Etwas Verschiedenheit ist natürlich immer nötig. Aber es braucht keineswegs rein summarisch viel zu sein. Damit aber schwindet ein gar gewaltiges Stück des eigentlich Trennenden für den Anblick zwischen der also reformierten „Sprung-Theorie“ und der offiziellen darwinistischen Lehrmeinung.
Auch so bleibt ein Stammbaum der Lebewesen mit relativ ganz kleinen Ruckstellen des Wachstums, kleinen Schußstellen von Knoten zu Knoten.
Ein ganzes Bisserl „Schuß“ oder „Ruck“ oder „Sprung“ oder wie man es nun nennen will, war ja wohlverstanden auch jede einfachste darwinistische Varietätenbildung schon.
Wenn ein Mensch mit einer kurzen Nase plötzlich einen Sohn hat mit einer langen: ein Sprünglein liegt auch darin.
Fragt sich bloß, wie groß es im äußersten Falle sein darf, — und das wieder führt auf die Tiefenfrage: welche mechanische Ursache wir hinter ihm zu suchen haben und wie viel Kraft wir der schon für das Ganze beimessen sollen.
Schon aus jenem Kristallflächen-Beispiel erhellt aber sehr nett, wie schlicht mechanisch de Vries da denkt.
Es ist nicht zu leugnen: in der alten Sprung-Theorie war, besonders je größer sie ihre Sprünge sich gedehnt dachte, immer ein Zug auf eine mystische Ausbeutung merkbar. Ob nicht ein „Wunder“ hier lag, so riesig, daß es ewig über unseren Verstand ging?
In dem Bilde des de Vries wird mindestens bildlich absolut klar, was er von der Sache hält. Der Kristallblock kommt ins Rollen. Das ist nichts Mystisch-wunderhaftes, sondern das Bild arbeitet mit einfachsten mechanischen Voraussetzungen. Der Rollblock fängt an zu kippen, zu zittern, zu balanzieren, — abermals nur ein rein natürlicher, im richtig verstandenen Sinne „mechanischer“ Prozeß. Endlich kommt der Block gar zum völligen Kippen, aber doch offenbar wiederum nur durch ein Plus der ursprünglichen naturgesetzlich arbeitenden Kraft, die schon das Rollen und Balanzieren beherrschte.
Was aber im Bilde gilt, faßt hier zugleich die Sache: auch Fortpflanzung, Variation und Mutation erscheinen durchaus nur im festen Banne einer und derselben natürlichen Gesetzlichkeit. Wenn auch unsere Kenntnis die Einzelheiten noch nicht erfassen kann: das natürliche Glaubensbekenntnis des Naturforschers, der Glaube an unzerstörbare Gesetzmäßigkeit ohne Ignorabimus-Lücke, bleibt im Prinzip vollkommen gewahrt.
Das ist aber für den Fortschritt all unserer Sachweisheit doch eigentlich wieder die Hauptsache, — viel wichtiger als etwas Lehrmeinungs-Sieg oder Nicht-Sieg in darwinistischen Einzelheiten.