Kein geologisch geschulter Mensch denkt daran, die Fäden dieses dunkelsten Gewebes außerhalb der Naturgesetzlichkeit zu suchen. Der Wechsel, das Andersartige grade der Bilder predigt aufdringlich genug Entwickelung.
Nichts also entfernt sich in dieser Geologie der unendlich höher gespannten Möglichkeiten im Prinzip von Darwin.
Aber wir dürfen uns grade in seinem Sinne nicht dagegen verschließen, daß nun der Entwicklungsprozeß des Lebendigen in diesem ungeheuren, kaum erst in seinem Umfang hier und da geahnten Spiel der geologischen Gesamtdinge, dem gigantischen Gesamtprozeß der Entwickelung des Erdplaneten, mit allen Fasern auch hängt, — in seinen Rätseln hängt.
Phasen dieser Gesamtentwickelung können in ihn eingreifen, von denen der Anblick der heutigen Verhältnisse wahrscheinlich ebenso wenig ein Bild gibt wie das enge, einer Uhrfeder gleich sich abrollende Leben eines kleinen Philisters in einer erstarrten Umgebung ein psychologisches und kulturgeschichtliches Bild geben würde von der ideellen Siedehitze eines Kopfes in einer sozialen Revolution oder in der ungeheuren Stunde einer Religionsgeburt.
Ich glaube zuversichtlich, daß die Geologie in diesem Sinne noch einmal reden wird, viel reden wird zu Darwin, — nicht in dem kleinlichen Sinne, daß sie die paar paläontologischen Daten, die jetzt schon allgemein eine Entwickelung befürworten, wieder umwerfen sollte, wohl aber so, daß sie Darwins Programm von den „Verhältnissen“ uns erst eigentlich erfüllte.
Unvermerkt wird dabei freilich auch der Begriff „Verhältnisse“ selbst eine leise, aber schließlich doch wichtige Umwandlung erfahren: — eine Erweiterung.
Der Prozeß wird wahrscheinlich ein ganz ähnlicher werden, wie heute in der von der Nationalökonomie in bestimmtem Sinne beeinflußten Geschichtsauffassung. Auch da spielt das Wort „Verhältnisse“ eine überwältigende Rolle. Je mehr die Forschung sich aber vertieft, desto mehr geht in sie alles, was man früher „Ideen“ nannte, doch auch wieder als Faktoren ein, man spricht von einem „Milieu der Ideen“ in bestimmter Zeit, und schließlich zeigt sich hier wie überall als Parole des Fortschritts, daß es nicht gilt, irgend etwas herauszuwerfen aus der Betrachtung, sondern nur immer mehr hinzu zu umgreifen.
Ich berühre damit schon etwas, was ich oben als zweite Stufe in Darwins Werk bezeichnet habe: seine Idee über das eigentliche Gesetz der Entwickelung im Tier- und Pflanzenreich.
Ein Naturgesetz in der biologischen Entwickelungslinie suchte Darwin — und er geriet auf die Selektion.
Seit 44 Jahren geht der Streit, ob er in diesem Punkte recht gesehen. Aber neben diesem Fachstreit gibt es noch einen anderen, der auch anknüpft an das Wort Selektion.