Hundert Jahre nochmals zurück hatte Newton über seiner Optik gesessen.
Noch vor hundert war das Fernrohr erfunden worden.
Und noch vor hundert fuhr Columbus auf seiner vierten Reise durch das westindische Meer und erwarb Kopernikus sich die Doktorwürde.
Dafür aber all diese Erkenntnis, um zu erkennen, daß auch der Mensch der Natur nur abgepreßt worden ist auf der Folter ....
Die rote Dämmerungswelle dort hat ihren Höhepunkt erreicht. Rasch beginnt sie jetzt zurückzuebben. Es ist, als sinke die blaue Himmelsglocke, selber dabei noch funkelnd, langsam über sie herab, tiefer und tiefer.
Ein Schauspiel von wunderbarer Feierlichkeit, dieser stille Kampf der Lichter an einem Abendhimmel.
Es ist nicht wahr, daß die Entwickelung immer durch Folterschmerzen gegangen sei.
Äonen vor uns ist sie durch immerwährende Verwandlungen vorgeschritten, in denen noch gar kein Schmerz bestand. Durch unendliche Raumweiten neben uns arbeitet sie noch immer so. Da ballen sich Welten, entfalten sich zu harmonischen Systemen. Und werden wieder eingeschmolzen in noch größere Massenansammlungen. Aus denen arbeitet dann wie eine tickende Uhr das große Weltgesetz abermals Harmonien und entsprechend noch umfassendere heraus. Nie erfolgt ein wirklicher Zusammensturz in der Idee. Denn es muß immer ein Größeres sein, das das Kleine an sich reißt, in sich auflöst. Größerer Stoff aber: größerer Weg, höhere Harmonie. Die dann bleibt, bis ein noch größeres System auch dieses wieder umarmt, zu einer Neuzeugung zwingt.
In diesen ganzen Naturprozessen außerhalb des Organischen waltet nicht das, was wir „Schmerz“ nennen. Bausteine fügen sich zu immer höheren Bauten aneinander, nichts weiter. Wir denken gar nicht an Schmerzmöglichkeiten. Sollen die Metallteilchen klagen, daß sie ihre frühere Gravitationslage verlassen, um in ein neues Formgebilde eingeschmolzen zu werden, in einer neuen Lage in ihm aufzuerstehen? Mögen aber auf dieser Linie auch ganze Milchstraßen verbrennen wie eine Wolke Kohlenstaub — in diesem Wandel waltet immer noch kein Schmerz. Es waltet der unendliche Gesetzesfrieden wie in dem stillen Wechsel der Dämmerfarben dort. Niemals wahrer Tod, denn das Gesetz stirbt nie; immer nur Wandel; und Wandel in Höheres hinein.
„Da flammt ein blitzendes Verheeren