Chemische und physikalische Einflüsse machen sich hier geltend, die wir im Detail noch nicht verfolgen können. Das Resultat sind unablässige individuelle Abneigungen der Jungen von den Eltern, meist zu klein, um als wahre pathologische Abnormitäten zu gelten, aber doch stark genug, eine gewisse Rolle im Leben des Individuums zu spielen; von einem Wurf junger Katzen können alle drei gesund sein, wenn auch jede anders gefärbt ist, und es muss schon eine sechs Beine haben oder zeitlebens blind bleiben, um pathologisch als Abnormität aufgefasst zu werden.
Diese anscheinend zwecklosen Varietäten innerhalb des Normalen werden aber von Wichtigkeit, wenn die äussern Existenzbedingungen der ganzen Art sich in Folge klimatischer oder sonstiger Umwälzungen verändern. Wenn ein Land plötzlich kältere Winter bekommt, kann der sonst werthlose Umstand, dass eine Katze vermöge kleiner individueller Abweichung doppelt so dichtes Haar besitzt als die übrigen, von entscheidender Wichtigkeit werden, kann sogar bewirken, dass sie allein mit denjenigen ihrer Jungen, die das starke Kleid geerbt haben, alle andern überdauert und Stammmutter einer neuen Spielart mit wolligerem Pelze wird. Das Ueberdauern der Andern bezeichnet dabei ein Schlagwort als: Sieg im Kampfe um's Dasein.
Innerhalb des Thierischen ist die als Beispiel gewählte Katze ein Genie. Es ist ihr etwas vererbt, etwas in ihr gegeben, das mit Hilfe des zufälligen Zusammentreffens der vorhandenen Gabe und des äussern Bedürfnisses zu einer Erfindung, einem Fortschritte wird. Dieses Genie wird, schematisch gesprochen, geboren als eine willkürliche, ziellose Linie, die aber im Leben plötzlich in's Herz einer Scheibe trifft und ihren Entsender zum Schützenkönige macht. Und die Art, wie dieses Genie sich auf die Nachkommen überträgt, wo es normale Gabe aller wird, ist die directe der körperlichen Vererbung.
Stellen wir jetzt daneben das menschliche Genie. Zunächst handelt es sich hier um etwas weit Feineres, nämlich einen Gehirnprocess. Ein Mensch wird geboren, dessen Art zu denken, Vorstellungen zu verknüpfen, eine gewisse individuelle Besonderheit aufweist, die, ohne pathologisch zu werden, doch innerhalb des Spielraums des Normalen ihre Eigenart wahrt. Die Linie, von der ich eben sprach, ist damit gegeben, aber sie ist noch völlig ziellos. Tausend Genies bleiben einfach unter der Masse verborgen, weil ihre Linie nie das Centrum einer Scheibe trifft. Dieses Treffen hängt von bestimmten Möglichkeiten ab. Es muss irgendwo in der Nähe eine Zielscheibe stehen, ein Stoff sich finden, an dem das Genie sich bewähren kann. Solche Stoffe liegen zu gewissen Zeiten in der Luft. Man denke an die Entdeckungen, die von drei oder vier Menschen fast zu gleicher Zeit gemacht wurden. Man denke daran, was Luther oder Copernicus oder Columbus bereits vorfanden. Wir nehmen an, das Genie ist geboren, der Stoff, an dem es sich bewähren kann, ist auch gegeben. Der betreffende Mensch besitzt jetzt etwas, eine Idee, ein geistiges Plus, das ihn von allen seinen Mitmenschen zugleich scheidet und fördernd heraushebt. So weit ist der Process gänzlich dem oben skizzirten bei der Neubildung einer zoologischen oder botanischen Spielart analog. Durchaus anders aber gestaltet sich der weitere Verlauf im Kampfe um's Dasein. Das doppelte Wollhaar des Raubthiers war etwas vom Individuellen Untrennbares. Es haftete an der Person, es schützte diese Person im Kampfe um's Dasein, und es übertrug sich von ihr zu neuen Personen auf dem Wege physischer Vererbung im Zeugungsprocess. Anders bei der menschlichen Idee, die das Genie durch Zusammenstoss mit einem äussern Zündstoffe entfesselt. In den allermeisten Fällen emancipirt diese sich sehr schnell vom Individuellen, dem eine körperliche Uebertragung durch Vererbung doch nicht gegeben ist, dessen einzelne Person also weiterhin nebensächlich ist. Die Idee überträgt sich von Gehirn zu Gehirn, kämpft vermöge ihrer bessern Kraft sich durch im Kampfe um's Dasein mit andern Ideen und befestigt sich schliesslich als eiserner Bestand im Denkapparate der ganzen Culturmenschheit. In dieser Loslösung der Idee von ihrem Urheber liegt das tragische Schicksal des Genies als Person; die Idee, indem sie als Macht im Kampfe um's Dasein auftritt, kämpft für sich, nicht für ihren Urheber. Die Tragik ist bitter, darüber kann kein Zweifel bestehen. Man fühlt sich manchmal berufen, die Natur grausam zu nennen wegen der groben Mittel, die sie im Daseinskampfe zur Schöpfung einer neuen Thier- oder Pflanzenart anwendet; die Wiege des Fortschritts, des Neuen im Geistesleben der Menschheit ist in dem Sinne das ärgste Procrustesbett, das überhaupt denkbar ist; das Individuum gilt hier gar nichts mehr. Aber eine vernünftige Lebensphilosophie muss sich in diese Thatsachen zu finden wissen. Jene Idee, die unter dem Nebel all' des mystischen Beiwerks doch immer die Herzen der Menschen am meisten im Christenthum angesprochen hat: die stille Resignation, dass der Einzelne am Kreuze sterben müsse, damit sein Werk ein beglückendes Evangelium für viele Tausende werde – sie wird bleiben, auch wenn kein Wort mehr von aller christlichen Metaphysik Gläubige finden sollte – weil sie eine tiefe Wahrheit enthält. Nicht der Mensch siegt im Kampfe um's Dasein, sondern die Idee: so lautet derselbe Satz in wissenschaftlicher Form. Er enthält zugleich eine Formel für die Thatsache und einen Trost. Denn schliesslich, wenn der Mensch auch nicht, wie das bevorzugte Thier in jenem Beispiele von dem doppelten Wollpelze, am eigenen Leibe die Segnungen dessen fühlt, was sein Gehirn in dunkler Mission ausgestreut, so sieht er doch als bewusstes Wesen die Siegesbahn seiner Idee auch noch in ihrer Trennung von seinem Selbst und empfindet ihren Glanz als versöhnende Wärme.
Ich habe das erfinderische Genie mit Absicht aus der reichen Fülle der Erscheinungen im menschlichen Dasein herausgegriffen, die man im engern Sinne als darwinistische Probleme auffassen kann. Ich denke, dass schon dieses eine Beispiel genügt, um zu zeigen, wie sehr man sich hier vor willkürlicher Uebertragung einfacher biologischer Gesetze auf die complicirten Phänomene des menschlichen Geisteslebens hüten muss. Die Anlage, die Zielscheibe, der Kampf um's Dasein: alles spielt auch hier seine Rolle. Aber der Verlauf ist gerade in wesentlichen Puncten ein anderer. Unendlicher Stoff für den Dichter liegt allerdings auf diesen Gebieten. Sowohl das Aufstreben des Neuen wie das Absterben des Veralteten, die geheimnissvollen Processe, wie das Gesunde verdrängt wird durch ein Gesunderes, wie es zum Ungesunden herabsinkt durch haltlose Opposition gegen das bessere Neue, ohne selbst das alles begreifen zu können – sie sind seit alten Tagen die Domäne der Poesie, ohne dass man sich in der rechten Weise über die eigentlichen Gesetze, die darin walten, und ihre Beziehungen zu den Darwin'schen Gedanken hat klar werden wollen. Man kann wohl verlangen, dass ein realistischer Dichter nach Darwin kein Bedenken mehr trägt, die Dinge beim rechten Namen zu nennen. Aber es gehört dazu in erster Linie ein ernstes Studium. Allgemeine Schlagwörter beweisen nichts. Man mache sich daran und entwickele uns zunächst, was noch nicht ordentlich versucht worden ist, die darwinistischen Linien in der Geschichte; man prüfe die Werke ausgezeichneter Beobachter wie Shakespeare im Einzelnen auf das ganze Princip. Dann wird man dahin kommen, Sätze aufstellen zu können, die den Schlagwörtern einen lebendigen Zusammenhang mit der ganzen Wissenschaft geben. Zahllose Puncte sind dabei im Auge zu behalten. Die einfache Zuchtwahl durch persönliches Emporkämpfen und dadurch ermöglichte Gründung einer Familie, die mit jener Ideenneuerung im Genie nichts zu schaffen hat, bei der neben den geistigen vor allen auch die körperlichen Fähigkeiten, Arbeitskraft, weibliche wie männliche Schönheit und anderes, mitspielen, ist beim Menschen natürlich nicht erloschen und wahrt ihre alte Rolle. Das ganze sociale Leben mit all' seinen Klippen und Irrthümern, seinen Triumphen und Fortschritten fordert die Beleuchtung vom Darwin'schen Gesichtspuncte aus. Aber was schon im eng beschränkten Thier- und Pflanzenleben seine ernsten Schwierigkeiten bietet, wird hier vollends zu einem fast unentwirrbaren Gewebe. Körperliche Gesundheit als Vortheil im Daseinskampfe findet ihr Aequivalent in Geldmitteln, die Kraft der Sehnen wird gleichwerthig ersetzt durch die bessere Molecularconstruction des Gehirns, die unerbittliche Strenge des Gesetzes vom Recht der Stärkern sieht sich seltsam durchkreuzt von einem bereits gewaltig angesammelten Fond humaner Anschauungen, die wieder von einer das Gesetz überbietenden Brutalität auf der andern Seite paralysirt werden. Der Dichter, der sich mit Muth der Aufgabe unterzieht, in jeder einzelnen Thatsache hierbei ein Glied grosser Ketten nachzuweisen, sieht sich allerdings auch darin belohnt, dass er jede, auch die geringfügigste Erscheinung, so fern sie nur echt dem Leben entspricht, zum Gegenstande höchst interessanter Darstellungen machen kann. Im Lichte grosser, allgemeiner Gesetze kann die an und für sich nicht sehr poetische Chronik eines Krämerviertels, das ein grosses Magazin im modernsten Stile nach und nach vollkommen todt macht, von höchster dramatischer Wirkung werden, ein Motiv, das Zola in einem seiner besten Romane bereits mit Geschick durchgeführt hat. Die kleinen Thatsachen in dieses Licht des Allgemeinen, Gesetzlichen, höheren Zielen Zustrebenden heraufrücken: das ist ja eben die idealisirende Macht, die der Dichter hat. Das werthlose Gezänk über Werth und Grenzen der Detailmalerei kann hier keine Geltung beanspruchen. Gerade das Studium der biologischen Phänomene der Artumwandlung, wie es Darwin angebahnt, führt von selbst darauf, dass wir uns gewöhnen, den kleinsten Ursachen, den winzigsten Fortschritten und Störungen unter Umständen die allergrösste Wichtigkeit beizulegen. Der Dichter, der nur Einiges von Darwin gelesen, wird mit ganz anderer Werthschätzung an die Dinge des täglichen Lebens herangehen und sich sagen, dass nicht das Ungeheuere, Welterschütternde allein die geistige Durchdringung durch die dichterische Anschauung ermögliche, sondern auch das Kleine – wofern nur der Poet den nöthigen hellen Kopf mitbringt. Denn hohe Ideen aus der Sonne zu lesen ist unverhältnissmässig viel leichter, als aus einem Sandkorn.
Eine andere Bereicherung als Frucht darwinistischer Studien erblicke ich in dem verschärften Verständniss des Dichters für die längere Zeitdauer, die jeder Entwickelungsprocess auch im Menschenleben in Anspruch nimmt. Wie die Welt nicht in sieben Tagen geschaffen ist, so schafft sich auch keine psychologische Thatsache von heute auf morgen. Unsere Bücher sind zwar voll von einer Liebe, einem Hass, die sich einer geschleuderten Dynamitbombe gleich ohne alle Prämissen entladen; der naturwissenschaftlich gebildete Dichter wird hier sceptischer zu Werke gehen.
Unsere älteren grossen Meister – Shakespeare, der Zeitgenosse Bakons, und Göthe, der unmittelbare Vorgänger Darwin's – bleiben dabei nach wie vor unsere Führer und Lehrer. Gerade auf dem darwinistischen Gebiete scheint mir der allgemeine Werth der Methode die Hauptsache, die den Dichter fördern muss – viel mehr noch als das nähere Eingehen auf Fragen der Zuchtwahl. Ich will, um noch einen dritten dahin gehörigen Punct herauszugreifen, auch Gewicht legen auf die Rolle des oft verkannten Wortes Zufall in der Dichtung. Was ist naturwissenschaftlich gesprochen – Zufall?
Nicht Wenige, die sich im Allgemeinen an das Causalprincip gewöhnt haben, wie es die logische Wissenschaft lehrt, meinen in Folge dessen jeden Zufall, der als Factor in einer Dichtung auftritt, schlechtweg als unerlaubten deus ex machina verwerfen zu müssen. Im letzten Grunde der Erscheinungen hängt ja Alles zusammen, das ist richtig. Trotzdem bietet die Welt von einem Standpuncte wie unserm menschlichen, der gewissermassen sehr weit ab in der grossen Kette liegt, das schematische Bild einer unendlichen Menge in sich geschlossener Linien dar, innerhalb deren alles causal verknüpft ist und ohne fremde Beihilfe weiterläuft. Jede Kreuzung zweier dieser Linien erscheint vom Standpuncte der beiden einzelnen wie ein in keinem ihrer eigenen Richtungsgesetze begründeter grober Stoss von aussen. Diesen jedesmaligen Kreuzungsstoss nennen wir Zufall. Vom hypothetischen Standpuncte einer Kenntniss sämmtlicher anfänglicher Richtungsverhältnisse aller causalen Sonderlinien zueinander, also einer mathematisch exacten Vorstellung von der anfänglichen Atomlagerung der irdischen Welt aus hörten die Empfindungen dieses unerwarteten Stosses und damit der Zufall als Sonderbegriff auf zu existiren. Der menschliche Standpunct den Dingen gegenüber ist hiervon noch sehr weit entfernt. Wenn ich in einer Weltstadt von zwei Millionen Einwohnern an einem Tage mit meiner individuellen Linie ohne jede bewusste Abneigung zu einer zweiten hin vier Mal auf diese zweite treffe, also einem und demselben Bekannten vier Mal an vier verschiedenen Orten, die wir beide ohne Kenntniss von der Anwesenheit des andern aufsuchten, begegne, so bleibt mir das, aller atomistischen Nothwendigkeit unbeschadet, persönlich ein vierfacher Zufall. Oder im oben gewählten Beispiele von der neu entstehenden Raubthierart: wenn dort die in sich geschlossene Causalitätsreihe innerhalb des doppelt behaarten Individuums mit der absolut unabhängigen klimatischen Causalitätsreihe, die den strengeren Winter bewirkt, zusammenstösst, so ist dieser Zusammenstoss Zufall. Das Weitere nicht mehr; denn die Erhaltung jenes Individuums und die folgende Ausbildung einer neuen Rasse sind von da ab logische Consequenzen des Zufalls, der als solcher den Ausgangspunct einer neuen, selbstständigen Causalitätslinie bildet. Vom Dichter verlangen, dass er diesen Erscheinungen gegenüber seinen menschlichen Betrachtungsstandpunct aufgeben und uns nur noch überall geschlossene Linien vorführen sollte, hiesse denn doch gerade die Wirklichkeit in seinen Bildern antasten. Wir wissen physikalisch sehr gut, dass unsere Auffassung beispielsweise von der Farbe der Gegenstände eine illusorische ist, indem wir die Farbe an den Dingen haftend glauben, während sie in unserm Auge liegt; soll etwa deswegen der Dichter nicht mehr von rothen Rosen oder blauem Himmel sprechen? Ja, man kann geradezu sagen, dass eine schärfere Beachtung des Zufalls in seiner thatsächlichen Erscheinung den Dichter eher darauf führen wird, ihm eine mehr, als eine weniger wichtige Rolle zuzuertheilen. Man führe – was fachwissenschaftlich bei Gelegenheit angeblicher mystischer Phänomene, zweitem Gesicht, Prophezeiungen und Aehnlichem fast zur Pflicht wird – nur eine kurze Zeit seines Lebens einmal Buch über die Zufälle, denen man begegnet, vor allem die mehrfachen in derselben Sache. Man wird selbst staunen, welche Resultate man erhält, wie merkwürdig unwahrscheinlich das alltäglichste Leben im Grunde genommen ist! Hier und da, an einer Spielbank zum Beispiel, sind die tollsten Beobachtungen dieser Art in einem einzigen Tage zusammen zu bringen. In diesem Puncte aber ist das ganze Leben ein ununterbrochenes blindes Glücksspiel. Der Begriff der Wahrscheinlichkeit – und hier liegt der Knoten – der Begriff, den wir in jedem prüfenden Augenblicke hineinschmuggeln, ist eben in Wahrheit nichts Reales. Für unsern Standpunct ist es, wenn wir einen Würfel fallen lassen, selbst wenn er fünf leere Seiten hat, positiv nicht wahrscheinlicher, dass eine der leeren, als dass die einzige bezeichnete Seite nach oben zu liegen kommt. Jede Wahrscheinlichkeit hört der freien Macht des Zufalls in der Welt gegenüber auf, gerade weil der Zufall im letzten Ende auch ein Nothwendiges, uns aber völlig Verhülltes einschliesst. Ich weiss recht wohl, dass sich das ganze Innere des logisch denkenden Kritikers auflehnt, wenn ein Poet uns eine Liebesgeschichte erzählt, die auf fünf oder sechs groben Zufällen, wie ungewolltes Begegnen, aufgebaut ist. Und doch spreche ich es rund als meine Ueberzeugung aus, dass man Bände füllen könnte mit der einfachen Aufzählung der grossen und kleinen Zufälle, die bei einer nicht annähernd gleich verwickelten Geschichte im wahren Leben bei peinlicher Beobachtung sich ergeben würden, denn mit jedem Schritt, den wir thun, kreuzen wir fremde ungeahnte Causalitätsreihen, die in Folge der neuen Reihe, die aus dem Contact hervorgeht, eine Macht innerhalb unserer eigenen Linie werden. Ein ganzes Menschenleben bis in dieses feine Gewebe seines Schicksals hinein zu zergliedern: das wäre ein Kunstwerk, wie wir es noch nicht einmal ahnen. In Wahrheit giebt es wenige Puncte, die dem Beobachter so schmerzlich nahe legen, wie weit unsere Kunst in all' ihrer Erfassung des Menschlichen noch hinter der Wirklichkeit zurücksteht.
Das Wort des alten Malers bei Zola muss uns trösten: »Arbeiten wir!« Arbeit steckt auch in all' diesen darwinistischen Problemen, Arbeit nicht bloss für den Naturforscher, sondern auch für den Dichter. Sagen wir uns unablässig, dass die Arbeit, das harte, mit dem Leben ringende Künstlerstreben, unser wahres Erbe von den grossen Geistern der Vergangenheit her ist, nicht das unklare Träumen. Genialität wird geboren; aber das Ausleben der Genialität ist unablässige Durchdringung des Stoffes, ist ewiges Studium; wenn sie das nicht ist, so ist sie eine Krankheit, für die der schonungslose Kampf um's Dasein die ideale Nemesis wird, indem er sie ausrottet.