Südlich von Stolpen und Hohnstein — durch eine unten zu bestimmende Gränzlinie hier vom nordwärts streichenden Granit geschieden — beginnt ein Sandsteingebirge, welches sich größtentheils mit angebautem Land bedeckt, zur Elbe hinabsenkt. In mehren Gegenden ist dasselbe von tiefen Thälern durchschnitten, wo hohe und steile Felsen die Ufer der Bäche begränzen. Gegen Mittag steigt das Gebirge mehr an, und an vielen Stellen des Stromufers ragen seltsam wilde Felsengestalten empor, endlich aber zieht es sich bis in die Gegend von Gießhübel und erscheint jenseit der Gottleube, wo das Gebiet des Gneises anfängt, nur in einzelnen Felsen. Südöstlich erstreckt es sich bis an die böhmische Gränze und dann weiter, durch den einspringenden Theil Böhmens, bis zu den bei Waltersdorf, Johnsdorf und Oybin sich erhebenden Sandsteingebirgen. Der niedrigste Punkt desselben liegt um Königstein und Pirna. Den Theil dieses Gebirglandes, der nördlich von dem kleinen Flusse Wesenitz, westlich von der Gottleube, südlich und südöstlich von Böhmen und östlich von einer, über Stolpen und Neustadt am Fuße des Falkenbergs laufenden Linie begränzt, und von der Elbe in reizenden Windungen durchflossen wird, hat man die sächsische Schweiz, oder das meißnische Hochland genannt, ein Landstrich, der von der Grundmühle bei Liebethal bis oberhalb Hinterhermsdorf an der böhmischen Gränze, eine Länge von beinahe 5 Meilen vom Falkenberge bis zur Gottleube ungefähr auch 5 Meilen Breite hat, und einen Flächenraum von 15 Quadratmeilen begreift. Im engern Sinne aber gibt man jenen Nahmen nur dem Sandsteingebirge, das sich oberhalb Pirna über Schandau auf beiden Ufern der Elbe bis südlich zu den böhmischen Gebirgen, ungefähr 3 Meilen lang, erstreckt. Dieses reizende Gebirgland umfaßt den östlichen Theil des meißnischen Kreises, und zwar das ganze Amt Hohnstein und einen Theil der Aemter Pirna und Stolpen.
Sandsteinfelsen, die besonders bei Königstein, Rathen, Hohnstein und Schandau in langen Ketten fortziehen, mehre gegen 1800 Fuß ansteigende Berge, furchtbare von Waldbächen durchströmte Schluchten, wechseln mahlerisch mit fruchtbaren Geländen und heitern Thälern, und machen diesen Landstrich zu einer der reizendsten Gegenden Sachsens. Jene wunderbaren, den Sandsteingebirgen überall eigenen Felsenbildungen findet man auch hier wieder. Steil und gerade steigen die Wände der Bergmassen und Thäler mauerartig empor, und die deutlich erkennbare Schichtung vermehrt die Aehnlichkeit mit künstlichem Mauerwerke. Mitten unter solchen Felsen senkt sich zuweilen eine enge Kluft hinab, die selbst dem Pflanzenwuchse Raum gibt, oder dem Menschen Zugänge öffnet. Nicht selten wölbt sich mitten durch die Felsen ein hohes Thor; breite Höhlen öffnen sich an steil abstürzenden Wänden, und überall an den dicht bewaldeten Felsenbergen, in den mauerartig geschlossenen Thälern glaubt man in pfeilerartigen Klippen die Trümmer von Menschenwerken zu erblicken. Auf sanft sich erhebenden Bergen sieht man senkrechte Sandsteinfelsen emporsteigen, deren ebene Oberfläche oft von beträchtlichem Umfange und häufig mit Nadelholz bewachsen ist, während die Bergabhänge an ihrem Fuße bald bewaldet, bald mit Aeckern und Wiesen bedeckt sind. Die Ufer der Elbe sind in manchen Gegenden, wie bei Wehlen, Königstein und Schandau, nackte, senkrecht ansteigende Felsenwände, die sich jedoch nie zu der Höhe jener, auf Berggipfeln emporragenden Sandsteinfelsen erheben. Die kleinen Flüsse und Bäche, welche der Elbe zuströmen, laufen meist alle durch finstere Felsenthäler. Diese Kette von Bergreihen und Thälern wird an der Gränze des Landstriches von hohen Bergen eingeschlossen. Nördlich erhebt sich der Falkenberg mit dem Hochwalde, die Gränzscheide der Oberlausitz und des Meißnerlandes, östlich der Buchberg bei Sebnitz, der Weifberg bei Hinterhermsdorf, und in Böhmen der Hantschberg und der basaltische Porzen bei Schluckenau, südöstlich der große Winterberg, und jenseit der Gränze der Rosenberg, südlich der Zschirnstein, auf der Gränze von Sachsen und Böhmen, der Schneeberg in Böhmen. Der Lilienstein, der Zschirnstein und der große Winterberg, der Pfarrberg nördlich von Schandau, der Hantschberg unweit Hinterhermsdorf, bieten die schönsten Standpunkte zur Uebersicht des Berglandes dar. Die übrigen höchsten Kuppen sind: der Unger und der Schönbachsberg unweit Neustadt, der Puttrichsberg bei Saupsdorf, der Kikelsberg bei Hohnstein, der Waizdorferberg, die Thorwaldwände oberhalb Schandau, der Kahlstein, der Königstein. Auf einigen dieser Höhen überschauen wir ein Gebiet von beinahe 20 Meilen, und selbst manche Bergebenen, wie die Höhe bei Neustadt, liegen höher als der Königstein. In der Nähe der höchsten Bergkuppen bei Rathen, Hohnstein und zwischen den Felsenwänden oberhalb Schandau, findet man die tiefsten Thäler, während weiter gegen Abend, wo der Strom sein Felsenufer verläßt, die Höhen in das breitere Thal abfallen.
Das Bett der Elbe bildet das Hauptthal dieser Gebirggegend, zu welchem die übrigen kleinern Thäler und Felsenschluchten sich hinab senken, und die Höhen sich abdachen. Der Anblick des Landes muß auf die Vermuthung führen, daß der Landsee, dessen Boden in der Urzeit Böhmen war, den Felsendamm oberhalb Hirniskretschen durchbrochen, und herabstürzend die ausgewaschenen, einzeln sich erhebenden Felsenkegel stehen gelassen habe, während der Strom in der Richtung von Südost nach Nordwest sich sein Bett wühlte. Dem Zuge der Elbe folgen die kleinern Flüsse und Bäche, die im böhmischen Waldgebirge unweit Rumburg entspringende Kirnitsch, die Sebnitz, die Polenz und die Wesenitz, die auf dem Falkenberge und dem Hochwalde ihre Quellen haben, und auf dem linken Stromufer die am Fuße des Schneeberges entspringende Biela. Die bei der Thalbildung wirksam gewesenen Umstände, wodurch jenen, im härtern Granitgebirge entsprungenen kleinen Flüssen der Weg durch die weichern Sandsteinfelsen geöffnet wurde, geben dem Berglande eine reizende Mannigfaltigkeit auffallender Gestaltungen in den hohen Felsenriesen, wie in den tiefen Thälern.
Ein Blick auf die Karte zeigt uns, daß der ganze Landstrich keine Ebenen hat, sondern eine Kette von zahllosen größern und kleinern, einzeln sich erhebenden oder verbundenen Bergen, Hügeln, Felsenthälern und Schluchten bildet. Die merkwürdigen Sandsteinbildungen ziehen zuerst unsere Blicke an.
Der Sandstein ist überall von weißer, zuweilen ins Bräunliche, oder auch ins Gelbliche spielender Farbe. Er liegt in wagerechten Lagern und Bänken von verschiedener Stärke, wovon die obere, gewöhnlich die schwächste, sehr zerklüftet erscheint, aber sich nicht über die unten liegenden Bänke zusammenhangend fortziehet, wogegen die untern Lager durch alle in dem Sandsteinfelsen angelegten Steinbrüche gleichförmig fortgehen. Die Flötzklüfte, welche die Lager trennen, sind mit lockerm Sande ausgefüllt, und alle Bänke durch beinahe senkrechte Klüfte gespalten, die zuweilen Oeffnungen von mehr als 20 Zoll bilden. Die Beschaffenheit und der Bau der Sandsteinfelsen verrathen deutlich, daß das Wasser dieses Gebirge auf dem darunter liegenden Granit und Schiefer abgesetzt hat, was auch die, sowohl in den obern und untern Bänken des vesten Steines, als in größerer Menge in den Flötzklüften gefundenen Versteinerungen, meist Austern und Kammmuscheln, beweisen. Die Bestandtheile der Sandsteinfelsen und ihre Verbindung sind nicht immer von gleicher Größe und Vestigkeit. Es wechseln Lager von gröberem Korne mit Bänken von feinerm, und locker verbundene Steine mit vestern ab. Der weiche Sandstein hat ein thoniges Bindemittel, in dem harten aber sind die Bestandtheile von gröberm Korn durch eine quarzige Masse verbunden. Die Lager des Sandsteins sind, nach den Gegenden, an Größe der Bänke und an Härte verschieden. Den härtesten Stein liefern, außer Cotta, die Brüche bei Hennersdorf unweit Krippen und die beiden Kirchleiten bei Königstein, die beßten Bausteine kommen aus Postelwitz, Königstein, Wehlstädtchen und aus den Teichsteinbrüchen, die vorzüglichsten Mühlsteine von Liebethal und die größten von Cotta. Der feinste Stein aus den Brüchen zwischen Cotta und Rothwernsdorf wird zu Bildhauerarbeiten gebraucht. Die hier angelegten Steinbrüche reichen ohne Zweifel in die Zeit des frühsten Anbaues dieser Gegend hinauf, und da der Stein an den meisten Orten über 100 und 200 Fuß hoch aufgesetzt und sehr weit verbreitet ist, so kann noch viele Jahrhunderte lang fortgearbeitet werden, ehe es nöthig wäre, einen mühsamen und kostbaren Bau in der Tiefe anzufangen. In diesen Brüchen arbeiten gegen 600 Steinbrecher, die eine aus verschiedenen Abtheilungen bestehende Zunft bilden.
Wie westlich die Gottleube das Sandsteingebirge von dem Gebiete scheidet, wo der Gneis die herrschende Gebirgart ist, so bildet eine, durch Dobra und Hohnstein über Waizdorf, westlich von Altendorf, dann über Lichtenhain, Saupsdorf, Hinterhermsdorf und die Heidelmühle laufende Linie die Gränze, auf deren nördlicher Seite der Granit herrschend wird. Zu den Naturmerkwürdigkeiten gehören auch die Basaltberge, deren man in dieser und der angränzenden Gegend gegen zehn (Spitzberg bei Neudörfel und Porzen, in Böhmen, Stolpen, Kikelsberg, Hankenhübel, Heilenberg, die beiden Winterberge, Zschirnstein, Spitzberg bei Cotta) zählt.
Die Berge, welche die Hochebenen des Felsenlandes umgeben, und die sich hindurch ziehenden Thäler sind mit Nadelholz und Wäldern bewachsen, deren dunkle Wipfel das fröhliche Grün der Buchen, Birken und andrer Laubhölzer erheitert. Ueberall erscheint mitten in der öden Felsenwelt reicher Pflanzenwuchs, der uns viele Seltenheiten, selbst Alpenpflanzen darbietet; die tiefen Felsenthäler, die Berggipfel, sind häufig mit Farrenkräutern bedeckt, oft selbst die nackten Sandsteinwände mit Moosen und Flechten mahlerisch bekleidet, und man findet fast alle Flechten, die im nördlichen Deutschland auf Ebenen und niedrigen Gebirgen, oder auf Höhen gedeihen. Die Insektenwelt ist in mehren Gegenden, z. B. am Hochwalde und am Falkenberg, zahlreich bevölkert. Die Wälder, deren es sehr ansehnliche, wie oberhalb Schandau und bei Neustadt, gibt, sind selbst von seltenen Vögeln, z. B. dem Auerhahn, Stockaar, Mäuseaar, Fischaar und Uhu bewohnt. Die Bären aber, die noch zu Anfange des 17ten Jahrhunderts in den Felsenwildnissen lebten, sind längst gewichen, und selbst die Ueberreste, die man noch um die Mitte des vorigen Jahrhunderts bei Hohnstein hegte, völlig verschwunden. Die zahlreichen Bäche liefern Lachse, Lachskunzen und köstliche Forellen.
Das Klima des meißnischen Hochlandes ist nicht überall gleich, im Ganzen jedoch milder als in andern teutschen Gebirggegenden, und selbst in einigen der höchsten Gegenden, wie im Gränzdorfe Schneeberg in Böhmen, mehr als 2000 Fuß über der Meeresfläche, gedeihen noch allerlei Obstarten, während in weit niedrigern Gegenden am Harz selbst Feldfrüchte nicht mehr fortkommen. Die höchste und kälteste Gegend dieses Berglandes, Rugiswalde nördlich von Sebnitz, erzeugt gute Kirschen und Pflaumen und in benachbarten Orten gedeihen noch feinere Obstarten. Es gibt aber auch Gegenden, wo der Schnee so früh fällt, und so spät verschwindet, als auf hohen Gebirgen. Der Boden, einzelne Stellen in dem Felsengebiete ausgenommen, ist fruchtbar und reich an Naturerzeugnissen. Viele Quellen, die auf den Höhen und an den Bergabhängen entspringen, erhöhen die Fruchtbarkeit, und von den Nadelholz-Wäldern angezogen, entladen sich die Gewitterwolken häufig in befruchtendem Regen.
Die Bewohner des Gebirglandes zeichnen sich durch kräftige Gesundheit, Fleiß und freundliche Geselligkeit aus. Man findet viele Dörfer, die durch ihre Größe, oder durch gefällige und bequeme Wohnungen für die Betriebsamkeit des Landmanns zeugen. In den höchsten Berggegenden liegen die Wohnungen zerstreut auf den Höhen, auf Wiesen und am Rande der Wälder oft in weiter Entfernung aus einander. Mehre Denkmale der Vergangenheit, alte Burgen, die theils noch unversehrt sind, theils in Trümmern liegen, theils nur in kaum erkennbaren, von der Ueberlieferung gedeuteten Spuren ihr Andenken erhalten haben, rufen dem Wanderer das Bild der Vorzeit zurück, während viele merkwürdige Anstalten ihm die höhere Bildung und die verständige Betriebsamkeit der Mitwelt beweisen. Jene Spuren der Vorzeit erinnern uns hier und da selbst noch an die Sorben, welchen auch diese Gegend, wie das ganze Meißnerland, seit dem 6ten Jahrhundert den ersten Anbau verdankte. In den Sitten und Gewohnheiten des Volkes aber ist hier nicht, wie in der Lausitz, das Gepräge der alten Bewohner sichtbar geblieben, und die volkthümliche Eigenheit derselben früh von den Sitten teutscher Ansiedler verdrängt worden, mit welchen seit dem 10ten Jahrhunderte jene allmählig immer mehr verschmolzen, als durch die Bemühungen der Bischöfe von Meißen das Christenthum unter den Sorben verbreitet wurde. Der Anbau des Landes und die Bildung seiner Bewohner mochten schon Fortschritte gemacht haben, als dieser Landstrich im 12ten Jahrhunderte an Böhmen kam. Das Schicksal des Berglandes hing seitdem meist von dem Besitze der Stadt Pirna ab, die im 13ten Jahrhundert an das meißnische Fürstenhaus kam, gegen Ende desselben aber wieder an Böhmen fiel, bis sie endlich im 15ten Jahrhunderte den Markgrafen von Meißen völlig unterworfen ward. In jener Zeit hatten hier viele Raubritter ihre Sitze, und während der böhmischen Herrschaft wurde besonders durch den fehdelustigen Geist des mächtigen Rittergeschlechts Berka von der Duba, das die Veste Hohnstein besaß, die Sicherheit und Ruhe des Landes gefährdet. Nicht minder kriegerisch waren jenseit der Elbe die Burggrafen von Dohna, deren Besitzungen über den Königstein und Lilienstein bis in die Gegend von Schandau sich erstreckten. Mit der Herrschaft der meißnischen Fürsten kamen Gesetzlichkeit und Friede und in ihrem Gefolge Wohlstand in das verwilderte Gebirgland, als nach Bezwingung der Burggrafen von Dohna zu Anfang des 15ten Jahrhunderts nach und nach auch die Vesten Hohnstein und Rathen erobert und andre Raubschlösser zerstört wurden.
Die angenehmste Zeit zum Besuche des Gebirglandes ist entweder der Frühling, oder das Ende des Junius und der Anfang des Julius, oder die frühere Herbstzeit von der Mitte des Septembers bis in den Oktober, wo das bunte Farbenspiel der Belaubung den Landschaften eigene Reize gibt, und besonders auch der Landschaftmahler durch die lichtern Wipfel, bei reinerm Himmel, die heitersten Aussichten genießt. Nach der Mitte des Julius und im August ist die Hitze gewöhnlich zu drückend, und der Himmel selten heiter, ausgenommen nach Regentagen.