Der Betrug war so offenkundig, daß das Gericht einschreiten und die Sünder bestrafen konnte. In der ganzen Frage prähistorischer Kunst aber bedeutete dieses mißliche Einzelereignis einen allgemeinen Kurssturz.

Jetzt kamen auf einmal die Stimmen derer obenauf, die solche vorweltliche Zeichnerei überhaupt für unmöglich hielten. Die Faust, die eben die ersten Steinbeile ordentlich zurecht geschlagen, habe noch nichts von Zeichnen und Kunst ahnen können! Eitel Schwindel seien eben alle diese angeblichen Ritz- und Schnitzarbeiten, moderne Fälschung plumpster Art. Wenn solches Schwindelwerk am grünen Holze, bei uns, gelungen, — wie sollte man nicht der Leichtfertigkeit französischer Halb-Forscher das Bedenklichste unbedenklich zutrauen!

Jenes Mammut-Bild, das Lartet im Vezère-Tal des Trüffel-Landes entdeckt, sollte gar bloß in der Phantasie dieses Herrn Lartet und seiner Freunde entstanden sein durch willkürliche Auslese und Allein-Wiedergabe einiger Krackelstriche in einem wüsten Netz vielfältiger und regelloser Ritzungen eines stark verschrammten Elfenbeinstücks.

Die mildesten Kritiker bestritten doch wenigstens alle irgendwie „besseren“ Bilder. So trat Johannes Ranke den Beweis für Unechtheit eines Rentiers aus dem Keßler Loch, das sonst nicht in jene unzweideutige Fälschungsgeschichte verwickelt war, mit der Begründung an, daß bei diesem Tierbilde die Füße, ja sogar die Afterklauen daran, genau dargestellt seien; gleich den heutigen zeichnenden Buschmännern Afrikas hätten aber die prähistorischen Menschen auf „echten“ Bildern niemals die Füße der Tiere mitgezeichnet.

Je nun, — diese jungen Wissenschaften haben ihre Umläufe, es wechselt, um mit dem Prolog im Himmel zu reden: „Paradieseshelle mit tiefer schauervoller Nacht“, und die Weisheit, die zweimal umgelernt hat, darf sich nicht scheuen, es auch zum dritten Mal zu tun.

Auch jene skeptische Phase ist heute wieder um, und vor den neuen Funden der Trüffel-Erde, die wir jetzt besitzen, hebt abermals ein neues Kapitel dieses tiefsinnigen Lehrbuchs vom Menschen und seiner Ur-Gabe der Kunst an, ein helles und positives nun doch.

Jenes Vezère-Tal in der Landschaft Périgord, wo Lartet schon in den sechziger Jahren sein angebliches Mammut auf Mammutbein aus dem Schutt prähistorischer Zeiten gezogen, ist eine äußerst liebliche Gegend.

Als Lubbock, heute der Alt-Meister vorgeschichtlicher Forschung, einst die Vezère hinabfuhr, pries er die Schönheit des Ortes, daß sie jeden packen müsse, auch abgesehen vom wissenschaftlichen Interesse. „Da der Fluß bald die eine, bald die andere Seite des Tales aufsuchte, so hatten wir in einem Augenblick zu beiden Seiten reiche Wiesenländereien, und in dem nächsten befanden wir uns dicht an dem senkrechten, fast überhängenden Felsen. Hier und dort kamen wir zu einigen wallonischen alten Burgen, und obgleich die Bäume noch nicht im vollen Laubschmuck standen, so waren doch die Felsen an manchen Stellen völlig grün durch Buchsbaum, Efeu und immergrüne Eichen, und das harmonierte überaus gut mit der satten gelbbraunen Farbe des Gesteins.“

Hermann Klaatsch, dem wir die neueste anschauliche Ortsschilderung auf Grund eines Besuches im letzten September verdanken, findet, daß das Tal „einen intimen Reiz des süßesten Friedens“ besitzt „und einer Nervenberuhigung, welche die Sorge aufkommen ließe — es möchte hier einmal eine Nervenheilanstalt entstehen, wozu die Gefahr nahe läge, wenn das Terrain in Deutschland sich befände“.

Ohne besondere Spitzfindigkeiten läßt sich ein Bild gewinnen, wie dieses Haupttal und seine mäandrischen Verzweigungen geologisch ausgestaltet worden sind.