Die Schauspieler
Zu den ihm Unterstellten gehörten auch die Schauspieler, und dieses Völkchen war zu allen Zeiten schwer zu regieren. „Ich will mit dem Schauspielervolk nichts mehr zu schaffen haben“ schrieb ihm Schiller einmal, „denn durch Vernunft und Gefälligkeit ist nichts auszurichten; es gibt nur ein einziges Verhältnis zu ihnen, den kurzen Imperativ, den ich nicht auszuüben habe.“
Goethes Grundsatz im Theater war: stets die Paragraphen der Hausgesetze entscheiden lassen. „Bei Schauspielern muß man in der Ordnung streng am Buchstaben halten, sie sind Meister in Ausflüchten“ schrieb er 1798 an Kirms. Aber als Jemand einmal bemerkte, es möge wohl schwer sein, ein Theater in gehöriger Ordnung zu halten, sprach er die Worte, die sich jeder Regierende in’s Album schreiben sollte: „Sehr viel ist zu erreichen durch Strenge, mehr durch Liebe, das meiste aber durch Einsicht und eine unparteiische Gerechtigkeit, bei der kein Ansehn der Person gilt.“
Die Liebe, die er zu seinem Schauspieler- und Theatergehülfen-Völkchen hatte, sprach Goethe auch öffentlich mit herzlichen Worten aus. Jeder aus dem noch so vielfach verachteten Stande der „vor Hunger kaum, vor Schande nie bewahrten“ Komödianten mußte mit Lust die Gedichte ‚Auf Miedings Tod‘ und ‚Euphrosyne‘ lesen. Mieding war ein schlichter Tischler, aber kunstfertig, eifrig, anspruchslos und für das fürstliche Liebhabertheater ebenso unentbehrlich wie dessen beste Darstellerin Korona Schröter. Beide verherrlichte Goethe öffentlich, als Mieding an der Schwindsucht gestorben war; aus Koronas Händen läßt er den ehrenden Kranz in Miedings Grab fallen.
Sie tritt herbei. Seht sie gefällig stehn,
Nur absichtslos, doch wie mit Absicht schön,
Und hoch erstaunt seht Ihr in ihr vereint
Ein Ideal, das Künstlern nur erscheint.
Anständig führt die leis’ erhobne Hand
Den schönsten Kranz, umknüpft von Trauerband.