Aber ob nun da oben durch die Fugen der Aetherglocke der Schimmer des Paradieses blitzt oder ob Sterne kreisen im leeren Raum, getragen vom Gravitationsgesetz: auf der Erde sitzt der gleiche Mensch, stützt den Kopf auf die Hand und fragt sich, wie er sich in ein Verhältnis setze zur Welt.

Ist die Welt „Natur“ geworden, — wie also zu dieser Natur?

Einen Augenblick, unter dem Krachen der alten Säulen, kann er vielleicht meinen, mit diesen Säulen sei jenes Anschlußbedürfnis selber zerstört. Aber das ist nur ein negativ übertäubter Moment. Mensch bleibt Mensch. In dem alten Tempelbau ließ sich leben. Wie ist’s nun in der Natur?

Wenn die Flut eine halbe Insel wegreißt und die Leute auf ein Viertel des alten Raumes drängt; wenn ein Erdbeben, ein Vulkanausbruch eine ganze Stadt wegtilgen: die verschüchterten Menschen meinen auch zuerst, jetzt würden sie ewig im Chaos bleiben; in ein paar Jahren haben sie sich doch wieder eingerichtet, so gut es geht, und die nächste Generation weiß es schon nicht anders.

Die Naturerkenntnis verhieß nun umgekehrt sogar unendlichen Zuwachs. Für den engen Tempel eine Sternenwelt. Immerhin lag das alte Haus für den Moment unter der Lava und es wollte ein neues Dach gebaut sein, unter dem der Mensch die Sterne ruhig ertragen konnte.

Die Linie, die von hier heraufkommt, darf man gar nicht in der Weise, wie jene erste, grundlegende, zunächst bei den Naturforschern suchen, ja nicht einmal bei den Naturphilosophen vom abstrakten Feld.

Die Frage, wie man praktisch, als ganzer Mensch mit allen echten, unzerstörbaren Menschenbedürfnissen, mit der „Natur“ leben solle, ist in ihrer eigentlichen Intensität auch von den intensivsten Ganzmenschen zuerst brennend gestellt worden: den künstlerischen und ethischen Köpfen.

Ihre größte erste Entladung in der Tiefe des achtzehnten Jahrhunderts liegt nicht bei irgend einem exakten Naturforscher (nicht einmal bei Newton), sondern bei Rousseau.

Rousseau kämpfte im Kleinen noch einmal den ganzen Kampf des Alten und Neuen bei sich aus.

Als eine durch und durch ethische Natur lief er zunächst mit dem harten Kopf gegen moralische Widersprüche in seiner Zeit. An der Unmöglichkeit, sie mit dem alten Glauben noch zu lösen, erkannte er die Krisis des neuen Menschen. Der Mensch mußte sich mit irgend etwas neu einrichten, um diesen Dampf zu durchdringen.