Das ganze Quellnetz zum Dordogne-Flusse deutet rückwärts auf das hohe Zentral-Plateau von Frankreich, das alte Vulkanland der Auvergne.

Nachdem diese Krater, mehrere hundert an der Zahl, in der späteren Tertiärzeit ihre Lavaströme genügend ergossen hatten und mit erschöpfter Kraft in den Ruhestand der wenigstens auf absehbare Zeit erloschenen Vulkanruine eingetreten waren, setzte die beginnende Periode der Eiszeiten die Durchschnittstemperatur lange Reihen von Jahrtausenden hindurch um so viel herunter, daß diese Gipfel sich durch Herabsinken der Schneegrenze mit „ewigem Schnee“ und mächtigen, zu Tal drängenden Gletschern bedecken mußten.

Als diese Gletscher aber zeitweise wieder schmolzen, mußten die Schmelzwasser sich mit ungeheurer Gewalt zu Tal ergießen. Sie erfüllten die vorhandenen Flußtäler hoch herauf und wühlten in das weiche Kreidegestein ihrer Wände tiefe Furchen und Löcher ein, die später, als die Hochflut verströmt war und die Talsohle wieder als solche auftauchte, als Nischen und Grotten der Talwände frei wurden.

Erst nach dieser Zeit, nach Ausgang einer ersten Vergletscherungsperiode und wohl noch während einer zweiten, hat dann der vorgeschichtliche Mensch sich im Vezère-Tal und seinen Seitenzweigen angesiedelt.

Er hat die Grotten als willkommene Zufluchtsstätten genau so benutzt, wie sie spät noch in der geschichtlichen Zeit, ja bis in die neuesten Tage hinein vorkommenden Falles immer wieder besucht und gebraucht worden sind.

Einem ausgesprochenen Jägervolk, aber von kleinen Mitteln, bot ja grade ein Tal von dieser Art die sinnfälligsten Vorteile.

In senkrechten Steilstürzen bricht das Plateau oben vielfach gegen die Taltiefe ab. Gelang es den steinzeitlichen Jägern, eine Tierherde dieses Plateaus durch irgendwelche Schreckmittel, etwa künstliche Feuerbrände in der Nacht, gegen die unheimliche Kante zu hetzen und zum Absturz zu bringen, so war ein großer Sieg mit verhältnismäßig wenig Mühe gegeben, und die Opfer lagen gleich vor dem Hause.

Vor Jahren schon hat Boyd Dawkins in England solche Rand-Jagd in vorgeschichtlicher Zeit als Erklärung aufgestellt für die erstaunlichen Anhäufungen zerbrochener und zernagter Tierknochen in englischen Steil-Schluchten. Als die Jäger, die hier den Riesenhirsch und das Mammut, das Rhinozeros und den Wisent ins Verderben gehetzt, nahm er zwar, und für seine Oertlichkeiten wohl sicher mit Recht, die Hyänen an, die damals in Scharen das Land bevölkert haben müssen. Heute noch jagen ihre lebenden Vertreter so, daß sie starke Beutetiere, die sie sonst nicht überwältigen könnten, durch Massenangriff erschrecken und auf einen äußersten Fleck drängen, wo der Absturz unvermeidlich wird.

Doch vom Tier hat der Mensch jagen gelernt: was Wunder, wenn auch er die grausigbequeme Methode der schwachen, aber klugen Hyäne nachahmte.

Längst kennt man auch eine französische Fundstätte, von Solutré bei Lyon, wo unter einem hohen Fels mit schauerlichem Steilfall eine an hundert Meter lange und drei Meter dicke Knochenschicht aufgedeckt worden ist, die so gut wie ganz aus Knochen diluvialer Wildpferde besteht. Ueber 20000 Individuen müssen hier immer genau am gleichen Fleck umgekommen sein! Und in diesem Falle verrät sich der wilde Jäger sofort: sehr gute Steinmesser, von Menschenarbeit, wahrscheinlich hier als Lanzenspitzen bei der Verfolgung benutzt, liegen noch zur Hand, und jeder Pferdeschädel ist künstlich aufgebrochen, um den Leckerbissen des wilden Menschen, das Gehirn, herzugeben.