Wenn ich mich überhaupt mit dem „Muß“ beschäftige, so muß dieses auch herrschen.
Jede Einmischung irgend welcher Art wäre Magie, und die zerstört das Fundament unserer anderen größten Errungenschaft: des Vertrauens in die absolute Naturlogik, in das ewige: „Gleiche Ursachen, gleiche Wirkungen.“
Gleichwohl gibt es noch eine dritte Betrachtungsweise, die eben möglich wird, weil beide Gebiete doch natürlich zusammenhängen.
Das „Muß“, das „Gesetz“, hat den Menschen und die Liebe schließlich in der von ihm allein beherrschten Welt doch auch hervorgehen lassen. Es hat eine ungeheure Entwickelungskette erzeugt, die zu diesen Höhenphänomenen hinführte. Unter diesen Umständen fragen wir uns, ob nicht mit der ersten Setzung dieses Muß wenigstens doch auch schon ein optimistisches Grundprinzip mit gesetzt war, das solche Blüten ermöglichte.
Wohlverstanden: ich will auch jetzt keineswegs die geschlossene Kette des Naturgesetzlichen durchbrechen mit einer hineingeschmuggelten Zweckkreuzung, einem Finger aus Numero x, der die Kette beugt.
Ich teile konsequent den Standpunkt Fechners, der immer und immer wieder seinen Hörern eingepaukt hat: alle Welt-Teleologie muß im Naturgesetz umschlossen sein, muß gesetzt sein, wenn sie besteht, durch die Naturgesetze, nicht noch einmal neben oder hinter ihnen; wenn es einen Zweck im Fall des Steines gibt, so kann er einzig und allein erfüllt werden durch diesen in der mathematisch genauen Formel der Gravitation gegebenen Fall und nicht noch einmal extra; in diesem genauen Wortsinne gibt es keine Meta-Physik, das heißt: nichts noch einmal hinter der Physik.
Aber wenn das Weltmuß an einer Stelle des uns sichtbaren Bildes in eine optimistische Linie im Sinne eines Anlaufens auf wachsende Glückseligkeit einmündet, — werden wir nicht erwarten dürfen, daß in der ersten Setzung dieses Muß bereits als ein optimistisches Ziel irgendwie gegeben war? Mit andern Worten: steckt nicht schon ein optimistisch zu deutender Faden in der Stufe des Gesetzes?
Ich glaube, daß wir ihn erkennen können. Er offenbart sich in dem eigentümlichen Zwange der Weltlogik, der das Harmonischere über das Disharmonische rein mechanisch triumphieren läßt.
Diese Logik hat noch gar nichts direkt zu tun mit Lust oder Schmerz. Sie trifft Sterne und Steine und Staubteilchen, man kann sie durchführen durch eine absolut mechanisch gedachte Natur.
Aber innerhalb dieses Mechanismus waltet sie als ganz bestimmtes Ordnungsprinzip. Sie siebt unablässig das regellose Auftauchen der Formen durch auf eine ganz bestimmte, fort und fort gesteigerte Ordnung, eine harmonische „Anpassung“ der Teile aneinander.