Das aber einmal in voller Gährung, fließen die Wellen jetzt unaufhaltsam auf der schiefen Ebene ab, den Rest des Jahrhunderts mit ihrem Rauschen durchhallend.

Aus dem wundervollen neuen Menschen, den uns das Jahrhundert aus Nebelflecken und Urzellen gezogen hatte, diesem Menschen, der einen Kosmos um ein Paradiesgärtlein eingetauscht hatte, der auch in der schlichtesten Arbeiterbluse fortan ein Sonnensohn war, dessen Adelsbaum bis in die Milchstraßen ragte: aus diesem unsagbar prächtig vergrößerten Menschen ging in der Logik der falschen Doktrin auf einmal der „Normalmensch“ hervor, ein kleines spaßhaftes Philisterlein mit einer Nummer vor der Stirn, der nicht zu mucken, sondern nur zu folgen hatte.

Dieses Menschen-Maschinlein war der Mensch, ausgemünzt bloß noch auf die bestehenden Allgemeinwerte hin, unter absolutem Niedersäbeln jedes subjektiven Lebens als einer „Schädlichkeit“.

Von einer blinden Vergottung der heute gerade errungenen Wirklichkeitswerte aus wurde dieses Menschlein zurückgezahlt als erstarrte Schablone, die jetzt in die Praxis allenthalben hineingepreßt werden sollte.

Es war die Entwickelung, die sich selber den Ast absägte, die Quelle verstopfte, den ewigen Jungbrunnen zuschüttete.

Denn mit der Nichtigkeitserklärung den ganzen rein subjektiven Werten gegenüber erstickten alle die Keimkristalle des Fortschrittes in der Erweiterung des Wirklichkeitsbildes, die unablässig in dieser großen Mutterlauge des Subjektiven anschossen.

Jede große Allgemeinwahrheit war einmal in einem einzelnen Kopf als heterogene, als ketzerische Subjektivität geboren, jede Allgemeinnützlichkeit an einem subjektiven Leibe zuerst erprobt worden. Aber was sollte das, wenn man alles Aktive in diesem nachgeborenen Produkt, in der schon bestehenden „Wirklichkeit“ selbst suchte, anstatt in den Individuen mit ihren Subjektivitäten, die unablässig neues Material aus ihrer Aktivität heraus zur Auslese des sozial Passenden ins Feld warfen?

Der Normalmensch wuchs wirklich für die Theorie sieghaft auf, so und so viel tausend und tausend Spiegelplättchen, alle auf dieselbe omnipotente „Wirklichkeit“ eingestellt und nur gemessen auf die Korrektheit dieser Einstellung.

Wer im genauesten Winkelmaß ziffernmäßig eingerenkt stand, — der war „gesund“.

Jede subjektive Abweichung aber war — Krankheit.