Goethe 1818.
Von Ferdinand Jagemann.
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GRÖSSERES BILD
Karl August bei Goethe.
Von C. A. Schwerdgeburth.
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GRÖSSERES BILD
Ihre höchste Feier erlebte diese Freundschaft, als Herzog Karl August fünfzig Jahre seiner Regierung und Goethe fünfzig Jahre seines Aufenthaltes in Weimar beendete. Mit dankbarer Lust rühmten da Beide einander. „Ich bin dem Großherzog seit einem halben Jahrhundert auf das innigste verbunden“ sagte Goethe im Frühjahr 1825 zu Eckermann, „und habe ein halbes Jahrhundert mit ihm gestrebt und gearbeitet; aber lügen müßte ich, wenn ich sagen wollte, ich wüßte einen einzigen Tag, wo der Großherzog nicht daran gedacht hätte, etwas zu tun und auszuführen, das dem Lande zum Wohle gereichte und das geeignet wäre, den Zustand des Einzelnen zu verbessern. Für sich persönlich: was hat er denn von seinem Fürstenstande, als Last und Mühe! Ist seine Wohnung, seine Kleidung und seine Tafel etwa besser gestellt als Die eines wohlhabenden Privatmanns? ... Dieses sein Herrschen, was war es weiter als ein beständiges Dienen?“
Als dann der 3. September 1825 anbrach, Karl Augusts Jubeltag, trat ihm Goethe morgens um sechs Uhr vor dem ‚Römischen Hause‘ im Park entgegen: ein Chor sang eine von Riemer gedichtete Kantate, Goethe wollte dem Fürsten die auf den Tag geprägte Denkmünze überreichen, aber die Rührung gestattete ihm keine Worte. Der Fürst ergriff des alten Freundes Hände. „Bis zum letzten Hauch beisammen“ sagte er, und dann sprach er von Jugendtagen, von Ilmenau und Tiefurt, und wiederholte das Sprüchlein: „Nur Freundeslieb’ und Luft und Licht, Verzage nicht, wenn Das nur blieb!“ Und Goethe antwortete: „Dies Dreifache gab mir, was ich gegeben.“
Als dann am 7. November Goethes Ehrentag kam, schrieb Karl August einen herzlichen fürstlichen Brief an Goethe, in dem er „die Treue, Neigung und Beständigkeit“ des Jugendfreundes pries und deutlich bekannte: „Seinem umsichtigen Rat, seiner lebendigen Teilnahme und stets wohlgefälligen Dienstleistungen verdanke ich den glücklichen Erfolg der wichtigsten Unternehmungen, und ihn für immer gewonnen zu haben, achte ich als eine der höchsten Zierden meiner Regierung.“
Goethe sah, nachdem er den Brief empfangen, die Leute vor einer Mauer stehen, wo öffentliche Bekanntmachungen angebracht wurden. Er schickte seinen Großneffen Nicolovius hinunter, nachzusehen, was es sei. Als Dieser wiederkam und meldete, der Dank des Großherzogs an Goethe sei gedruckt und angeschlagen, rief der alte Dichter mit Freudentränen: „Das ist Er!“
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