Eben grade ist ein solches Flämmchen wieder besonders hell aufgeglüht. Aus tiefem Schacht glimmt es zu uns. Es meldete von einer Pfingststunde, selbst noch wieder fast ohne gleichen in der Reihe der Pfingstwunder des Menschengeistes, — vom Pfingsten der Kunst. Da die Kunst niederstieg auf diesen rollenden Planeten, niederstieg nicht als das Wunder einer unfaßbaren Überwelt, das als Sternschnuppe in den Sumpf der Natur fiel; sondern als eine Tat der Natur, die ihr gelang, weil ihr endlich der Mensch gelungen war.

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Auf dem kleinen Delikateßteller vor mir liegt eine Trüffel, zierlich und rund. Sie duftet nach allen guten Sachen und dem Feinschmecker geht das Herz auf.

Wenn Du aber nicht bloß ein Esser, sondern auch ein Kenner bist, so weißt Du, daß dieser schwarze Diamant unter den Edelsteinen der Tafel einen kleinen Roman hinter sich hat.

In fernem Lande grünte ein Eichenhain. Mit dem feinsten Wurzelgeflecht einer solchen Eiche verspann sich tief im Erdboden ein Schimmelpilz zu geheimnisvoller Gütergemeinschaft, von der heute noch nicht völlig klar ist, ob sie mehr auf gegenseitiger Liebe oder auf einseitigem Schmarotzertum beruht. Aus dem wohlgespeisten Pilzaderwerk aber erwuchs ein großer fleischiger Fruchtkörper, mit Sporen gefüllt. Sein Duft schwoll durch die Erde, daß die Schweine, die ihn verehrten, danach scharrten. Da die Sporen solcher Pilze durchweg nicht bei der Verdauung leiden, ist das Gefressenwerden für sie kein Schaden, es hilft nur zur Weiterverbreitung. Vielleicht ist der Duft, der das Schwein froh macht, ein wirkliches Lockmittel, wie die rote Kirsche mit ihrer leuchtenden Farbe zum Naschen und Weitertragen ihrer Kerne lockt. Der Mensch aber, der unleugbar in Gebiß und Geschmack mehrere Ähnlichkeiten mit dem Tierlein des heiligen Antonius verrät, nahm dem ehrlichen Finder seinen Fund ab, und versandte ihn für die Tafeln seiner schlemmenden Mitbrüder in aller Herren Ländern.

Das Land, wo der Erdenschoß solche Schätze einer Schweineschnauze beut, ist die alte Grafschaft Périgord im heutigen Departement Dordogne im südwestlichen Frankreich.

Gering wäre ihr Ruhm in der Welt, wäre die Trüffel nicht. Mit der Périgord-Trüffel geht er um die Erde, wie der Klang des Namens Teltow mit seinen Rübchen oder Frankfurt mit seinen Würstchen. Gegen solchen Ruhm aus dem Kochbuch ist schwer mit anderen Werten anzukämpfen, wie denn ganz gewiß schon manche naive Seele von Frankfurter Würstchen gehört hat, nicht aber von dem Frankfurter Goethe.

Der Trüffel-Kenner aber soll doch als wirklich feiner Kenner, der auch seinen Goethe zu schätzen weiß, über seine Tafelfreude hinweg heute sich erinnern an die wahrhaftig wunderbaren Schätze, die diese gute Landschaft Périgord in ihrem Boden birgt, — Schätze, die zum oberen Geistesstockwerk der Menschheit gehören, dort, wo eben dieser Goethe auch hingehört, und die an Geisteswert für unser edelstes Menschentum doch noch etwas wertvoller sind als die dreißig Millionen, die unsere welschen Nachbarn alljährlich am Trüffel-Handel verdienen.

Zum Fluß Dordogne geht als Seitenader die Vezère, selbst wieder gespeist von kleineren Wässerlein.

Dieses Vezère-Netz bildet liebliche Täler im Kalkfels. In diesem Fels seiner Talwände aber liegen Höhlen. In diesen Höhlen haben in entlegenen Tagen, jenseits aller unmittelbaren geschichtlichen Überlieferung, Menschen gehaust.