X.
Familienleben.

„Glückselig Der, dessen Welt innerhalb des Hauses ist!“ schrieb Goethe an Kestner, der mit Lotte Buff aus Wetzlar sich einer aufblühenden Familie erfreute. Und als er im Mai 1790 freie Ferientage in Venedig verbrachte, dachte er sehnsüchtig an das eigene Heim im Jägerhause zu Weimar, wo seine Christiane seiner harrte:

Weit und schön ist die Welt, doch o, wie dank ich dem Himmel,

Daß ein Gärtchen beschränkt zierlich mir eigen gehört!

Bringet mich wieder nach Hause! Was hat ein Gärtner zu reisen?

Ehre bringt’s ihm und Glück, wenn er sein Gärtchen besorgt!

Zeitlebens war Goethe sehr häuslich gesinnt, und wenn er auch keineswegs zu den Damenfreunden gehörte, die die weibliche Gesellschaft der männlichen vorziehen, und wenn er noch weniger zu den Schmetterlingen und Don Juans gehörte, denen es um wechselreiches Naschen zu tun ist, so fühlte er sich doch aus seiner Arbeit und aus seinem männlichen Freundeskreise auch immer wieder zur weiblichen Natur hingezogen und war glücklich im gegenseitigen Geben und Empfangen mit geliebten Frauen.

Trotzdem gelangte er erst spät und dann auch nur halbwegs zur Ehe.

Es fiel ihm in allen Dingen sehr schwer, entscheidende Entschlüsse zu fassen. „Eine Verlobung oder Heirat aus dem Stegreife war mir von jeher ein wahrer Greuel“ sagte er 1825 zum Kanzler v. Müller.