Zu gewisser kambrischer Zeit, näher dem Anfang dieser Epoche, hätte er hier die Mündung eines seichten Seitenarms entdeckt, der in der Richtung des heutigen Indischen Ozeans abbog, scheinbar diesen Ozean selber schon markierend. Etwas später wiederkehrend hätte er aber auch darüber hinweg das Land geschlossen gefunden. Jetzt fuhr er also auch an diesem Südrande immer an fester Küste entlang. Seltsam genug aber wieder diese Küste. Sie ging vom afrikanischen Nordrand ununterbrochen östlich weiter. Zunächst steckten in ihr offensichtlich die Teile, die durch die große asiatische Wasserstraße selbst von dem alten Hauptblock Asiens unten abgeschnitten worden waren: also Arabien, Vorderindien und Hinterindien. Aber diese abgeschnittenen heutigen Halbinseln steckten gleichzeitig in einem ganz besonderen südlich sich fort erstreckenden großen Landgebiet, ähnlich wie Grönland in dem Atlantisblock. Dieses Land, der Größe nach abermals ein wahrhaftiger ganzer Erdteil, füllte einfach den Indischen Ozean nahezu ganz aus. Es hing auf der einen Seite in voller Breite mit Afrika zusammen, auf der andern umschloß es noch die Sundainseln und berührte Australien, so weit dieses damals über Wasser stand. Wie drüben ein Zwischenerdteil Afrika mit Brasilien verband, so verknüpfte hier einer Afrika, Indien, Australien. Als auch er sich dauernd begründet hatte, was, wie gesagt, wohl noch im Verlauf der kambrischen Periode geschah, vielleicht aber ebenfalls schon viel älteres Urweltswerk war (denn jener Seitenarm, der ihn anfangs noch ein Stück weit durchbrach, kann bloß ein kleines Zwischenspiel gewesen sein, wie es die meisten jener Urerdteile einmal früher oder später noch erlebt haben): da hätte ein Wanderer trockenen Fußes von den heutigen Quellen des Amazonenstroms in Südamerika bis nach Neuguinea gehen können! Man hat auch für diesen Erdteil im Indischen Ozean einen Namen gesucht. Viele Millionen Jahre der Erdgeschichte hat auch er (bloß mit geringen Grenzverschiebungen) weiter bestanden. So kam es, daß die Geologen auf ihn zuerst besonders deutlich aufmerksam wurden durch Schuttablagerungen, die sich noch in viel späteren Tagen (in der Permperiode und Triasperiode) an seiner nördlichsten Ecke, im heutigen Vorderindien, auf ihm gebildet hatten. Sie setzen heute dort Gebirgsgestein im Lande des einheimischen Volksstammes der sogenannten Gonds zusammen, in Gondwana. Danach hat man sich dann gewöhnt, in der Geologie den ganzen verschollenen Erdteil einfach auch als Gondwanaland (Gondwana allein heißt eigentlich schon das Gond-Land) zu bezeichnen. In gewisser Hinsicht hat der Name zweifellos so etwas Zufälliges, immerhin aber drückt er wenigstens die eine wichtige geologisch-geographische Tatsache aus, daß eben Indien, so lange wie der urweltliche Erdteil bestand, zu ihm und nicht zu Asien gehörte, nicht eine Halbinsel war, die von Asien südwärts vorsprang, sondern umgekehrt seine, des Erdteils im Indischen Ozean, äußerste Nordecke. Jedenfalls ist das Wort heute nicht mehr abzuweisen. Und da, wie schon im Kambrium selbst, so auch später noch während der meisten Tage, die das geologische Gondwanaland erlebte, tatsächlich fester Anschluß von ihm auch mit Afrika, über Afrika fort aber durch die Südatlantis selbst mit Südamerika bestand, so ist vielfach auch in der Folge der ganze ungeheure Landkomplex dieser drei Länder, also das gesamte Südland der Landseite mit Einschluß auch des südatlantischen Teils, im erweiterten Sinne als Gondwanaland bezeichnet worden – was zur Vereinfachung auch wieder unverkennbar manches für sich hat und im einheitlichen Namen verkörpert, was für eine ganz unglaublich umfangreiche Einheitsschöpfung sich damals aus so viel Ländern – Südamerika, Afrika, Arabien, den beiden Indien, Australien – zeitweise zusammengeschmiedet hatte.

Wieder jedenfalls wie bei Panama zwischen Nord- und Südamerika, wie im Atlantischen Ozean zwischen der nordischen Atlantis und dem südatlantischen Zwischenstück, wie in unserm Mittelmeer zwischen Europa und Afrika, befand sich unser kambrischer Seefahrer in der großen asiatischen Wasserstraße, die sein Schiff quer über den Himalaja fahren ließ, wie in einem Kanal eingeschlossen zwischen zwei Festlandküsten, dort der zentralasiatischen, hier der vom engeren Gondwanaland. Und immer noch gab es kein Heil zum Weiterkommen für ihn als ostwärts. Es scheint nun, daß auch schon im Kambrium die seltsame Straße jenseits der Ostecke des heutigen Himalaja wirklich noch eine letzte Durchfahrt gewährte: hinter ihr aber dehnte sich dann plötzlich wieder in unabsehbarer offener Weite der gleiche Ozean, von dem die ganze Fahrt ihren Ausgangspunkt genommen: der Stille. Es ist gesagt, daß dieses riesenhafte Meer in dieser Urwelt noch bis weit über China heraufkam. Dort konnte also schon die Ausfahrt sich vollziehen. Vollendet war damit die Durchquerung der gesamten Landseite des Planeten von Wasserseite zu Wasserseite auf Grund des fortlaufenden Zusammenhangs jenes kanalartigen Zwischenmeers zwischen den Nordmassen und den Südmassen dieser Landseite, das bei Panama einging, um zuletzt bei China wieder herauszumünden. Zu diesem merkwürdigen Urmeer waren nötig: das amerikanische Mittelmeer mit offener Panamadurchfahrt, das Mittelstück des Atlantischen Ozeans, unser hergebrachtes echtes Mittelmeer, außerdem ein für uns jetzt unmöglicher asiatischer Durchstich quer über die heutigen dicksten Gebirgsriegel zwischen dem Kaspischen Meer und Südchina. Auch dieses »große Mittelmeer« im weitesten Sinne bildet offenbar so eine grundlegende Tatsache ersten Ranges auf der Karte der gesamten Urwelt, nicht bloß des kambrischen, sondern auch aller folgenden Zeitalter. Seine Spur läßt sich heute noch verfolgen. Seine kleinen Abenteuer: ob es sich gelegentlich hier oder da auf eine Weile verschloß und wieder öffnete, ob es Ablenkungen oder Erweiterungen und Seitenanschlüsse erhielt, durchspinnen die geologische Geographie, so weit wir sie kennen, wie nicht endende kleine Unterhaltungen. Da der längst vergebene Name »Mittelmeer« aber stets etwas Irreführendes hat, war es geboten, auch ihm eine neue Bezeichnung zu geben. Sueß hat es also die Tethys genannt. Mythologisch ist das die Gattin des Okeanos und Urmutter aller Dinge, nicht zu verwechseln mit Thetis, der Mutter des Achilles, die bloß eine Nymphe war. Das Wort ist sonst schon einmal naturgeschichtlich für den dritten Saturnmond verliehen worden.

Nach glücklich vollbrachter Durchschiffung der Tethys blieb für unsern urweltlichen Geographen nur noch ein letztes Problem zu lösen. Wie verhielt sich der damalige asiatische Erdteil zu der von Norden über Island und Spitzbergen herabkommenden Atlantis? Asien war damals, wie gesagt, kleiner als heute. Es fehlte ihm nicht nur das Stück, das die Tethys abschnitt und zu Gondwanaland hinüber warf. China und Ostsibirien standen unter dem Wasser des Stillen Ozeans. Immerhin ragte der Restblock. Und an ihm hing jedenfalls auch schon ein Teil Europa, er kam ja verengend oder gar zeitweise sperrend bereits bis ans östliche Mittelmeer. Wurde nun dieser Block erreicht von der Atlantis? Verschmolz sie, über Spitzbergen vorrückend, mit der westsibirischen, über Island kommend mit der skandinavischen Küste? Dann war auch der Nordteil der Landseite von damals in seiner ganzen Riesenbreite geschlossen, wie der Südteil. Land, ununterbrochenes Land ging von Nordamerika über die Atlantis nach Asien und Europa, wie drüben in Gondwanaland von Südamerika über Afrika bis Australien. In wunderbar einfachen Zügen bot sich in dem Falle die Urkarte dar: ein nördlicher Gürtel und ein südlicher getrennt bloß durch die Tethys. Aus ferner Planetenschau, etwa wie wir den Mars sehen, würde die Landseite der Erdkugel sich dargestellt haben als ein großer gelbrötlicher Fleck, den ein schwärzlicher oder bläulicher Kanal ein Stück nördlich vom Äquator in zwei Hälften zerschnitt.

Bei einer nördlichen Umseglung Asiens würde unser Seefahrer indessen festgestellt haben, daß schon in der kambrischen Epoche eine gewisse Neigung jedenfalls der erdbildenden Kräfte bestand, diese einfache Gliederung auf der Nordseite doch nicht dauernd so schön aufkommen zu lassen. Eine Neigung oder Richtung würde er schon bemerkt haben, die bestrebt war, den kolossalen Nordblock irgendwie mit einer oder gar mehreren Spalten in ungefähr südnördlicher Richtung zu durchsetzen, Seitenkanälen, die zu der Richtung der Tethys mehr oder minder senkrecht standen. Es ist gesagt, daß auf dem heutigen Kartenbilde solche Durchbruchsspalten nach Norden mehrfach deutlich werden. Die heute entscheidendste ist der nördliche Atlantische Ozean selbst mit seiner Verlängerung zum Eismeer. Von ihm konnte damals ja nun keine Rede sein, da die Atlantis den Fleck füllte. Gleichwohl muß aber auch im Kambrium schon eine viel kleinere Kanalspalte solcher Art zwischen Asien und dieser Atlantis durchgegangen sein, deren Bruchstelle genau über Nordeuropa lag. Untergetaucht waren in ihr zeitweise ganz Großbritannien und Skandinavien. Über das Nordkap fort brach sie dann wahrscheinlich auch schon zwischen der weiteren Atlantisküste und Westsibirien an Nowaja Semlja hin bis wieder zum Stillen Ozean durch, der ja von der andern Seite Ostsibirien bis gegen das Kap Tscheljuskin unter Wasser hielt. Beim Mittelmeereingang abbiegend hätte unser Seefahrer also höchstwahrscheinlich auch durch diesen schmalen englisch-skandinavischen Kanal von der Tethys aus sein Ziel, den Pazifik, wieder erreichen können.

Die Lage einer solchen Durchbruchsspalte schon im Kambrium (der einzigen für damals im Nordgebiet der Erdkarte sicher bekannten) ausgespart über Europa ist nun wieder eine neue hochinteressante Grundtatsache urweltlicher Geographie. Sie deutet schon so früh auf ein Spannungs- und Zerstückelungsfeld der Erdrinde, dessen Unrast auf dieses Europa fiel. Wie der Kanal im Kambrium lag, könnte man versucht sein, sich ihn rein veranschaulichend als eine Art örtlicher Notwendigkeit zu denken, auch wenn man weit gehende Vermutungen über das »Wie« der Kartenbildung ablehnt. Europa scheint, so weit es über Wasser stand, damals ähnlich wie heute eine westlich am weitesten vorspringende Halbinsel Asiens gewesen zu sein. So bildete es eine Art Wellenbrecher gegen die sich stauende Tethys. Auf der einen Seite mußte diese zwischen ihm und dem alt gegebenen Block Afrika sich im Mittelmeer in enger Spalte durchdrängen. Kein Wunder wenn ihre Wasser aber auch auf der andern um den Vorsprung strudelnd sich zum Teil auch hier durchgebohrt hätten. Doch wie das ursprünglich nun gewesen sei: in der weiteren Folge der geologischen Perioden ist es jedenfalls nicht bloß bei dieser einen Spalte geblieben. Während sie sich zeitweise wieder schloß oder verlegte, öffneten sich parallele andere unabhängig an andern Stellen der kritischen Gegend. Immer aber blieb Europa diesem Spaltenspiel ausgeliefert bis heute. Bald schlug die Spaltenbildung aus ihm selber ganze große Stücke heraus (wie eben im Kambrium), bald drängelte sie es vollständig von Asien ab und zur Atlantis hinüber, bald endlich wieder schmiedete sie es erst recht an Asien und schied es fernweit von dieser Atlantis. Nimmt man nun dazu, daß gleichzeitig die Tethys selber an seiner Südseite immerfort riß und nagte, mit der Neigung, es auch von dieser Seite her immer neu zu überschwemmen und in eine Inselschar aufzulösen, so muß man die geologische Unruhe begreifen, die über dieser uralten Kreuzungsstelle zweier aufeinander senkrechter Spaltungsrichtungen in allen geologischen Perioden notwendig hat walten müssen.

Mit Absicht habe ich gerade das Erdbild der kambrischen Epoche so ausführlich hier vorgemalt, obwohl es, wie ich ausdrücklich betonen möchte, in manchen Umrissen noch besonders schwankt oder erst aus dem folgenden ergänzt werden muß. Aber wer einmal die großen Züge der urweltlichen Wasser- und Landverteilung sich hier überhaupt eingeprägt hat, der hat damit schon den Schlüssel und Kern für alles Weitere, und daß diese Grundzüge auch damals schon wenigstens im wesentlichsten vorhanden waren und aufgezeigt werden konnten, darüber ist doch kaum ein Zweifel. Man hat wohl gesagt, diese kambrische Zeit mache in vielem den Eindruck, als sei sie nicht der Anfang, sondern bereits der Abend und Abschluß eines unfaßbar weiten voraufgehenden Weltalters gewesen, und wir haben ja auch gesehen, wie sie gelegentlich bereits mit ihrem Sand und Geröll auf den abradierten Sockeln älterer Gebirgsschiebungen fußte, unter denen noch wieder ältere lagen. Aber das Kartenbild kann dann auch dort zurück schon kein ganz abweichendes gewesen sein.

Merkbar macht sich dagegen auch in ihr schon etwas, das in den folgenden Erdperioden mit der bedeutsamsten Folgerichtigkeit wiederkehrt, nämlich ein gewisser periodischer Wechsel von Zeiten zunehmender Trockenlegung, Verlandung innerhalb des allgemeinen Grundschemas der Karte mit Zeiten umgekehrt wachsender Überflutung, sieghafterer Vorwärtsbewegung (»Transgression« im geologischen Fremdwort) des Wassers innerhalb ein und der gleichen Periode. Das kommt und geht, ändert zeitweise scheinbar schon früh sehr stark das Kartenbild, läßt aber lange doch wieder abflauend die ähnlichen Grundzüge durchschimmern; während dann allerdings auf eine Reihe solcher ganzen Perioden hin auch dieses sich herausschälende Grundbild einen gewissen eigenen und dauernden Wechsel zeigt. Speziell in der kambrischen Periode kann man schon ein solches periodisches Auf und Ab besonders gut an Nordamerika verfolgen, von dem eine Weile das ganze Mittelstück als große Halbinsel an der Atlantis hängt, während später noch in der Epoche selbst das Meer zeitweise mit seichter Überschwemmung gerade über dieses Mittelstück fortgegangen ist; dieser zeitweise Wechsel hat aber doch Nordamerika deshalb nicht ganz wegwischen können.

Eine Tatsache, die doch recht merkwürdig ist, möchte ich zu diesem ältesten bekannten Kartenbilde aber auch noch wenigstens erwähnen. So viele und große und zusammenhängende Festländer damals schon da waren: es scheint, daß sie noch so gut wie gar nicht bewohnt worden sind. Während das Leben im Meer schon recht deutlich und mit Anzeichen längeren Bestehens entwickelt war, fehlen vollständig die Reste von Landtieren und Landpflanzen. Die unabsehbaren Sandfelder und Schutthalden, die in den Landablagerungen dieser fernen Urwelt stecken, sprechen durchaus für vegetationslose Wüsten, die sich einförmig über die riesigen Erdteile hinzogen. Erst in den nächsten Epochen scheint das Leben auch das Festland ganz allmählich vom Meeresrande aufwärts besiedelt zu haben. Warum hat es aber nicht früher diese Landanpassung versucht? Es ist um so auffälliger, wenn wir schon vor dem Kambrium sicher Millionen von Jahre lang ebenfalls Festländer annehmen müssen. An besonderen Schwierigkeiten der Eroberung kann es kaum damals gelegen haben. Man hat einzelne Eisspuren bereits aus dem Kambrium, die eine unmäßige Hitze schon für damals unmöglich machen. Andererseits hat damals und auf lange hinaus noch nicht die heutige dauernde Vereisung der Pole geherrscht, so daß selbst die Atlantis ganz bewohnbar gewesen sein wird. Ist das Leben doch vielleicht erst ein weit jüngeres Erzeugnis gewesen als die Erdkarte mit ihren Landbildungen, das erst landreif wurde, als die Länder selbst schon viele Jahrmillionen alt waren? Es sind vielerlei Fragen die hier aufgeworfen werden könnten.

Auf die kambrische Periode folgte in der von unserer Geologie abgegrenzten Reihenfolge die silurische, benannt nach Gesteinsschichten im alten englischen Stammland der keltischen Silurer, mit denen die Römer ihrer Zeit in Wales zu kämpfen hatten; solche Namen sind an sich so gleichgültig wie Gondwanaland, aber sie dauern, weil man sich an sie gewöhnt hat. Das Silur (wie man das Wort wieder abkürzend gebrauchen kann) war eine Epoche staunenswertester Entfaltung der Meerestierwelt. Jetzt erst schien dieses Meerleben auf seiner ganzen Höhe zu sein. Alle Tierstämme blühten bis zu ihren Kronen, soweit diese noch dem Wasser angehören, auf. Die Wirbeltiere bildeten den Fisch und damit die Grundlage aller obersten Lebensentwicklung überhaupt, durch die in späten Tagen der Mensch möglich werden sollte. Korallen und andere kalkbildenden Rifftiere ersetzten die Höhe der Einzelorganisation durch Masse der sozialen Genossenschaften, sie meldeten sich als Landbildner, als merkbare Helfer bei der Karte, ohne doch selber das Land zu betreten. Die bauenden Kräfte der Erdrinde aber unterstützten dieses Paradies der Wasserbewohner für ihr Teil aufs stärkste.

Im Anfang der silurischen Periode trat allerdings zeitweise eine gewisse Verlandung ein. Es ist bezeichnend, daß fast durchweg in diesen von uns abgegrenzten älteren Erdperioden der untere Teil mehr Land auf der Karte hat, während nachher im zweiten Abschnitt eine größere Überflutung durch das Meer erfolgt. Auf dieser ersten Stufe bildeten sich mehrfach Landbrücken in der Tethys, die bei einzelnen Forschern geradezu den Eindruck erweckt haben, diese Tethys sei überhaupt vorher noch gar nicht ordentlich dagewesen und habe sich jetzt erst allmählich herausgekämpft; solche Brückenbildung hat aber auch später noch öfter bei ihr ein Intermezzo gebildet, nachdem sie zweifellos längst im ganzen da gewesen war. So baute sich in Amerika vorübergehend eine Art Panamabrücke von Florida nach Venezuela herüber, die wahrscheinlich dadurch entstand, daß sich infolge einer Gebirgserhebung im Gebiet der heutigen Alleghanys gerade das Oststück von Nordamerika jetzt über Wasser gestellt und bis hier herüber ausgestreckt hatte, nachdem es im Kambrium lange überflutet gewesen war. Und eine andere, noch interessantere Brücke schloß sich ähnlich in Europa. Das östliche Mittelmeer, falls es im Kambrium überhaupt offen gewesen war, verstopfte sich jedenfalls in der Balkangegend jetzt eine Weile vollständig, Europa wuchs wenigstens schmal hier an Afrika. Zugleich aber sperrte sich durch Auftauchen des Landes der enge Zugang von der atlantischen Tethys zu jenem skandinavischen Kanal, – Europa wuchs mit der andern Seite des schwachen, landzungenartigen Teils, der damals überhaupt nur von ihm bestand, über die heutige Nordseite hinüber jetzt tatsächlich auch mit der Atlantis zusammen. Darüber kam die skandinavische Einbruchspalte aber selber in die Enge, und sie scheint sich in ihrer Not teilweise südwärts über Rußland verlegt zu haben, wo sie schließlich hinter dem europäischen Vorsprung auf die nicht mehr abgesperrte asiatische Fortsetzung der Tethys traf. Damit war ganz Europa also eine Weile zur freischwebenden Brücke zwischen Afrika und der Atlantis gemacht, hinter der das russische Wasser einen Abschluß jetzt gegen Asien bildete. An sich war das auch vergänglich. Schon im oberen Silur brach die Tethys wieder frei durch und die Ecke zur Atlantis fiel noch einmal. Aber eine Richtung war doch seither für längere Zeit gegeben, die jetzt den Spaltdurchbruch nach Norden zunächst einmal immer stärker hinter Europa zwischen Asien und Europa zu legen suchte und Europa selbst damit immer deutlicher zu der Atlantis hinüberdrängte. In den nächstfolgenden Weltaltern bleibt das ein zäher Zug in der Karte, so fremd es uns auch heute scheinen will, daß Europa mehr dem Westen, einem Lande, das über Island und Grönland nach Nordamerika ging, als Halbinsel angehören soll, als dem asiatischen Osten. Unwillkürlich denkt man wieder an Völkerbewegungen und Anschlüsse unserer Kulturzeit. Wie einerseits Südeuropa da immer wieder alles Heil erwartete und zu erhalten schien von Asien. Wie aber andrerseits die alten Skandinavier, die Normannen, lange einen Anschluß umgekehrt vom Norden zum Mittelmeer herab suchten, – mit dem Versuch auch damals eines Rückhaltes an Island, Grönland, Amerika, wobei sie freilich die veränderte geographische Lage hier nur noch mit dem Schiff bemeistern konnten. So wiederholte der Mensch gelegentlich noch ein Für- und Gegenspiel, das die Erdkarte seit Jahrmillionen gespielt hatte, indem sie bald Europa von Nordwesten orientierte, zur Atlantis, die bis Amerika ging, als Halbinsel oder Inselarchipel angliederte mit der Front nach Asien und zum Mittelmeer, bald es wieder ganz von diesem Asien selbst aus packte mit freier Wasserfront zur fern verschwebenden Atlantis.