Die meisten Reisenden besuchen die sächsische Schweiz von Dresden aus, und dieser Richtung folgt der erste Abschnitt der nachstehenden Anleitung, welcher sie von Pillnitz und Liebethal, oder Pirna nach Schandau und weiter bis zum Prebischthor und Hirniskretschen führt. Wir werden auf diesem Wege nicht vergessen, uns die Reiselinien angeben zu lassen, die wir an jene Wanderung knüpfen können, wenn wir längere Zeit dazu bestimmen wollen, als die Mehrzahl der Reisenden derselben zu widmen pflegt. Wer die übrigen merkwürdigen Gegenden zu beiden Seiten jener Linie besuchen will, versetze sich mit uns nach Schandau, um von diesem Mittelpunkte aus die übrigen Theile des Gebirglandes auf einzelnen Wanderungen zu bereisen. Diese Andeutungen zu einzelnen Reisen werden sich leicht als Grundlage eines zusammenhangenden Reiseplans benutzen lassen, wenn wir die ganze sächsische Schweiz, oder den größten Theil derselben auf einmahl durchwandern wollen. Wir werden uns zu diesem Zwecke mehre Reisewege, sowohl von Dresden, als von andern Gegenden Sachsens und Böhmens aus, vorschlagen lassen.
Seit dieses Bergland jährlich Tausende von Fremden anlockt, ist die Betriebsamkeit fortdauernd bemüht, für die Bequemlichkeit der Reisenden zu sorgen. In den Städten Pirna, Wehlen, Königstein, Schandau, Hohnstein, Neustadt und Sebnitz gibt es Gasthöfe, auch in Flecken und Dörfern, wie Lohmen, Rathen, Krippen, Saupsdorf, Hinterhermsdorf findet man oft unerwartet gute Bewirthung und Herberge, und selbst in einsamen Mühlen kann der Wanderer, wenn die Nacht, oder unfreundliches Wetter ihn überrascht, ein ländliches Nachtlager erhalten. Wer der Bereisung des meißnischen Hochlandes mehr als die gewöhnliche Zeit widmen will, kann sich jede Bequemlichkeit sichern, wenn er seine Wanderung in einzelne Tagereisen von Schandau aus abtheilt, wo er unter einigen Gasthöfen wählen kann, von welchen besonders das Badehaus in der anmuthigsten Lage ihn anziehen wird. Auch wenn man den Aufenthalt auf drei oder vier Tage beschränken muß, kann man die Reise sehr bequem so einrichten, daß man täglich das Nachtlager in Schandau nimmt. Auf mehren viel besuchten Punkten, z. B. auf der Bastei, in der Kuhstallhöhle, auf dem großen Winterberge und im Prebischthor sind — freilich oft den Genuß der Naturschönheiten störend — während der Sommermonate Schenkwirthschaften angesiedelt.
In Dresden, Pirna, Wehlen, Schandau, Hirniskretschen, Tetschen und aufwärts bis Aussig, findet man immer Gondeln bereit, wenn man einen Theil der Reise auf der Elbe machen will. Im Sommer geht an jedem Sonntage Nachmittags, wenn nicht heftige Winde die Fahrt hindern, von Rathen am Fuße der Bastei eine Gondel nach Dresden ab, wo sie gegen Abend ankommt. Eine auf der Bastei sichtbare weiße Flagge kündigt die Abfahrt an. Auch von Pirna und Schandau fahren wöchentlich Schiffe nach Dresden. Eine Postkutsche geht von Dresden täglich nach Pirna, und kommt an jedem Tage Vormittags von dort in Dresden an, und eine andere fährt Dienstags und Sonnabends von Dresden über Stolpen nach Neustadt. Wegkundige Führer, die man sowohl für die ganze Reise, als auf Tage dingen kann, findet man gewöhnlich in allen besuchten Orten, besonders in Schandau. Die seit 1820 auch hier, wie überall in Sachsen, an Scheidewegen, selbst mitten in Wäldern, aufgestellten Wegweiser erleichtern überdieß die Wanderung, und nur hier und da vermißt man noch solche willkommene Fingerzeige. Für den beschwerlichsten Theil der Reise kann man Tragsessel haben, die in der Kuhstallhöhle, oder auch schon am Fuße des Hausberges warten, und über die Winterberge und das Prebischthor bis Hirniskretschen bringen. In einigen Mühlen des Kirnitschthales findet man auch wohl Esel zur Bergreise, doch noch nicht so häufig, als es zu wünschen wäre. Mehre früher nicht ohne Gefahr, oder große Beschwerden ersteigbare Höhen und unzugängliche Thäler sind seit einigen Jahren, theils durch die preiswürdige Sorgfalt der sächsischen Behörden, theils durch die Betriebsamkeit der Bewohner, zugänglich und bequem gemacht worden. Möge man nur nie mit schonungloser Hand den natürlichen Schmuck der Landschaften antasten, aber mit Bedauern hat man neuerlich hier und da Anlaß gefunden, die Spuren der grausamen Holzaxt zu beklagen, die selbst besuchte Schattengänge gelichtet hat.
Erster Abschnitt.
Reise von Dresden über Pillnitz oder Pirna nach Schandau, und durch den Kirnitschgrund über den Kuhstall und die Winterberge nach dem Prebischthor und Hirniskretschen.
Die meisten Reisenden begnügen sich, auf ihrer Wanderung durch die sächsische Schweiz der, in der Ueberschrift angedeuteten Linie zu folgen, so viele reizende Gegenden auch weiter hinaus auf beiden Seiten derselben liegen, und wenn sie, wie es gewöhnlich geschieht, nur drei bis vier Tage in ihrer Reise bestimmen, so können sie auch nur wenige Abschweifungen machen. Der achtstündige Weg von Dresden nach Schandau, entweder über Pirna, oder auf dem belohnenden Umwege über Pillnitz, Lohmen und Rathewalde gibt die erste Tagereise. Im ersten Falle reiset man, wenn die geradeste Richtung und der bequemere Fahrweg gewählt werden sollen, über Königstein, oder fährt von Pirna nach Lohmen, oder geht von Pirna zu Fuße über Wehlen und durch den Ottowalder Grund auf die Bastei, und von hier über Rathen, oder auf dem Fahrwege über Rathewalde, den Ziegenrück und Porschdorf nach Schandau. Im zweiten Falle besuchen wir von Pillnitz aus den Liebethaler Grund, Lohmen, den Ottowaldergrund, die Bastei, vielleicht auch den Amselgrund, und kommen auf dem angegebenen Fahrwege zum Ziele der Tagereise. Der zweite Tag ist der Wanderung durch das Kirnitschthal über den Kuhstall, die Winterberge, das Prebischthor nach Hirniskretschen gewidmet, wo eine Gondel uns aufnimmt, um uns nach Schandau zurück zu bringen. Wollen wir nicht schon am dritten Tage heim kehren, so besuchen wir die Umgegend von Schandau, oder machen eine von den, im zweiten Abschnitte angegebenen Wanderungen, oder gehen auf das jenseitige Elbufer über, besuchen den Zschirnstein, und wandern von hier nach Königstein, wo wir am Morgen des vierten Tages aufbrechen, um auf dem Rückwege nach Dresden vielleicht noch den Lilienstein zu besuchen. Wie die angegebene Reiselinie, der wir nun zunächst folgen wollen, durch Abschweifungen zu beiden Seiten sich verlängern lasse, wollen wir künftig andeuten. Wir theilen diese Linie zur bequemen Uebersicht in drei Abschnitte.