Ob diese Menschen schon Trüffeln gesucht, wissen wir nicht. Was wir aber wissen, ist, daß sie die höchste und freieste Tätigkeit werdenden Edel-Menschentums schon gesucht und gefunden haben: Kunst.

Kunst — in Tagen, da noch das Mammut ein Charaktertier der französischen wie der deutschen Landschaft war!

Lange schon ist von den Tierbildern die Rede gewesen, die, eingeritzt in Rentierhorn und Mammutelfenbein, in diesen Périgord-Höhlen entdeckt sein sollten. Heute kommt die fest bestätigte Kunde von Funden, die alles Kühnste in Schatten stellen.

Höhlen sind erschlossen, eng wie ein Flaschenhals, aber auf ihren Wänden bedeckt mit einer ganzen Gemäldegallerie der wundervollsten Tierbilder, zum teil in Meter- bis Zweimeter-Größe, zum teil in Farben, — prähistorischen Tierbildern von prähistorischer Künstlerhand.

Das Mammut ist dabei.

Was keine Denkmalstradition der großen alten Kulturen, mit denen unsere „Geschichte“ anhebt, mehr erreichte, das haben wir nun endlich ganz sicher, mit einer Fülle der Details, die niemand je erwarten konnte.

Es ist ja eine Kenntnis, in die sich das 19. Jahrhundert erst ganz langsam überhaupt eingewöhnt hat: daß uns Tiere noch innerhalb der Zeit des Menschen verloren gegangen seien; und daß dieser Mensch selber uns gelegentlich durch Kunstmittel noch etwas davon gerettet haben könnte.

Als es allmählich eine Tatsache von betrüblicher Unwiderleglichkeit wurde, daß der große seltsame taubenähnliche Vogel Dronte, den die Expedition des Vasco da Gama 1497 auf der Insel Mauritius in ungeheuren Scharen entdeckt hatte, in der Zwischenzeit bis auf den letzten Kopf wieder ausgerottet sei, ohne daß man auch nur ein Museumsexemplar für die Naturgeschichte übrig habe, — da fing man an, alte Gemälde zu durchsuchen, auf denen die holländischen Zeitgenossen allerlei Getier abkonterfeit. Und richtig: auf alten „Paradiesen“ des 17. Jahrhunderts stand bei anderm Geflügel auch die Dronte noch, in jedem Federchen treu kopiert mit dem ganzen Realismus der Niederländer und ihrer Liebe grade für groteske Gesellen.

Als es desgleichen offenbar wurde, daß wir den Auerochsen falsch getauft hatten und daß auf diesen Namen in Wahrheit ein gewaltiges deutsches Tier, der echte Ur, stillschweigend irgendwo um das sechzehnte Jahrhundert herum verschollen sein müsse, — da kam abermals hier ein alter Holzschnitt, dort ein mit „Tur“ gezeichnetes altes Ölgemälde zu Ehren, die den Verlorenen wenigstens noch mit seinem schwarzen Fell und seinen flach ausgezogenen Riesenhörnern für unsere Phantasie retteten.

Das Tierbuch des trefflichen Gesner hat uns den deutschen schwarzen Mauer-Ibis bewahrt, den Waldrapp, der einst unsere Ruinen umflog.