Mit vollkommenster Deutlichkeit dagegen fühlte ich, sobald O. seine Hände auf meine legte, wie er drückte, über meine sehr kleine Hand mit seiner weit größeren weggriff und wie er nach allen Regeln der irdischen Physik so die Schrift selbst zustande brachte.
Das scheint mir ein Maximum von Selbsttäuschung, das im höchsten Grade interessant ist.
Freund O., so muß ich mir den Fall erklären, hat bei Frau Töpfer, die bewußt täuschte, oftmals gläubig dem Schreiben zugesehen. Er hat sich die traditionellen Formeln des Geisterschreibens (das Beginnen mit der Spirale etc.) gradezu in Fleisch und Blut übergehen lassen, er hat jene Beigaben auswendig gelernt, wie das „Gott zum Gruß“, das der wohl hauptsächlich amerikanischen Verquickung des spiritistischen Versuchs mit frömmelndem Sektiererwesen seinen Ursprung verdankt. Er hat dann in Mußestunden mit Bewußtsein Proben angestellt, wie man mit dem Apparat schreiben muß, — ohne diese Schulung wäre es nicht möglich, daß er es überhaupt so glatt fertig brächte.
Das alles hat er getan mit dem sehnsüchtigen Wunsche, eines Tags möchte nicht seine Hand den Apparat, sondern der Apparat wirklich seine Hand führen. Als er nun meine Hände statt des Holzdeckels unter sich fühlte, vollzog sich in der Leidenschaft der psychologische Prozeß der Selbsttäuschung, er glaubte nicht mehr aktiv zu sein, und dennoch schrieb er in Wahrheit selbst, er schrieb mechanisch dasselbe nieder, was er so oft in letzter Zeit zur Probe mit Bewußtsein geschrieben, und er schrieb den Namen Heochios unter das Ganze, weil ihm dieser seit acht Tagen beständig auf der Zunge schwebte und weil er fest erwartete, ein Geist Heochios führe den Apparat.
Unsere kühle Erklärung der Entstehungsgeschichte jenes unglücklichen Spruchs „Von Geist Heochios“ existierte ja nicht für ihn, ihm war Heochios ein wirklich erschienener Geist.
Ich habe so viel Worte gebraucht, um für den Fall unseres Freundes, bei dem ich nicht den geringsten Grund habe, mala fides vorauszusetzen, die Selbsttäuschung wahrscheinlich zu machen. Jetzt bedenke man aber die Chancen, die bewußte Täuschung in analogen Fällen mit einer zweifelhafteren Persönlichkeit notwendig gerade bei diesem „Geisterschreiben“ hat. Die Möglichkeiten sind gar nicht auszudenken.
Nur kurz erwähnen will ich die Ergebnisse einer dritten Sitzung, bei der ich mehrere Stunden lang mit O. allein experimentierte, ohne nennenswerte Erfolge zu erzielen.
Wir berührten Grenzgebiete des eigentlichen Spiritismus: Gedankenlesen und Telepathie.
Jene wissenschaftliche, leicht erklärliche Art des groben Gedankenlesens — Auffinden eines von A. versteckten Gegenstands durch B. dadurch ermöglicht, daß B. den A. bei der Hand nimmt und beim Durchwandern des Zimmers am Zucken dieser Hand und ihrem unbewußten Ziehen oder Widerstreben den Ort ermittelt, wo der Gegenstand liegt — gelang auffallend gut, wenn ich der Suchende war und O. der unbewußt Führende.
Doch hier lag, wie gesagt, absolut nichts Mystisches vor, da diese Dinge überzeugend auch von Nicht-Spiritisten öffentlich vorgeführt worden sind.