Das Meer ist der abstrakte Stoff, der Spielmann mit seiner unendlichen Melodie ohne Wechsel die abstrakte Kraft. Und es ist hier nicht bloß ein Endbild, es ist Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, alles in einem. Den Menschen mit seinen Hoffnungen und Idealen in dieses Meer hinabziehen, heißt ihn schon jetzt vernichten.

Und doch ist nichts nötig, als die Natur-Definition nur auf eine etwas größere Fülle der Phänomene zu bauen statt auf eine solche einzige skeletthafte Abstraktion, — und dieses Meer des gespenstischen Spielmannes wird zu der blauen Welle, aus der in einer Lotosblume das Gotteskind Mensch erblüht, das Kind, in dem die Gott-Natur sich selber fortschreitend neu zur Welt bringt.

Nur etwas mehr Mut braucht es in der Definition des gleichen Dings.

Hat man diese große Linie aber einmal resolut erfaßt, so ist es leicht, in sie noch eine Menge einzelner Züge hineinzuzeichnen, die jetzt alle nach der optimistischen Seite weisen.

Die Stufe der Liebe ersteht rein „natürlich“ aus der Urstufe des Gesetzes, sagte ich. Sie entwickelt sich in dem uns bekannten Weltausschnitt in der Phase, die allmählich zum Menschen hinleitet und endlich in diesem selbst gipfelt. Hier aber wird die Frage wichtig, ob dann nicht in der Stufe des reinen Gesetzes doch auch schon ein optimistisches Prinzip erkennbar gewaltet haben müsse.

Diese Frage berührt allerdings zunächst das unendlich schwierige teleologische Gebiet.

Auch auf diesem Gebiete haben wir uns vorweg vor einem Irrtum zu hüten, der ebenso gefährlich werden kann wie der falsch verstandene Materie-Begriff.

Wenn ich Ernst mache mit der Behauptung, es sei der ganze Mensch ein Stück Natur, so darf ich nicht sagen: es gibt in der Natur keine Zwecke. Der Mensch handelt nach Zwecken, und also handelt die Natur auf der Stufe Mensch nach Zwecken. In einer Generaldefinition der Natur muß der Satz stehen, daß sie jedenfalls unter bestimmten Verhältnissen bewußt zwecksetzend, also im ausgesprochensten Sinne teleologisch arbeitet. Der Sieg der Liebe, von intelligenten Wesen durchgefochten, wird auf alle Fälle erreicht werden mit den Mitteln solcher Teleologie.

Andererseits bleibt aber ebenso wahr, daß lange Zeit hindurch nichts verhängnisvoller gewirkt hat, als das Hineindeuten von Zwecken in die reine Stufe des Muß.

Es war wie ein Aufatmen für die Naturforschung, als aus diesem Teil der Natur das teleologische Prinzip zunächst einmal nach Möglichkeit herausgedrängt wurde zu Gunsten einer Betrachtung reiner Kausalzusammenhänge.