Auch nach hier hinab hebt nun eine Mischströmung an, auch in diesen Ozean stößt Schiff um Schiff allmählich ab, um Farbströme hinter sich herzuziehen, bis eines Tages auch diese ganze Barbarensee die Kultur aufgesaugt haben wird und ihrer Vorteile teilhaftig ist.

Wir haben uns gewöhnt, die Arbeit nach dieser Richtung im engeren Sinne als das soziale Problem zu bezeichnen. Und es braucht nicht mehr gesagt zu werden, mit welcher wachsenden, orkanartigen Intensität das neunzehnte Jahrhundert das Jahrhundert dieses sozialen Problems gewesen ist. Und es braucht auch nicht das Allbekannte erzählt zu werden: wie gerade das soziale Organ, die Maschine, auch hier die Felsblöcke in krachenden Sturz gebracht hat, allerdings in besonderer Weise. Nicht die Geschichte dieser Dinge berührt mich ja hier, sondern das Gesamtantlitz, das sie dem Jahrhundert geben.

Auf das Soziale deutet dieses Antlitz im neunzehnten, wo immer es uns anstarrt.

Es sieht nicht den Menschen, sondern die Menschen.

Und wo sich ein einzähliges Wort ihm dennoch auf die Lippe drängt, da ist es ein Idealwort, geschmiedet aus fünfzehnhundert Millionen Köpfen: — Menschheit.

Wo dieses bis in jede Faser sozial durchfärbte Jahrhundert Weltenwerte, Erlebniswerte wog und für seine Bedürfnisse aussonderte: da war es, da mußte es sein jene Auslese der Erlebnisse, die sozial gemacht werden, — also der „Wirklichkeit“ in Anführungszeichen.

Das Blut, von dem es trinken mußte, um zu leben, um nicht ein leerer Schatten zu sein, rann ihm hier zu.

Wirklichkeit! Wirklichkeit!

Aus den Myriaden individueller Sondererlebnisse durchgesiebt die übereinstimmenden, die sozial brauchbaren, die, bei denen man Mensch mit Mensch packen konnte.

Und als brächte der Ruf, das Verlangen danach selber das Blut zum Strömen, so strömte und strömte dieses rote, nahrhafte, verbindende Blut der Wirklichkeit nun auch diesem Jahrhundert tatsächlich wie aus unerschöpflicher Ader zu.