Sein Name ist ein Zeichen heute, das kein Lächeln und Lachen über Pflanzenseelen und Gestirnseelen mehr fortschaffen kann. Er ist ein Symptom einer äußerst charakteristischen Wende, und das muß ernst genommen werden.
Was Fechner wollte?
Wie der Faden eines großen Kunstwerks läßt sich der Kerngedanke auch seiner ganzen Philosophie auf eine Nußschale schreiben.
Der Angelpunkt liegt in dem schlichtesten Wort, über das auch im exaktesten Kreise doch unmöglich als solches gelacht werden kann: in dem Wörtchen Natur.
In diesem Wörtchen steckt eben noch mehr als bloß etwas Spektral-Analyse oder Energiegesetz. Unsere größte Lebens- und Herzensfrage steckt allmählich darin. In vierhundert Jahren ist das langsam über uns gekommen, und es hilft keine Phrase mehr darüber fort. Das ganze achtzehnte und das ganze neunzehnte Jahrhundert ist eine einzige fortgesetzte Krisis vor diesem Begriff.
Rekapitulieren wir noch einmal.
Zuerst kam die große Zeit von Kopernikus bis auf Newton mit ihren überwältigenden äußeren Bildern der Natur. Die ungeheure negative Rolle des Neuen setzte ein. Vor den Sternen in Galileis Fernrohr verblaßte ein ganzer alter Lichthimmel. Vor dem Naturgesetz Newtons versank der Wunderbegriff. Wo einst Überwelt und kleine Erdenwelt eng aufeinander geprallt waren, da schob sich jetzt das Riesending dazwischen, das wir eben im neueren Sinne „Natur“ nennen: Myriaden Sonnen im Raum, Äonen der Vergangenheit, natürliche Entwickelung in der eisernen Hand des Naturgesetzes — und diese Welt dem Forscher zugänglich, das leise Ticken ihres Lebens sich wiederspiegelnd auf seiner Uhr, ihr in allen Äonen gleichmäßig geregelter Schritt sich aufprägend auf seiner Wage.
Auf einmal ist das da, gigantisch groß, zermalmend für unzählige altvertraute Vorstellungen, mit nichts mehr fortzudisputieren. Wir lieben es, das neunzehnte Jahrhundert im engeren hervorzuheben als die Epoche der Naturforschung, der Naturerkenntnis. In Wahrheit bezeichnet es nur den Wellenkamm, wo das Bewußtsein des Erreichten einsetzt. Ein Werk wie Humboldts „Kosmos“ ist charakteristisch für dieses Jahrhundert als eine Zusammenfassung, ein erster, ganz großer Rechnungsabschluß.
Lange ehe es dazu kommt, setzt aber bereits eine ganz andere Linie ein, — eine, die ebenso folgerichtig einsetzen mußte.
Der Begriff Natur hat die ganze sichtbare Welt erobert. Streng genommen sogar die unsichtbare. Wo der alte Glaube Himmel und Hölle jenseits der Schranke unseres Sehens träumte, träumt er immer noch wieder Sterne. In die Ewigkeit reicht sein Naturgesetz.