Dem Pfade vor des Donnerschlags,

Doch Deine Boten, Herr, verehren

Das sanfte Wandeln Deines Tags.“

Doch inmitten jetzt dieses grenzenlosen Kosmos-Friedens, in dem ein Weltuntergang nicht mehr ist als eine in herrlicher Farbenglorie verblutende Abendsonne: — das Lebendige. Wenn die Kälte dieses Winterabends den kleinen Vogel, der dort zwitschert, bis ins Mark faßt, so bebt er vor Schmerz. Und das begann mit dem ersten zellenartigen Gallertpünktchen an einer Uferklippe vor vielen Millionen von Jahren. Und sein Triumph ist der Mensch. Der Triumph der Feinfühligkeit in Schmerzempfindung. Ein seltsamer — Triumph.

Dennoch: welche ungeheure Fortschrittskette im reinen Sinn von Entwickelung in diesem Stück organischen Lebens. Welcher Umschwung mit diesem grünen Schimmelhäutchen einer Urweltklippe!

Auf diesem Häutchen wuchsen schließlich Augen, die das Licht, die Farben, die Formen der Dinge sahen, das blaue Meer, die Sonne, das Abendrot und den Sternenhimmel. Und hinter diesen Lichtaugen begann das Klümpchen grauer Nervensubstanz zu denken, zu schließen, zu folgern. Die Natur unten hatte immer nur gestreut, Samen der Dinge gestreut und hatte das Harmoniegesetz grob gewaltsam sieben und sichten lassen. Jetzt ging aus denkenden Gehirnen und schauenden Augen die höhere Stufe hervor: die bewußte Zwecksetzung, dieses fabelhafte Spar-Prinzip der Entwickelung, dieser einzigartige Fortschritt im kleinsten Kraftmaß. Es durfte dann diese befreite, hier überschüssige Kraft sein, die eine Kunst, eine Wissenschaft, eine Philosophie, eine Kultur schuf. Und der Mensch ist es, der diese Krone sich aufs Haupt setzt, der Mensch als Triumph des sehenden, denkenden, zwecksetzenden Lebens.

Ein Triumph also doch. Aber erkauft um jenen andern ....?

Das Glöcklein da drüben ist plötzlich verstummt, wie erstarrt von der rasch wachsenden Abendkälte. Aber das Eis selber singt und summt leise fort. Und ich höre eine Stimme der Naturgeister zu den schwarz ersterbenden Kiefern und dem mondduftigen Himmelsrund herauf.

Deine Rechnung ist falsch. Du hast ja noch gar nicht erfaßt, was der Mensch zwischen Lebensschmerz und Sternenfrieden wirklich soll.

Dieser Mensch ist nicht bloß der einfache Triumph der Entwickelungslinie, die über das Leben ging.