Schließlich meine ich, daß es sogar recht gut so ist.
Wieviel Ansichten, Theorien, Glaubenssätze, Weltanschauungen ergießen sich über uns! Und mit wie mancher möchte man als wahrhaft fatal rechnen, wenn sie nun ganz wahr wäre, der Welt wirklich ins geheimste Uhrwerk schaute.
Mit dem Geheimnis kann man leben.
Man wird ja von selbst davor bewahrt, übermütig zu werden. Aber von der Unendlichkeit des Unbekannten läßt sich doch immer etwas erwarten. Wieviel Frühling, dieses liebste Geheimnis, mag noch darin stecken!
Das Geheimnis dieses Festfriedens ist nur, daß man das Geheimnis überall richtig zu finden weiß.
Ostergeheimnis! Ist es wirklich bloß das Geheimnis, daß ein Mann Wunder tun konnte, wie Wasser in Wein verwandeln, oder auf H2O gehen, oder von den Toten leibhaftig auferstehen ....?
Ich schaue in die braunen Wellen vor mir mit ihrem unablässigen Ansturm, ihrem Heben und Senken, und mir ist, ich blicke in das Gehirn der Menschheit, in das der arbeitende Gedanke tiefe Furchen gräbt. Und in eine solche Furche arbeitet sich ein, keimt und sproßt, daß das Naturgesetz etwas Heiliges sei, das nicht verletzt werden dürfe. Daß Himmel und Erde nicht dabei erlöst werden könnten, sondern im gleichen Moment zusammenbrechen müßten in das ewige Chaos hinein, da ein winzigstes Ringlein nur aus der Sternenkette dieses Gesetzes glitte.
Hängen doch an jedem Ringlein ganze Welten! Was ist im Kosmos klein, was groß? Wenn dieses Ringlein hier unten auf der winzigen Erde brechen sollte, so stürzte der ungeheure Sirius mit herab, die Milchstraße löste sich auf, Surturs Weltbrand verschlänge das All.
Ein Atom verschoben aus seiner heiligen Lage, in die es die Entwickelung der Jahrmillionen gebracht — und alle Harmonien dieses Kosmos splitterten auseinander.
Und das sollte geschehen sein gerade damals, als der Grundstein gesetzt wurde zu der herrlichsten Harmonie dieser ganzen Erde: zu der Idee der großen friedlichen Menscheneinheit durch die Menschenliebe?