Der wesentlichste Fortschritt in dieser zweiten Sitzung war aber in einem Experiment mit dem „spiritistischen Schreibapparat“ gegeben.

Dieser Apparat besteht in einem runden Holzplättchen, das eben gerade Raum für zwei aufgelegte Handflächen bietet, und an dessen unterer Seite drei Stützen (gewissermaßen drei Stuhlfüßchen) angeleimt sind; eine dieser Stützen ist ein Bleistift. Man setzt das Ganze auf einen großen Bogen weißen Schreibpapiers. Einer legt die Hände auf die Platte und eventuell noch ein zweiter seine auf die des andern, und dann erwartet man regungslos das Eintreten einer Bewegung des Holzapparats, die den Bleistift aufkratzen läßt und so, bei korrekter „Geisterführung“, eine Schrift hervorbringt, — eine „Geisterschrift“ mit individueller „Geisterhandschrift“ und einem vom „Geiste“ gewollten Inhalt.

Freund O. hatte seine Hände kaum auf die Holzplatte gelegt, als der Apparat auch bereits mächtig zu wirbeln begann.

Der Bleistift beschrieb eine große Spirale und raste dann förmlich über das Papier dahin, den Bogen mit kindlich ungeschickten, aber doch lesbaren Buchstaben bedeckend.

Aber O. klagte dabei selbst, er fürchte unbewußte Selbsttäuschung, er „schreibe nur, was er denke“. Ein andrer möge an seine Stelle treten, vielleicht hätten wir ein noch unerkanntes gutes „Schreibmedium“ unter uns.

So legte ich denn meine Hände auf, er wollte seine eigenen nur lose darüber legen, „um die Kraft zu verstärken“. Ohne daß ich im geringsten bewußt mithalf, kamen auch jetzt mehrmals lange Schriften zu stande.

„Gott zum Gruß“, begann jede der Offenbarungen, dann folgten ein paar allgemeine Redensarten und zum Schluß, Wunder über Wunder, kam zweimal mit gewaltigen Lettern die famose Unterschrift „Heochios“!

O. war entzückt, da er diese Fälle, wo seiner Ansicht nach unbedingt nicht er geschrieben hatte, ich aber bestimmt versichern konnte, auch nicht absichtlich hineingearbeitet zu haben, für beweisend hielt sowohl für die Existenz eines uns umschwebenden Geistes Heochios, als auch für meine Befähigung zum Schreibmedium.

So weit auch hier wieder der rein äußerliche Sachverhalt und Folgendes zur Aufklärung.

Von den drei oben erwähnten Erklärungsmöglichkeiten: Geist, unwillkürliche Muskelbewegung, Selbsttäuschung, die äußerlich zum entscheidenden Mitwirken wird, fällt die mittelste hier von vornherein fort. Wenn ich — ich habe es in einer der nächsten Sitzungen bis zur Dauer von 20 Minuten fortgesetzt — meine Hände ohne O. auf den Apparat legte, so ergaben sich nachher die Spuren dieser Muskelzuckungen auf dem Papier als eine ganz kleine, blitzartig zackige Linie, die aus einzelnen Punkten gebildet schien und aus der, wie ich annehmen muß, bei einem gesunden Menschen niemals auch nur ein einzelner Buchstabe hervorgehen könnte, geschweige denn eine fortlaufende Schrift, die am Zeilenende von selbst absetzt und eine neue Reihe anfängt.