Den Schluß der Expedition bildete ein Besuch auf einem Inselchen „Verlaten Eiland“, das ein paar Kilometer entfernt liegt.
Als der Krakatau hier Weltuntergang spielte, mußte das nahe Eiland mit. Auch auf ihm verbrannte jedes letzte Hälmchen und dicke Schichten von Asche und Bimsstein begruben die Stätte. Grade hier aber hatte Floras Hand das höchste Wunder aufgespart, die äußerste Leistung tropischer Schnellproduktion.
Denn an der Südspitze dieses Friedhofs von 1883 stand bereits wieder ein ganzes Wäldchen von fünf bis sechs Meter hohen Bäumen. Casuarinen waren es. „Casuarbäume“, aus jenem seltsamen Geschlecht, dessen eigentliche Heimat das Wunderland Australien bildet. Wie gerupft, wie abgefressen hängen die scheinbar ganz blattlosen, düsteren Zweige herab, eher an Schachtelhalme als an Laubpflanzen erinnernd, eine echte Staffagepflanze von urweltlichem Habitus zu dem Erdteil der Schnabeltiere und Molchfische.
Als die Besucher ihre Ausbeute musterten, hatten sie im ganzen gesammelt: 22 niedere Kryptogamen (Algen und anderes), 12 Farne und 50 höhere Pflanzen (Phanerogamen). Treub bei seiner ersten Fahrt hatte 8 Kryptogamen, ein Farnkraut weniger und nur 15 Phanerogamen erbeutet. So trat der Fortschritt ganz deutlich hervor, wenn er auch nicht eben mit Siebenmeilenstiefeln gelaufen war, — der Fortschritt in elf Jahren genau gemessener Zeit.
Interessant war dabei noch die weitere Einsicht in die Transportart der neuen Ankömmlinge.
Penzig verrechnet da alle Algen und Farne nach wie vor auf den Wind. Von den Phanerogamen gibt er siebzehn Arten mit meist kleinen und teilweise mit Flugapparaten ausgestatteten Samen den gleichen Weg: es sind sämtlich Gräser, Compositen oder Orchideen. Zweiunddreißig Arten dagegen fallen auf Wassertransport: es sind fast durchweg Strandpflanzen, darunter die Casuarinen, Euphorbien, Canavalien und die Kokospalme.
Endlich für ein paar Arten (Melastoma und Ficus) kommt noch ein ganz besonderes Luftschifflein in Betracht, an das man früher gar nicht für solche Fälle zu denken gewagt hätte: nämlich Verschleppung durch früchtefressende Tiere, — Vögel oder Fledermäuse (Flughunde). Diese Pflanzen haben wohlschmeckende Früchte, deren Samen den Verdauungsprozeß überstehen. Der Weg ist also kein ungewöhnlicher. Darwin hat, wie so vieles, auch diese Art der Pflanzenverbreitung zuerst genau studiert und in unsere Rechnungen eingeführt. Er fand, daß Körner lustig aufkeimten, nachdem sie Tage lang in einem Vogelinnern zugebracht hatten; der Vogel konnte in dieser Zeit aber mehrere hundert Meilen weit geflogen sein.
So viel vom Krakatau, seiner Explosion und seinem neu erblühenden Garten.
Warum ich aber grade an diese Geschichte mich erinnert habe, damit hat es diese Bewandtnis. Ein Zeit-Beispiel steht uns hier wirklich vor Augen von außergewöhnlicher Art. Im Rahmen ganz fester Jahresziffern, 1883, 1886, 1897, erleben wir stufenweise mit einen Naturvorgang typischer Sorte: die Neuumfassung eines vegetationslosen Landes im Meer durch die „Biosphäre“, den großen Lebenskörper, der in Gestalt von Pflanze, Tier und Mensch die Oberfläche unseres Erdplaneten überlagert.
Hätten wir solche Zeitbeispiele, wo sich eine meßbare Zeit mit einem konkreten „Werden“ für uns füllt und deckt, in größerer Zahl, so träte jene Zeitfrage der Entwickelungslehre auf ein ganz anderes, ein exaktes Feld für uns über.