuppe des Berges, die mit Kiefern und Fichten bedeckt ist. Auf der Südseite sehen wir die Trümmer einer Jagdhütte, die im Jahre 1771 errichtet ward, als der jetzige König den Felsen erstieg. Auf einer vorspringenden, durch Spalten getrennten Felsenwand steht eine Spitzsäule, zum Andenken des Jahres 1708, wo des Königs Urgroßvater den Berg besuchte. Die Inschrift: Fridericus Augustus, Rex et Elector Sax. ut fortunam virtute ita asperam hanc rupem primus superavit aditumque faciliorem reddi curavit. Ao. 1708, (d. i. König Friedrich August, Kurfürst von Sachsen, erstieg muthvoll, wie er sein Schicksal ertrug, zuerst diesen rauhen Felsen und ließ den Zugang bequemer machen,) erinnert an die Bedingungen des Friedens von Alt-Ranstädt, nach welchen Karl XII. seinem Gegner nur den Königsnahmen, nicht aber die Erwähnung der polnischen Krone gestattete. Die Aussicht vom Gipfel, der nach neuern barometrischen Messungen 1297 Par. Fuß über dem Meere liegt, ist bezaubernd und reich, besonders gegen Morgen. Wir verweilen bei der Spitzsäule, einem günstigen Standpunkte, wo unser Auge dem Strome aufwärts über Schandau und den großen Winterberg bis zu Böhmens Gebirgen folgt. Eben so schön ist die Aussicht, die sich uns auf der Abendseite öffnet. Wir sehen Stolpen über den Wipfeln des Waldes, Dresden, Scharfenberg und den schönen Bogen der Elbe zwischen den nach Meißen sich hinabziehenden Rebenhügeln. Eine gegen Abend aufsteigende Kuppe ist von dem Hauptfelsen durch eine tiefe Kluft getrennt und unersteigbar, doch scheint sie einst mit jenem durch Kunst verbunden gewesen zu sein. Man weiß indeß nichts von der ältern Geschichte des Ylgensteins, wie der Felsen vor Zeiten hieß, als die unbestimmte, aus einer Urkunde hervor gehende Andeutung, daß noch zu Ende des 14ten Jahrhunderts eine veste Burg hier stand, die wahrscheinlich als böhmisches Schloß mit dem nahen Königstein denselben Besitzer hatte, und mit diesem an den Burggrafen von Dohna kam. In frühern Zeiten sah man noch mehre Ueberreste von altem Gemäuer, als jetzt, und auf einem Steine des 1708 geräumten Brunnens war die Jahrzahl 1499 noch um die Mitte des vorigen Jahrhunderts zu lesen.[12] Die Sage hat das Innere des Felsens, der viele finstere Höhlen und Schluchten enthält, mit Geistern bevölkert, die unermeßliche Schätze bewachen. Die Gegend um den Fuß des Berges war der Schauplatz des harten Schicksals, welches dem sächsischen Heere in den unglücklichen Octobertagen des Jahres 1756 durch die Fehler seiner Führer bereitet wurde, und mit der Uebergabe desselben endigte, nachdem es 34 Tage lang eingeschlossen gewesen war, und Drangsale aller Art mit ungebeugtem Muthe und ungeschwächter Kampflust ertragen hatte. Noch sieht man am Fuße des Berges die alte Linde, wo Friedrich II. in jenen Tagen verweilt haben soll. Die Franzosen legten im Sommer des Jahres 1813 auf dem untersten Kranze des Felsens veste Verschanzungen an, wozu das Holz bis ans Stromufer hinab, größtentheils weggeschlagen wurde. Napoleon ließ, um die Verbindung mit diesen Bevestigungen zu erleichtern, eine auch für Geschütz fahrbare Straße (s. [S. 74].) durch die Felsenumgebungen von Hohnstein anlegen, die von hier über Heeselicht nach Stolpen führte, und bis auf einige Theile, welche die Eigenthümer der Grundstücke, worüber sie war gelegt worden, sich wieder zugeeignet haben, ist sie noch immer in gutem Stande. Wie wir die Reise zum Lilienstein an andre Wanderungen knüpfen können, haben wir früher ([S. 43.]) schon gehört.

Wir fahren wieder über die Elbe und landen unter der Veste

Königstein

bei dem gleichnahmigen Städtchen, das am Fuße des hohen Felsens, 390 Par. Fuß über dem Meere liegt, und gegen 1300 Einwohner zählt, die sich von einigen städtischen Gewerben nähren, aber gar keinen Feldbau haben. Der Besuch der Veste fand in frühern Zeiten weniger Schwierigkeiten, jetzt aber wird Niemanden der Zutritt gestattet. Sie erhebt sich nordwestlich von der Stadt auf einem abgesonderten Felsenkegel, ist der Schlüssel des Passes nach Böhmen durch das Elbthal und von mehren Seiten unzugänglich. Wenn wir hinter dem Städtchen in dem Hüttengrunde (s. [S. 128].) hinauf gehen, oder dem Wege nach Pirna bis zur neuen Schenke am Fuße des Berges folgen, sehen wir die Gebäude der Veste von den nächsten Standpunkten. Es ist nicht zu bestimmen, ob bereits die Sorben den Felsen bevestigt haben, aber gegen Ende des 13ten Jahrhunderts nennt ihn die Geschichte als eine böhmische Veste, die König Wenzel späterhin einem Edlen seines Reiches, Stirnad von Winterberg, verpfändete. Im Anfange des folgenden Jahrhunderts aber gebot hier der mächtige Burggraf, Jeschke von Dohna, nach dessen Falle (1403) Königstein an den Markgrafen von Meißen kam, dem der König von Böhmen im Vertrage zu Eger (1459) seine Ansprüche abtrat. Die alte Burg wurde im Hussitenkriege (1425) verbrannt. Herzog Georg von Sachsen baute 1516 auf den Trümmern ein Cölestiner-Kloster, das er mit Mönchen vom Oybin bei Zittau besetzte. Kaum aber hatte die neue, dürftig begabte Stiftung 9 Jahre bestanden, als die Mönche, bis auf einen einzigen, heimlich nach Wittenberg gingen, wo der Prior heirathete. Der Herzog hob in seinem Unwillen das Kloster auf. Nach seinem Tode wurde der Felsen seiner ursprünglichen Bestimmung zurück gegeben. Kurfürst August legte den Grund zu der neuen Veste, deren eigentlicher Schöpfer aber sein Sohn Christian war. Unter seinen Nachfolgern, bis auf Friedrich August I. wurden viele neue Werke angelegt und die alten verstärkt, besonders aber hat der jetzige König durch die Erbauung vortrefflicher Kasematten, eines künstlichen Backofens und neuer Außenwerke, die Verlegung der Pulverbehältnisse unter die Mauern der Veste, und andre Anlagen, viel für die alte Schutzwehr des Landes gethan. Seit dem Frieden hat der in den Kriegsjahren größtentheils unterbrochene Bau wieder angefangen. Im dreißigjährigen Kriege wurde die Veste weder von den Kaiserlichen, noch von den Schweden angegriffen, im siebenjährigen Kriege war sie, Kraft einer besondern Uebereinkunft, parteilos, und im Kriegsjahre 1813, wo sie stets sächsische Besatzung behielt, ward ihr derselbe Vortheil von den Verbündeten gewährt, die nach der Schlacht bei Leipzig das obere Elbufer besetzt hatten. In Kriegszeiten werden die Schätze des Staats hier aufbewahrt. Im Anfange des siebenjährigen Krieges flüchtete König August selbst auf die Veste, und als das Schicksal seines Heeres entschieden war, ging er von hier nach Polen.

Ein breiter Steinweg führt zu einer Zugbrücke, die in einen dunkeln gewölbten Felsengang bringt. Ueber diesem Eingange war der, bei der Feuersbrunst im Jahre 1806 zerstörte, in neuern Zeiten wieder hergestellte Johannissaal, aus dessen Fallthüren der eingedrungene Feind durch Steinwürfe und Gewehrfeuer abgewehrt werden kann. Der Steinweg führt auf die Ebene des Felsens, der mehre zu verschiedenen Zeiten errichtete kühne Gebäude trägt. Die Christiansburg, oder Friedrichsburg, vom Kurfürsten Christian I. erbaut und von Friedrich August I. verschönert, steht gerade dem Lilienstein gegenüber, und enthielt vor Zeiten einen prächtigen Spiegelsaal mit einer Vorrichtung im Fußboden, wodurch eine besetzte Tafel herauf gehoben werden konnte. Der Blitz zerstörte alles dieß um die Mitte des vorigen Jahrhunderts. Man sieht hier jetzt die früher im Johannissaal aufbewahrten Bildnisse sämmtlicher sächsischen Fürsten, bis in die Fabelzeit hinauf, aller Feldobersten, die mit Johann Georg III. beim Entsatze von Wien waren und aller Befehlhaber der Veste. Man zeigt in der Nähe das Pagenbett, einen kaum zwei Fuß breiten Vorsprung der Brustwehr, auf welchem ein Page Johann Georgs III., Heinrich von Grünau, im Taumel des Rausches durch eine Schießscharte gekrochen war, und wo er, am Rande des steilen Abgrundes ruhig schlief, bis der Kurfürst, der ihn auf dem gefahrvollen Lager mit Stricken hatte vest binden lassen, durch Trompetenschall ihn wecken ließ. In der Kirche bewahrt man ein, vom Kurfürsten Johann Georg II. verfertigtes Kruzifix von Ebenholz und Elfenbein und ein Gemählde, das von Lukas Kranach sein soll. In der Georgenburg wurden vor Zeiten Staatsgefangene aufbewahrt, unter andern der unglückliche Kanzler Crell, der Betrüger Klettenberg (s. [S. 75].) und Menzel, der Friedrichs II. Gesandten geheime Staatsurkunden treulos verrieth. Unter der Magdalenenburg sind zwei Felsenkeller, wovon einer seit 1624 stets ein großes Weinfaß enthielt. Das letzte und größte, das in den Jahren 1722–1725 ein Böttcher aus Strasburg erbaute, war 17 Ellen lang und faßte 3709 Dresdener Eimer; ward aber vor einigen Jahren wegen Baufälligkeit aus einander genommen, und die dabei aufbewahrten silbernen Trinkgefäße in Gestalt von Kanonen und Mörsern wurden in die Kunstkammer in Dresden gebracht.[13] Der in den Felsen gehauene Brunnen, der 1553 angefangen, aber erst 1593 vollendet ward, hat nach ältern Angaben 900, nach neuern jedoch nur 586 Ellen Tiefe und ist mit einem Gewölbe bedeckt. Eine Maschine, die mit einem, von vier Soldaten getretenen Rade in Verbindung steht, windet die Wassertonnen hinab und herauf. Das Zeughaus enthält eine Menge alter und neuer Waffen. Das Provianthaus faßt Vorräthe für drei Jahre. Auf der Fläche des Felsens sieht man mehre kleine Gemüsegärten, selbst einen Weingarten. Den Gipfel ziert auch ein schattiger Lustwald von alten hochstämmigen Bäumen, den mehre Gänge in verschiedenen Richtungen durchschlängeln. Die neuen bombenvesten Kasematten, welche die Felsenburg in dem Umfange einer halben Stunde umschließen, sind zum Theil ganz in den Felsen gehauen, aber sehr geräumig und trocken. Jede kostet 1500 Thaler. Auf den Steinplatten, welche die Gewölbe der Kasematten bedecken, und auf den Gängen der Brustwehr geht man rings um die Veste, und genießt nach allen Seiten reizende Aussichten. Der ganze Lauf der Elbe liegt vor dem entzückten Blicke, und im Hintergrunde steigen die nahen und fernen Gipfel einer Felsen- und Gebirgwelt über die reichen Landschaftgemählde, welche die Ufer des Stromes schmücken. Die Veste hat einen Commandanten, einen Unter-Commandanten, einen Platzadjutanten, einen Auditeur und einen Ingenieur. Die bleibende Besatzung bestand früher aus Invaliden; nach der 1821 verfügten Entlassung sämmtlicher Invaliden aber wird von jedem Infanterie-Regimente Mannschaft zur Besatzung abgegeben, wozu auch eine Abtheilung Artillerie gehört, die zu bestimmten Zeiten abgelöset wird.

Die Fahrstraße von Königstein nach Pirna geht über Struppen, oder auf einem bessern Wege näher am Elbufer. Wir gehen in der Landzunge, die der schöne Bogen des Stromes hier bildet, nach Weißig hinauf, und stehen bald am Fuße der

Bärsteine,

wovon der größte 1030 Par. Fuß über dem Meere liegt. Auf dem leicht ersteigbaren Gipfel hat man eine reizende Aussicht auf die Gegenden von Pirna, Pillnitz und Dresden und aufwärts über Königstein nach den hohen Gränzgebirgen. Den Bärsteinen gegenüber, ragt aus dem Walde der Nonnenstein hervor, den, wie die Sage erzählt, eine Nonne mittels eines gefällten und angelegten Tannenstammes täglich erstiegen hat, um auf dem Gipfel zu beten, und noch am Ende des 17ten Jahrhunderts soll ein alter Mönch eine Wallfahrt dahin gemacht haben. Nördlich von Thürmsdorf erhebt sich eine hohe Felsenwand, wo ein Kreuz das Andenken einer muthvollen Jungfrau erhält, die im Jahre 1639, von schwedischen Kriegsleuten geängstigt und verfolgt, sich in den Abgrund stürzte, um ihre Unschuld zu retten. Seitdem heißt der Felsen der Jungfernsprung. In der Nähe zieht sich eine weite Höhle, der Diebskeller, in den Felsen. Wir folgen dem anmuthigen Wege längs der Elbe über Pötscha und Vogelsang, oder von Naundorf über Struppen und von hier auf dem hohen Uferrande der Elbe, wo oft der Spiegel des Stromes aus dem reizenden Thale zu uns herauf blickt, über Cunnersdorf nach

Pirna,

eine der freundlichsten Elbstädte, die am Ausgange des Felsenthales liegt, das von der böhmischen Gränze her die Ufer des Stromes einschließt. Pirna ward ohne Zweifel von den Sorben erbaut, und die günstige Lage mußte den Ort bald blühend machen. Nach den ältesten Nachrichten gehörte die Stadt im 12ten und 13ten Jahrhunderte zu Böhmen, war aber den Bischöfen zu Meißen lehnpflichtig. Die Tochter des böhmischen Königs Ottokar I. brachte sie im Jahre 1249 Heinrich dem Erlauchten als Mitgift. Funfzig Jahre später aber kam die Stadt mit dem Sonnenstein wieder an Böhmen, und nach manchen Besitzveränderungen, gelangte sie endlich 1404 an die meißnischen Markgrafen, welchen der zu Eger 1458 geschlossene Vertrag das Eigenthum bestätigte. Eine Seuche richtete 1532 furchtbare Verheerungen an, noch verderblicher aber wurde der dreißigjährige Krieg, der den Handelsreichthum der Stadt zerrüttete, und 4 Jahre nach dem Prager Frieden (1635), dessen Grundlagen hier verabredet wurden, erduldete sie in dem furchtbaren Jahre 1639, wo sie von dem schwedischen Feldherrn Banner mit Sturm genommen wurde, fünf Monate hindurch die härtesten Drangsale. Der Krieg im Jahre 1813 schlug ihr neue Wunden, besonders als die Franzosen den Sonnenstein gegen die Angriffe der Verbündeten hartnäckig vertheidigten. Die Stadt ist größtentheils gut gebaut und hat in 483 Häusern 4500 Einwohner. Die große Hauptkirche, die 1803 im Innern erneuert wurde, ist ein sehenswerthes Denkmahl altdeutscher Baukunst, und hat in den Fenstern noch einige alte Glasgemählde. Die Klosterkirche am Elbthore ist zum Theil noch von den alten Mauern des ehemahligen Dominikanerklosters umgeben, das 1300 gegründet wurde und vor der Reformation sehr berühmt war. Hier lebte der sogenannte pirnaische Mönch, Paul Lindner, der von 1480 bis 1530 ein geschichtliches Werk zusammen trug, das für die gleichzeitige sächsische Geschichte nicht ohne Werth ist. Die Handschrift dieses Werkes wurde 1639 vom Untergang gerettet, und kam später in die Rathsbibliothek zu Leipzig. Die Büchersammlung des Klosters wurde 1544 der Paulinerbibliothek zu Leipzig überlassen.