So wie hier, müßten wir dabei gewesen sein bei der Erdgeschichte, sollten unsere Antworten ganz unmittelbare sein.
Statt dessen sind wir angewiesen auf Indizienbeweise. Tatsächlich sind aber auch sie wenigstens für die größten Linien von zwingender Gewalt. Um ihnen zu folgen, ist aber wieder ein verwickelter Weg nötig, der weit fort führt von allen Schlagworten.
Ein Stück menschlicher Denkgeschichte ist dazu nötig.
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Wen man von einem mittelhohen, aber kahlen Berggipfel in die Ebene schaut — etwa von der Schneekoppe — so bekommt man ein gutes Bild, wie die „Biosphäre“, die Gesamtmasse des „Lebendigen“, zu dem ungeheuren Erdplaneten sich verhält.
Dunkler Fichtenwald, lichter, grüner Busch, endlich Wiesen und Kornfelder liegen da nicht mehr plastisch, sondern als Farbflecke. Nur noch die Unterlage, Hügel, Täler, Erdwellen aller Art steigen auf oder sinken ab. Die Farbfelder aber gehen mit, eben wie eine einfache Farbe, an deren Dicke man nicht noch einmal besonders denkt.
So liegt das Leben im ganzen um die Erde.
Der Fels aus Urgestein hier oben hat noch einen Vergleich: an seiner Flanke klebt die gelbe Flechte, auch sie fast nur ein Farbfleck ohne Tiefe, aber doch ein „Etwas“, das nicht selber Fels ist, sondern das man abschaben kann.
Wie eine solche feine bunte Flechtenkruste überzieht das Leben den rein mineralischen Block des Planeten in seinen kolossalen Größenverhältnissen eines Kugelberges von mehr als 12000 Kilometer Durchmesser.
Wer aus dem Weltraum sich der eilig sausenden Kugel näherte, der würde etwa die Urwälder des tropischen Südamerika sich andeuten sehen wie einen grünen Schimmel. Näherte er sich von der Nachtseite und schwebte über dem Ozean, so würde ein solcher Schimmel ihm vielleicht phosphorisch auf der Fläche zu funkeln scheinen: in der Tat läge auch hier in den oberen Wasserschichten eine riesige Schicht Leben winziger Organismen, deren vereinte Kraft das „Meerleuchten“ erzeugt.