In ihm wird behauptet, daß Darwin gerade mit diesem seinem individuellsten Gedanken doch die ganze Entwickelungsidee entscheidend beeinflußt und umgestaltet habe.

Zerstört, sagen die einen.

Erst vollendet, die andern.

Ein Teil von Darwins Ruhm stammt aus dieser Ecke, weil er hier scheinbar Leuten entgegen gekommen ist. Ein Teil auch von dem Haß, den er erlitten, von der Reaktion einer aufgestörten Stimmung. Und immer wieder hat dieser große Hall auch in die engeren Fachkämpfe hinein nachgezittert.

Ist die Sache wahr?

Darwins Tat traf äußerlich mitten hinein in den erbitterten Zwist noch zweier anderer Weltanschauungen als bloß „Hie Wunder, Hie Naturgesetz.“

Ich kann das Wunder verwerfen und an eine natürliche Entwickelung, an eine einheitlich gebaute Natur glauben. So sind mir doch in dieser Überzeugung noch zwei Anschauungen möglich.

Ich kann in der Natur ein sinnloses Spiel sehen, ein Auf und Ab ohne inneren roten Faden, ein Welt-Kuddelmuddel.

Ich kann aber auch in dieser Natur ein allgemeines ungeheures Aufwärtsringen gewahren, ein Aufwärtsringen allerdings bloß mit natürlichen Mitteln, innerhalb und vermittelst der Naturgesetze, — aber doch ein Empor, in dem sich schließlich das Höchste erfüllt, — das erfüllt, was die ältere Betrachtungsweise noch einmal extra und außerhalb der Natur als Göttliches gesucht hatte.

Jene erste Ansicht ist eine unbedingt pessimistische, die zweite eine wenigstens bedingt optimistische. Goethe mit seinem Begriff „Gott-Natur“ stand stets der letzteren näher. Die erstere aber durchfärbte den Pessimismus des ganzen 19. Jahrhunderts mehr oder minder stark und gab dem Jahrhundert auch da, wo sie bloß halb und unklar auftrat, merkwürdig scharf seine Physiognomie; zumal gegen sein Ende hin.