.... Aber es wird kein Kind geboren, auch kein Heiligenkind, ohne daß edles Mutterblut dabei verströmte.

Jede große Entwickelungserweiterung der Menschheit, bei der ein neues Flußbett sich gräbt, hat seine gewissen Züge auch des Dammbruches, der Überschwemmung, der entfesselten Gewalt, die Fruchtbäume bricht und Ackerboden verschüttet.

Auch in der größten Tat des Genius erscheint unabänderlich der Erdenrest bestimmter Unterdrückungen, Vergewaltigungen, Übertreibungen.

Im Grunde, wenn man tiefer blickt, ist dieser scheinbare dunkle Fleck eigentlich nichts anderes als der schwarze Schnittpunkt der Entwickelung selbst, die auch in der erhabensten Leistung nicht ganz erfüllt, nicht ganz zum Stillstand gebracht sein darf, sondern ihre Ecke behalten muß, wo sie auch diese Leistung wieder zersetzen, wieder überwinden wird — zum Nutzen des unablässigen Weiterganges.

Auch das neunzehnte Jahrhundert hat diesen Schnittpunkt. Und es hat ihn genau mitten in dem, was seine Größe ausmacht: in dem Begriffe der „Wirklichkeit“. Dieser Begriff ist seine Sonne — aber es ist auch sein größter Sonnenfleck darin.

In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts treten mit dem wachsenden Bewußtsein von jener großen Fügung auch ganz allgemach die Spuren einer gewissen Verschiebung auf.

Der Begriff Wirklichkeit nimmt in einer Menge von Köpfen eine eigentümliche Schwere an.

Er bekommt etwas von einem Block, der sich nicht mehr recht bewegen lassen will, der selber wieder lastet, drückt.

Die Wirklichkeit hatte zu solchem Triumph geführt, eröffnete solche Glücksbilder. Wie nahe lag es, sie für das einzige zu erklären, was für den Menschen überhaupt in Betracht kam, was Wert für ihn besaß!

Wir erinnern uns jener Grunddefinition: daß „Wirklichkeit“ eine Auslese der für viele, eventuell alle Menschen gemeinsamen Erlebnisse darstelle.