Im „Zufall“?
Das ist oft als Hilfs- und Notwort gesagt worden. Jeder wußte aber, daß Zufall einen eigentlichen Sinn in einem Spiel von Kausalzusammenhängen, wo alle Karten aufgedeckt sind, gar nicht besitzt. Und nach solchem Spiel suchte man doch.
So sah man sich unhemmbar wieder ins „Außen“ gedrängt.
Steckten die Anstöße zur Variation nicht doch irgendwie im Druck der Verhältnisse, im Milieu selbst, — also außen?
Hier lag eine unverkennbare Möglichkeit, in äußerster Schwenkung doch noch wieder auf einen vertieften Lamarck zu kommen. Darwin hat in späteren Jahren selbst etwas paktiert mit dieser Richtung. Die Neo-Lamarckisten haben sie offen proklamiert.
Das jetzt ist aber die Stelle, wo Weismann vor Jahren zuerst in die Debatte mit einem wahren Blitzschlage eingegriffen hat.
Er versuchte, den ganzen Lamarckismus nachträglich in Grund und Boden zu schlagen durch die Behauptung, daß die Ergebnisse dieser ganzen direkten Einflüsse von außen auf innen, wie Übungsstärkung u. s. w., also jene vom Individuum erworbenen Eigenschaften, nicht vererbt werden könnten.
War das richtig, so konnte auf dem Lamarckswege niemals eine neue Art entstanden sein, denn jeder Anlauf zu einer Anpassung blieb individuell und starb mit dem Tode des Individuums wieder aus, ohne in die Unsterblichkeit der Generationenfolge durch Kinder und Enkel einzutreten.
Mochte das nun bestritten werden — und wie ist es bestritten worden bis auf diesen Tag nicht bloß von Lamarckisten, sondern auch von engeren Darwinisten und auch von ganz indifferenten Physiologen und Vererbungstheoretikern —: für Weismann war damit seine weitere Bahn endgültig gegeben. Ihm galt es, den Darwinismus vom letzten Rest Lamarckismus reinzuputzen. Da er kein drittes Prinzip im Sinne Nägelis hatte, blieb schlechterdings nichts übrig, als die natürliche Zuchtwahl auch in allen Fällen, wo Darwin noch Lamarck Raum gelassen, für die absolute Macht zu erklären. Es wurde die Allmacht der Naturzüchtung proklamiert.
Das für sich vollzogen, wurde aber nun wieder etwas hochinteressant.