Nun, alle Dichtung ist Offenbarung. Vom Geheimnis kommt es, zum Geheimnis geht es, unmeßbar, unwägbar, und doch von Welten kündend, Welten der Urtiefe, der Idealerweckung, der innersten Fortentwickelung, und Welten verwandelnd, Welten aufbauend, Welten zeugend: — das ist die Offenbarung; aber was ist es anders, als auch die Dichtung, die Kunst; es gibt keine bessere, schärfere Definition für sie.
Ja man muß das Geheimnis nur am rechten Fleck begreifen.
Manchmal scheint mir, als sei der ganze Hader und Fortschritt menschlicher Ideen bloß ein Kampf um die Perspektive. Wie die Dinge projiziert werden, hintereinander gelegt werden, darum ringen wir. Und wo das Blau des Geheimnisvollen beginnt. Darum aber auch diese ewige Auferstehung der Gedanken. Nichts fällt wirklich ins Grab, es wechselt nur seinen Projektionsort.
Diese Erkenntnis gibt Frieden, heute wenigstens für eine Feiertagsstunde, vielleicht später auch einmal für den Alltag. Die braunen Wellen zogen an mir vorbei, immer vorbei und der Wind blies, eine unablässige, fleißige Naturarbeit. Die Natur machte da keinen Feiertag, sie arbeitete. Jede dieser Wellen mochte ein klein wenig an diesem Ufer umschaffen, trug sie auch nur ein Hölzchen darauf, ein Sandkörnchen davon.
Ich dachte an die Rede der Leute: der See behält nichts, er gibt alles wieder, wenn’s auch eine Weile dauert.
Im Grunde macht es das Naturgeheimnis auch so.
Es ist kein Minotaurus, der verschlingt, um zu verderben. Es läßt die Welten, Menschen, Ideen in seinem Blau verschwinden und zahlt sie in Höherem wieder aus. In dieser tinctura aurea steckt wirklich wie in der der Alchimisten auch der Stein der Weisen, der alle Gebrechen, alle Unvollkommenheiten heilt, der ewige Jungbrunnen, der den Fluch der Zeitlichkeit aufhebt.
Diese ewige Wiedergeburt als Auferstehung des Geistes im allen Dingen erkennen, — das wäre der wahre neue Osterglaube.
Aber dazu bedarf es noch gar mancher Auferstehung erst im eigenen Innenleben der Idee.
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