In den Tagen zwischen Columbus und Galilei ist es, als lege sich eine ganze neue Quader unter den Begriff Kultur. Der Kulturmensch ist fortan der, der gedruckte Bücher besitzt, mit Fernrohr und Mikroskop beobachtet. Noch ist das im wesentlichen damals der europäische Mensch. Man denkt an den Spanier, den Portugiesen, der über Meer fährt und zu nackten Wilden kommt. Aber eben solche Fahrt, ermöglicht durch technische Hilfen, wie Schiff und Kompaß, ist zugleich eine Geburtshelferin jenes erweiterten Kulturbegriffes, der an keinem einzelnen Erdteil mehr haftet. Indem die Kultur Europas nach Amerika überfließt, geht in jenem Bilde ein Farbstreifen quer durch den Ozean. Eine halbe neue Erdkugel wird die Kultur einsaugen. Auf den Schiffen der Columbus und Magelhaens steuert der Idealbegriff einer Kulturmenschheit, in der es überhaupt keine Wilden, keine Barbaren mehr gibt, als blinder Passagier mit.
Mit seinem Triumph der Technik war dem neunzehnten Jahrhundert schon ganz von selbst vorgezeichnet, daß es auch ein soziales Jahrhundert ersten Ranges werden mußte.
Immer bewußter, hell wie die blauen elektrischen Lichtbänder dieses Jahrhunderts, tritt die Kultureinheit hervor.
Schon seit Mitte des achtzehnten Jahrhunderts mindestens geschieht kein größeres Werk mehr, ohne daß wir uns direkt mit Worten dieser Einheit dabei erinnerten.
In einer Welt, die noch unter Kriegsschrecken bebt und in tausend Ketten knirscht, klingt das Wort wohl oft wie eine Phrase. Aber in solcher Phrasenform sind alle großen Ideale auf Erden millionenmal und siebenmillionenmal aufgetaucht — bis sie endlich doch ein Lebenswort wurden.
Es ist aber eben jenes achtzehnte Jahrhundert gewesen, das dem neunzehnten noch ein weiteres soziales Ferment übermittelt hat.
Jenes Bild der älteren Kultur, die auf einer Insel sitzt, weithin um sich das finstere Meer der Barbarei, des kultursozial noch nicht angeschlossenen menschlichen Rohstoffes, hat noch eine andere Bedeutung als bloß eine geographische, bei der Europa die Insel ist.
Es findet sich zum zweiten Mal wieder innerhalb unserer Kulturvölker selbst.
Da ist ein enger Stand zunächst, der die Bildung, das soziale Werkzeug, all das andere, Tiefere, Vergeistigte, was die Kultur sonst noch ausmacht, besitzt und die Glückssonne dieser Errungenschaften über sich leuchten läßt.
Um diesen Sonnenstand aber nach unten wogt abermals ein ungeheures Meer nackter, hilfloser, isolierter Feuerländer und Australneger unseres eigenen Volkes.