Das alles sind kleine Mittelchen, die einen Moment den Laien froh machen können, aber dauernd doch an die Sache nicht rühren.

Denn die großen Linien im Sachmaterial der heutigen Naturforschung lassen sich nicht mehr umwerfen. Es bleibt die allgemeine Naturgesetzlichkeit, es bleibt die Grundtatsache allgemeiner Entwickelung, es bleibt der Mensch als Glied in der großen Kette der Natur. Um diese Dinge kommen wir schlechterdings nicht mehr herum, und was an der Anerkennung dieser Hauptlinie schon stirbt von älteren Anschauungen, das muß eben sterben.

Was ich aber behaupte, ist, daß es einem tieferen religiösen Empfinden gar nicht einfällt, hier zu sterben, wofern nur eine Klärung über den Naturbegriff und eine Loslösung vom Pessimismus damit Hand in Hand geht.

Die erste Aufgabe ist allerdings, daß man den Menschen nicht wieder gewaltsam losreißt von der Natur aus lauter Eifer für „Natur“. Das ist bisher mit wahrer Hartnäckigkeit geschehen.

Der Begriff „Kraft und Stoff“ hat dabei eine merkwürdige Rolle gespielt.

Seltsam genug ja: unsere Zeit ist die erste, die wirklich Ernst damit gemacht hat, den Menschen restlos einzubeziehen in die Natur. Aber diese unsere gleiche Zeit hat sich auch alle Mühe gegeben, ihn durch unglückliche Begriffsworte in seinem ganzen Fühlen weiter wieder von der Natur fortzugraulen als irgend eine.

Kraft und Stoff sind in der exakten Forschungssprache vortreffliche und durchaus nötige Abstraktionen. Man kann sie auch philosophisch anstandslos benutzen, um eine bestimmte Linie einheitlichen Zusammenhanges der Dinge in der Welt zu begründen. Lege ich dieses Formelwort aber didaktisch als Generaldefinition der „Natur“ sans phrase zu Grunde, so werfe ich grade den Menschen vor dieser Natur in eine unfaßbare Öde.

Ich werfe ihn nämlich nicht, wie die Schwärmer für das Wort gemeint haben, in die höchste Realität, sondern in die äußerste Abstraktion.

Um den Menschen in die Natur zu bringen, ziehe ich von ihm ab und ab, bis nur das ausgezehrteste, mit nichts mehr greifbare Gespenst übrig ist. Dann ziehe ich die ganze übrige Natur ebenso fasernackt aus und nun endlich bringe ich die Ähnlichkeiten zusammen. In dieser Eiseskälte erfriert aber dem Beschauer die Natur, und sein eignes Eingehen in diese Natur bedeutet ihm nichts anderes als auch nur ein Miterfrieren.

Im Grunde bleibt ihm trotz alles Redens seine eigene Kraft-Stoffheit etwas ebenso absolut Fremdes wie die der Natur. Und auf diesem Wege kommt er von sich als lebendig warmem Menschen nie und nimmer zu der sonst bekannten Natur, — das tertium comparationis ist ein Gespenst, das er an beiden nicht kennt. Schließlich wird er es ja der Natur noch eher andichten mögen als sich. Dann ist er aber erst recht von ihr fort, weiter als je. Ich begehe eine Handlung, die im Sinne der Menschenliebe ist, wie sie am schlichtesten nach wie vor die Sprüche des Evangeliums aussprechen: — Kraft und Stoff. Ich begehe die aufs äußerste entgegengesetzte Niederträchtigkeit: Kraft und Stoff. Ich lebe oder bin tot, glücklich oder unglücklich, arbeitsam oder faul, bin ein Mensch oder bin der Sirius: Kraft und Stoff. Dieser Begriff gehört zu denen, die, weil sie überall passen, nirgendwo passen.