Er ist auch ihre Korrektur.
Er ist die Versöhnung zwischen dem großen Zweck im Leben: dem Bewußtwerden der Welt, — und dem furchtbaren Mittel: dem Schmerz. Er ist der Protest des Weltgesetzes gegen dieses Mittel.
Zwei Gaben ohnegleichen sind für diese Arbeit in ihn gelegt.
Die erste ist das Prinzip der Liebe.
Im Moment, da er als Triumph der Entwickelung die Hand ausstreckt nach der Naturherrschaft, bricht auch dieses Prinzip mit einer fortreißenden Elementargewalt aus ihm hervor. Prometheus, der das Feuer des Himmels, die Naturkraft der Weltallssonnen in einem hohlen Stabe, einem Menschenwerkzeug, trägt, wird Christus, der seinen Fluch hängt an jeden, der Schmerz sät. Er predigt die Köstlichkeit, die Heiligkeit alles Lebendigen. Er lehrt, daß Du selbst in allem bist, in der Lilie, die Du brichst, und im Wurm, den Dein Fuß zertritt. Aus dem Staube sollst Du die Opfer ziehen und ihre Wunden verbinden, Du, der sehende Mensch.
Natur bist Du und bleibst Du, nichts ist in Dir als Natur. So muß auch diese Stimme aus der Natur selber kommen, die Stimme einer Einkehr, einer Umkehr, die ein furchtbares Mittel wieder mildern, wieder versöhnen will.
Das Leben zeugte Bewußtsein und damit ein unendliches Entwickelungsfeld von höherer Art. Aber es zeugte auch den namenlosen Schmerz, der plötzlich in diese Entwickelung von der Stufe des Lebens an versponnen schien. Nun glänzt in den Lichtaugen dieses Bewußtseins auf einmal die Liebe. Die große Entwickelungskorrektur ist im Spiel! Mag Prometheus jetzt wirklich wachsen, bis er aus der Kraft seines Stabes voll Sonnen-Energie Planeten bewegt und zu den Sternen fliegt, — immer wird der Christus in ihm mit ihm wachsen. Er wird mit dem Leben wandern und die Schmerzen wieder aufheben, die das Leben schlägt.
Doch der Mensch hat noch eine zweite Gabe.
Immer, wenn der Gedanke diese Bahn der Entwickelung quer durch den Schmerz gehen sah — und dann die Liebe sah, wie sie den Schmerz wieder lindern wollte, ist auch das dritte gedacht worden: ob die Liebe nicht die Entwickelung lähmen müsse?
Wenn der Fortschritt immer wieder zu einer Bruchstelle führt, die als Schmerz empfunden wird: muß nicht die Liebe ein Gegner des Fortschritts sein?