Erst wenn die Millionen, die Arbeitskräfte, die technischen Erfindungen da vorhanden und die Sache geleistet wäre, könnten wir von einer ersten Inventaraufnahme sprechen, die dann auf Darwin zu prüfen wäre.

So, wie die Dinge liegen, sind wir bisher trotz der 100 Jahre auf ein paar Stichproben angewiesen. Ein Schieferblock etwa wie der Solnhofener lithographische Stein, der eine prachtvolle ganze Schriftseite der Jura-Zeit liefert, ist zu technischen Zwecken wirklich im Abbau und steuert langsam sein Teil zu. Hier, dort hat ein Privatmann sein Geld und seine Energie ähnlich auf einen einzelnen Punkt konzentriert. Punkte gegen eine Erde!

Schon diese Stichproben haben aber genügt, um etwas noch viel Fundamentaleres, selbst mit allen Milliarden aller Staatskassen der Welt Unverrückbares zu offenbaren.

Das in der ganzen Erdrinde versteinert Erhaltene ist überhaupt nur wieder eine Stichprobe dessen, was lebendig da war.

Sicherste Anzeichen lehren das. An sich ist es ja ein wahres Wunder anstatt einer dicken Wahrscheinlichkeit, daß überhaupt etwas so erhalten ist. Der Laie hat da gut fordern. Wenn ich ein paläontologisches Museum besuche, so ist mir immer wieder das staunenswerteste Rätsel, daß das alles die ungezählten Zerstörungsmöglichkeiten in Jahrmillionen überdauert hat. Um so selbstverständlicher, daß schließlich Grenzen kommen. Es ist im ganzen doch nur ein kleiner Bruchteil, eben eine Stichprobe, da.

Das Wort Stichprobe paßt aber wieder in anderem Sinne schlecht dabei. In so und so viel Fällen geht es wie oben in dem Beispiel: ich steche auf Wallenstein und dringe in die Käserechnungen des Herrn Schulze. Wenn die Stichproben mich nun aber gar unzweideutig lehren, daß Wallenstein überhaupt nicht mehr dabei ist? Diese Sachlage steht fest für das ganze Altbuch der Paläontologie.

Da liegen ungeheure Schichtgesteine, die sogenannten krystallinischen Schiefer. Jede Spur von Versteinerungen ist nachträglich darin gelöscht, — durch irgend einen seltsamen Prozeß, der das Gestein durcheinander gearbeitet hat, vielleicht die Wärme, die bei der nachträglichen Zusammenziehung des Erdballs entstand, es gibt da nur Vermutungen. Was wir auch wollen: wir müssen bei allen geologischen Streifzügen abwarten, bis diese verwunschene Schichtenfolge aufhört, erst dann setzt die Möglichkeit von Versteinerungsfunden ein. Das Leben der Urzeit selber aber hat offenbar keineswegs die Freundlichkeit gehabt, für uns so lange mit zu warten. Als der Vorhang für uns endlich, mit der kambrischen Epoche, aufgeht, ist es schon im vollen Spiel. Ja, fast hat es den Anschein, als schneiten wir mindestens in den vierten Akt. Von Entwickelungsanfängen kann keine Rede mehr sein. Schon treten Muscheln, Stachelhäuter, hoch organisierte Krebse, ja gar bald bereits Fische auf. Aus den Steinabdrücken werden wir nie erfahren, durch welche Formreihen hindurch sie sich entwickelt haben könnten, denn tiefer geht unser irdisches Dokument überhaupt nicht.

Was heißt hier „fordern“?

Fordern wir vom Astronomen, daß er uns die Rückseite des Mondes zeige und machen wir davon den Wert der Astronomie abhängig! So ist es genau mit dem Darwinismus in der Geologie jenseits der ersten Muscheln und Trilobitenkrebse.

Auf solche Löcher im Material hat schon Darwin selbst hinweisen müssen. Geändert hat sich aber in den 44 Jahren seither nicht das Mindeste daran, — so wenig wie unsere Astronomie in den Jahren hinter den Mond gekrochen ist.