So reklamiert auf einer gewissen Höhe die strenge Wissenschaft als realistischer Teil der technischen Welteroberung und Weltverbesserung gerade das Tierbild wieder in seiner möglichst reinen Urform als Reproduktion der Wirklichkeit für ihre streng zoologischen Zwecke. Wir erleben die Mützel und Specht und Leutemann, wie sie wissenschaftliche „Tierleben“ illustrieren, und zuletzt muß gar die Momentphotographie heran, um ganz unverfälschte Wirklichkeitsbilder (vorläufig gelingt es ja durchaus noch nicht „ganz“!) zu ermöglichen.
Das führt aber von dem Streifblick in die theoretisch-ästhetische Seite wieder genau auf unser eigentliches Problem selbst zurück.
Es kann heute keinem Zweifel mehr unterliegen: gesehen hat dieser Mensch, in dem also nach der einen Seite schon als nacktem Steinzeit-Wilden eine realistische Kraft der reinen Naturwiedergabe steckte, noch eine ganz andere Sorte verschollener Tierwelt als jene immer doch relativ junge der Dronten und mykenischen Löwen.
Denn das wissen wir jetzt endlich mit voller Sicherheit: der Mensch in einem Kulturzustand, der sich immer noch mit dem jener Bakairi-Indianer oder auch der heutigen Eskimo vergleichen läßt, ist alt, uralt, märchenhaft alt.
Der Polarpunkt unseres Nordhimmels, in dem heute der Stern des kleinen Bären leuchtet, ist so und so oft infolge der Achsenverschiebung der Erde auf die Wanderschaft gegangen, hat sich die Wega und andere schöne Sterne als Richtlampe erkoren und ist endlich wieder beim alten Fleck angelangt, — und immer war der Mensch schon da. Zeiträume aber, in denen himmlische Achsenpunkte derartige Sternexkursionen machen können, müssen auch ganz gewaltige Wandlungen und Verschiebungen der Tierwelt bedingen, in die wir denn also auch mit diesem Menschen hineingeraten, sobald wir uns bloß resolut sagen, daß die paar tausend Jahre unmittelbarer Schriftüberlieferung, die wir haben, völlig zurücktreten gegen das Gesamtdasein eines mehr oder minder schon überhaupt „etwas“ kultivierten Menschen auf dem Erdplaneten. Fallen doch selbst die ältesten jener babylonischen oder ägyptischen Unmittelbar-Überlieferungen nur in einen kleinen Bruchteil einer einzigen letzten astronomischen Revolution jener Art!
Noch vor zehn Jahren konnte man sagen, daß mindestens Streit darüber bestehe, ob Mensch und Mammut sich lebendig begegnet seien.
Autoritäten wie Virchow und Steenstrup waren dagegen. Eine Fundstelle wie die von Predmost in Mähren, wo die von Menschenhand unzweideutig bearbeiteten, um die Reste menschlicher Kohlenfeuer gelagerte Mammutknochen nach tausenden zählten, wurde als Eisfleisch-Station gedeutet, auf der prähistorische Hungerleider vieltausendjährige gefrorene Eiskadaver von Mammuten herausgehackt und mit dem Appetit der heutigen Tungusen-Hunde in Sibirien, die jetzt noch tapfer so auf Eis-Mammut gehen, verspeist haben sollten.
Diese Skepsis ist heute antiquiert.
Zur Stunde tauchen ganz andere Gemeinschaften als Problem auf, unendlich viel ältere.
Jene wundervolle Fundstätte vorgeschichtlicher Menschheitskultur in Taubach bei Weimar, von der nachgerade wohl die Meisten gehört haben, zeigt uns den Menschen als gewohnheitsmäßigen, offenbar durch lange Zeiten und Generationen fest eingeübten Jäger schon nicht mehr des eigentlichen Mammut-Elefanten, sondern des sogenannten Alt-Elefanten (Elephas antiquus), einer riesenhaften Elefanten-Form, die mindestens in ihrer Blütezeit dem Mammut voraufging.