Aber der Kontrast ist nur der von älter und neuer.

Das Alte ist eine unermeßlich große Masse, — das Neue ein paar Lichtpünktchen. Man denke an die paar Menschen, die um Liebe nach den Sternen blicken — und diesen Erdball unter ihnen, der kein Gesetz hat als das des „Muß“, wonach er jährlich 365 Mal um sich und einmal um die Sonne fällt. Aber gib dem Neuen die ganze Zukunft mit in Kauf und die Folge der Milliarden Generationen nach ihm, — und Prometheus wird Christus, er wird Newton, der den Mond schon fallen sieht wie einen Apfel, er wird der Erfinder, der mit elektrischen Wellen über Meere spricht und endlich: nicht er hängt mehr am Kaukasus, sondern dieser ganze Kaukasus wächst und zerfällt, je nachdem er es zu Zwecken seiner Liebe will, er, der Herr der Naturgesetze.

Wie bisher über die Einzelheiten dieser Dinge gestritten worden ist, so wird auch noch weiter darüber gestritten werden müssen. Was ich aber meine, ist, daß diese Gedankengänge sich völlig vertragen mit den Dingen, die der moderne Naturforscher lehrt.

Nirgendwo steckt auch nur die geringste Konzession darin, die vom Naturforscher verlangt würde.

Es wird bloß darin Ernst gemacht mit dem, was gerade dieser Forscher verlangt und verlangen muß: daß nämlich der Mensch in seinem ganzen Umfange in die Natur aufgenommen werde. Dieser Mensch muß dabei bleiben, was er ist. Er wird nicht plötzlich bloß Kraft und Stoff, oder nur eine Mischung aus H2O und einigen anderen Elementen. Er bleibt Hiob und Prometheus und Christus und Faust, bleibt in der uralten brennenden Sehnsucht seiner Ideale, bleibt in seiner Weltverzweiflung und Welthoffnung und Weltüberwindung, bleibt in seiner Liebe.

Von all diesen Dingen wird man doch wohl nicht glauben, daß der Naturforscher plötzlich daran rüttle?

Er gerade ist doch der allerletzte, als Beobachter, der Phänomene scharf auseinander zu halten gelernt hat, — der einen Unterschied leugnen sollte zwischen einem Stein, der einfach nach dem Gravitationsgesetz fällt, oder einer insektenfressenden Pflanze, die unerbittlich ihr Opfer aussaugt, — und dann einem Menschen, in dem das schlichte christliche Gebot auferstanden ist, daß man mit den Armen das Brod teilen und seinen Nächsten lieben soll wie sich selbst?

Was der Naturforscher in erster Linie verlangt, ist, daß diese Unterschiede nicht durch Magie erklärt werden, sondern als natürliche Entwickelungen.

Gerade das aber wollen ja jene Ideengänge, denen alle jene Vorgänge nur Entwickelungsstufen einer und derselben Natur sind.

Gerade der Naturforscher wird doch auch der letzte sein, der unabsehbare Zukunftsfernen dieser einmal angeschlagenen Entwickelungswellen leugnet. Von ihm stammt ja die erste exakte Fassung des alten Glaubens, daß alles Geschehene für die Ewigkeit geschehen, in die Ewigkeit hinein geschrieben sei: er lehrt uns, daß die Kraft nie erlischt und daß der geringste Schlag im Äthermeer fortzittert durch alle Äonen hindurch in immer weiter sich zerteilenden Kreisen, — diesen wunderbaren Gedanken von der Unsterblichkeit der Wirkungen, auf dem Fechner seine ganze tiefsinnige Philosophie aufgebaut hat.