Abb. 7. weiblicher Bitterling (Rhodeus amarus), der mit Hilfe seiner Legeröhre ein Ei in eine lebende Malermuschel (Unio pictorum) legt.

Wir betrachten aber noch einen Fall. Ein kleiner hübscher Fisch unserer Gewässer aus der Verwandtschaft der Karpfen, der im Hochzeitskleid vielfarbig schillernde Bitterling, praktiziert mit Hilfe einer langen Legeröhre seine Eier sehr geschickt in die bekannten Malermuscheln ([Abb. 7]), wo in den Kiemen des lebendigen Muscheltiers die junge Fischbrut auskommt, — im äußern Bilde also wie Wespe zu Raupe, nur daß sich diesmal die Jungfischchen mit der geschützten Wiege im Fremdtier begnügen und nachher gänzlich harmlos wieder ausschwärmen, ohne an der Muschel selber gefressen zu haben. Umgekehrt aber klammert sich die Jungbrut der Muschel, wenn sie ausgeschwärmt ist, an erwachsene Bitterlinge oder in Ermangelung andere Fische und läßt sich von ihnen eine Weile herumtragen, bis sie einen guten Fleck zum dauernden Neuansiedeln findet, — wobei von ihr immerhin etwas, aber auch in der Regel harmlos, vom Fisch gezapft wird. Diesmal ist man wirklich schon nahezu über die Wasserscheide zwischen Kampf und Frieden hinaus. Man könnte fast versucht sein, von dem zu reden, was ein ebenfalls älteres Forscherwort „Synökie“ genannt hat (von oikos griechisch Haus): einfaches indifferentes Sicheinmieten eines Wesens bei einem andern ohne Schaden des Wirtes. So sitzen am Seestrande die allbekannten kleinen weißen Seepocken (in Wahrheit seßhafte Krebschen in ihren Kalkhäuschen) auf den blauen Miesmuscheln auf, sich selbst zur Bequemlichkeit, für die Muschel indifferent. Oder es geht der sogenannte Schiffshalterfisch mit einer Kopfscheibe gleichsam angeklebt am Bauch großer Haifische oder auch der Menschenschiffe friedlich mit als einem kostenlosen Fahrzeug zweiten Grades, das den kleinen „blinden Passagier“ gar nicht merkt. Immerhin ist bei der Muschel am Bitterling, wie gesagt, noch eine geringe Selbstschröpfung auch des Trägers da, aber es wäre ein leichtes, auch sie noch friedlicher umzudenken in der Weise eben jenes Schiffshalters, der nicht mehr an seinem Fisch körperlich saugt, wohl aber gern von den äußeren Nahrungsabfällen des Großen profitiert. Das Interessanteste aber ist wieder die Gegenseitigkeit der Hilfe: dem Fisch bietet die Muschel Unterschlupf und er selber ihr Fahrgelegenheit. Die Sache ist auch hier noch nicht ganz rein, sozusagen noch verzettelt; die Muschel kann gelegentlich auch andere Fische benutzen als den Bitterling wieder selbst; aber man fühlt, wie rasch diesmal ein ganz mathematisch klappender Fall auf do ut des unter weitestem Friedensanschluß sich durch etwas dramatische Zusammenschiebung auf Orts- und Zeiteinheit herausdenken ließe. Wenn aber jeder schließlich reinen Vorteil vom Domizil am andern hat: wie nahe läge auch hier irgend eine Mitverteidigung dieses gastlichen Domizils durch ihn selbst? Manche selbst winzigen Fischchen schirmen wütig ihr Nest, z. B. die Stichlinge: hier ist das Nest die Muschel, warum also nicht sie ebenfalls schützen, wovon dann sie selbst wieder den Dank ihrer Patenschaft hätte? Fast wundert man sich, daß es im Beispiel nicht wirklich schon so ist. Und selbst von den Muscheljungen am Fisch (den „Glochidien“, wie man sie zu nennen pflegt) ließe sich zur Not so etwas aussinnen, wenn man sieht, wie sich gelegentlich solche Mollusken (z. B. viele Schnecken) mit allerhand Stink- und Farbsäften (der bekannte Purpur ist nur solche Schutztinte), ja im äußersten Falle sogar mit richtiger ausgespritzter Schwefelsäure, die auch dem heftigsten Angreifer des Fischs nicht genehm sein könnte, verteidigen. Friedensschluß, Gegenseitigkeit, synökische Sitzgelegenheit für den Unrast und ebensolche Wandermöglichkeit für einen Sitzer, Nährabfall als bequemster Überschuß ohne Teilverlust am Leibe selbst, Waffenaustausch: — mit diesen Einzelstücken können wir uns aber jetzt schon folgende Geschichte fast ganz aufbauen, soviel eigene Besonderheit sie im üppigen Proteusspiel der Natur wieder haben mag.

Jene Säureschnecken (es sind besonders die großen Tritonen, die so Seeigel wie mit chemischen Stichflammen in ihrem Stachelpanzer anbrennen und zersetzen) dürfen uns an ein anderes Tiervolk mit allgemein solchem ähnlichen Höllenapparat erinnern. Das war ja eine der schauerlichsten Vorstellungen alter Sage: der Lindwurm, der gegen seinen Siegfried rotes Feuer spie, — eine Vorstellung, bei der ich in diesem Falle übrigens immer an die flammrote vorgeschnellte Zunge unserer heute noch großen und einst in junger geologischer Zeit riesigen Waraneidechsen habe denken müssen. Wenn auch nicht mit solchem echten Feuer, so doch mit Ätzhauch zu arbeiten, ist aber wieder eine wirkliche uralte Kampfpraxis der Natur. Der Bombardierkäfer macht Angriffe mit knallender Salpetersäure, unsere roten Waldameisen gehen mit hohen Garben Ameisensäure vor. In den kanülenhaft durchbohrten und bei Berührung oben abbrechenden Schutzhaaren der Brennessel wird das zum richtigen Giftdolch, in den Brenngift einfließt, und wieder dessen tierischer Gipfel ist der ähnlich hohle und von Giftspeichel durchströmte Mordzahn der Viper. Eng an die Brennessel knüpfen zunächst nun als Naturtechniker ersten Ranges auf diesem Gebiet auch die unmittelbar so genannten Nesseltiere (Cnidarien vom griechischen Wort für Nessel) an, als Stamm auch als Cölenteraten und Pflanzentiere, im engeren volkstümlicher als „Polypen“ bezeichnet, wobei aber nicht der Polyp als Tintenfisch (der zu den Mollusken zählt), sondern etwa unser kleiner grüner Süßwasserpolyp, die Hydra, oder, im Anschluß daran, alle Seerosen, Korallen und Genossen, sowie die auch wieder da hinein eng verschwisterten Quallen oder Medusen gemeint sind. Die meisten dieser Polypentiere führen trotz echter Tiernatur doch noch wieder ein pflanzenhaft seßhaftes Leben, und auch die zwar frei schwimmenden Quallen (die ursprünglich übrigens alle nur zeitweise zu Geschlechtszwecken abgelöste Sitzpolypen darstellen) haben bei schutzlos weichem, größtenteils wasserdurchsetztem Körper nur erst äußerst mangelhafte Selbstbestimmung. So taten hier brennesselhafte Wehr- und Lähmwaffen besonders not, die bei Fremdberührung gewissermaßen einen geheimen Zauberbann um die zarte tierische Blüte zogen und in denen das einfache Nesselprinzip sich dann mit dem Explosionsprinzip vereinigte. Auch diese Explosion, allerdings die nicht feurige, kalte, ist ja eine alte Naturtechnik: die wilde Balsamine, das „Kräutchen-rühr-mich-nicht-an“ unserer Wälder, streut schon durch Spiralfederschuß seiner Schoten bei Berührung seine Samenkörner herum, und die italienische Vexiergurke schleudert durch eine ähnliche innere Federmechanik beim Abbrechen dem Nichtsahnenden ihren ganzen Ekelinhalt weithin ins Gesicht. Am Polypen- und Quallenkörper aber sitzen durchweg ungeheure Massen winziger Kapseln, von denen jede eine Art solchen kleinen, aber mit Brennstoff zugleich geladenen Explosivkörpers darstellt, bereit, ebenfalls bei der Berührung oder schon bloßen Annäherung eines feindlichen Fremdkörpers auf ein Nervenzeichen hin mit aller Wucht zu explodieren. In zusammenfassendem Bilde (die Einzelmethoden schwanken je nach der Art) kann der Hergang etwa so beschrieben werden, daß auf irgend einen gröberen oder feinen, mechanischen oder chemischen Nervenreiz hin auf der Spitze der Kapsel ein Deckelchen sich lüftet, worauf Wasser (alles spielt sich ja im Wasser ab) in das Innere eindringt und dort eine quellbare Gallertsubstanz zur elastischen Explosion bringt; dadurch wird ein handschuhfingerartig hineingestülpter Schlauch mit voller Gewalt ausgekrempelt und ausgestoßen, mit scharfen Dornen in die Haut des Angreifers eingebohrt und nachgeschoben, während sich gleichzeitig aus seinem Innern die konzentrierteste Brennflüssigkeit in die Wunde ergießt. Die Verletzung ist höchst unangenehm, wie vielleicht im kleinen mancher Leser aus dem Zusammentreffen mit einer gewöhnlichen Qualle im Seebade weiß. Es gibt aber Riesenquallen und große schwimmende Quallenkolonien (z. B. Physalia), die nackte Schwimmer auf Tod und Leben so verbrennen können. Vielfach werden die Giftkapseln von besonderen Sammelstellen entsandt, oder sie können auch selber noch einmal an langen, über und über gespickten Schleuderlassos sitzen, und ihre Macht ist einzeln furchtbar genug, sich spielend selbst durch den harten Panzer eines Krebses zu ätzen. Wo die Polypen- oder Quallentiere, wie es in diesem Reiche häufig Brauch, zu größeren Familiengenossenschaften mit Arbeitsteilung der Geschwister zusammenhalten, da tritt auch diese Verteidigung sinnreich in den Verbandsdienst, indem sie besonderen Soldaten in der Kolonie einseitig anvertraut wird. In vielköpfigem Gewimmel sitzt in solchem Falle etwa ein Polypenvolk von in sich gleicher Art auf irgendeiner Unterlage beisammen, alle auf diesem Fundament noch einmal durch ein besonderes Wurzelgeflecht mit Kanalanschluß körperlich verknüpft. In diesem Kanal wird eine gemeinsame Familiensuppe rund getrieben, die von einigen besonders gierigen und maulbegabten „Freßpolypen“ für alle mit bereitet wird. Daß aber das Ganze nicht von außen bedroht werde und zugleich diesen „Familienmägen“ die nötigen Schlachtopfer zugewiesen werden können, dafür sorgen in der sinnigen Berufsteilung die „Wehrpolypen“, die, mit Kapseln wurfbereit ausgerüstet und gleichsam am ganzen eigenen schlanken Leibe in solche Schleuderlassos verwandelt, ständig auf der Lauer gegen Feinde oder zu lähmende unvorsichtige Beutetiere liegen. Blumenschön und blumenhaft wehrlos, wie diese bunten, oft kristallhaft durchsichtigen Nixenkinder in ihren Wassergründen erscheinen, bilden sie doch mit dieser raffinierten Technik dort eine keineswegs zu verachtende Großmacht des unteren Lebenskampfs.

Aber sonst leiden sie doch auch an mancherlei Übelständen der Seßhaftigkeit. Vom freien Ortswechsel auf der Nahrungssuche, diesem Obervorrecht sonst des Tieres, das doch nicht wirklich pflanzenhaft den Boden am Fleck aussaugen kann, erscheint der Polyp, solange er sitzt, leidig entfremdet. Wohl kann er seine Unterlage selbst gelegentlich sinnreich verbessern, sich durch eigene mineralische Ausscheidung sozusagen auf immer besseren Stuhl setzen, — wie ja das hierher gehörige üppige Tropenvolk der Korallen in vereinter Kraft seiner Generationen durch solchen fort und fort nachwachsenden Kalkbau dem Sinken eines ganzen Ozeanbodens Trotz zu bieten wagt. Dennoch müßte der einzelnen Seerose oder solcher Polypenkolonie manchmal recht erwünscht sein, wenn sie auch noch die Gabe des Märchens besäßen, den Fels, an dem sie haften, nicht bloß aufwärts zu strecken, sondern wagerecht mit ihnen fortkriechen zu machen. Und da mag es seit alters geschehen sein, daß der Zufall nachhalf. Einzelne Kiesel, an die sich solche Seerose im sonst schlecht faßbaren Schlick angeklammert, rollten im Flutspiel ein Stück weit mit ihr dahin, oder ein leeres, leicht verschobenes Schneckenhaus tat noch williger diesen passiven Dienst. Aber es geschah auch, daß in diesem Haus von tierischer Arbeit noch die Erbauerin, die Schnecke selbst, saß. Die Seerose war dann wieder Gast der Hausbesitzerin in zunächst harmloser „Synökie“. Solcher Schnecke selbst aber war nicht bloß zufälliger, sondern jederzeit selbstwilliger, wenn auch langsamer Ortswechsel beschieden, bei dem sie alle Male jetzt den blinden Passagier auf dem Dach ihrer schwerfälligen dicken Postkutsche mitgehen ließ, oft jedenfalls neuen und besseren Fleischtöpfen zu, die ja auch die Schnecke selbst, wenn sie zu den räuberischen ihrer Sippe gehörte, aufsuchte. Noch heute beobachtet man vielfältig solche Seerosen auf Schnecken, besonders den zur Anheftung hervorragend geeigneten wulstigen Murexarten, zu denen die erwähnte sabbernde echte Purpurschnecke gehört. Bereits im alten Fischbuch Gesners von 1558 finde ich solche von zwei Polypen berittene Purpurschnecke in trefflichem Holzschnitt verewigt. Aber mit solchen Schneckenhäusern hatte es da unten in der Nixentiefe noch eine besondere Bewandtnis.

Zu den leeren und den noch von der Meisterin selbst bewohnten Schalen gibt es einen dritten, an sich auch allbekannten Möglichkeitsfall. Das ist jetzt wieder ein großes Kapitel im Naturkampf: Tiere, die sich selber mit Fremdmaterialien zweiter Hand verteidigen, anstatt bloß mit eigenem Organ. So wirft der kleine Ameisenlöwe automatisch aus seiner Grube mit Sand, und der Schützenfisch schießt nach Insekten mit hochgeschnellten Wassertropfen. Immer hat diese Stufe etwas, das bereits wie Vorspiel unserer menschlichen Werkzeugtechnik anmutet. Hierher gehört aber auch, daß ein Tier in findigem Instinkt sich den hinterlassenen Schutzpanzer eines andern zum eigenen Harnisch überstülpt. Und daraus haben gewisse Krebse, Tiere mit verwickelten Trieben wie auch nicht schlechter persönlicher Wahlintelligenz, bei Schneckenhäusern seit alters eine Spezialität gemacht. Von grauen Tagen an (die Spuren gehen wohl mindestens schon bis ins älteste Tertiär der Erdgeschichte zurück) holt das Volk der Paguriden, der Bernhards- oder Einsiedlerkrebse, sich durchweg solches leere Schneckenerbe, stopft den Hinterleib hinein und nutzt den fremden Küraß noch zu dem eigenen, wobei im Laufe der Dinge die Sitte bereits so fest geworden ist, daß sie der findigen Diebsgesellen eigenen Körperbau beeinflußt, den natürlichen Panzer wenigstens an dem so „hinten im Faß“ verwahrten Hinterteil als Ballast beseitigt und das Krebsende zugleich selber schneckenhaft in der Achse gedreht hat.

Auch auf solchen Fremdschalen mit Krebsinvasion aber siedelten sich Polypen und Polypenkolonien an. Und da sieht man denn auf den ersten Blick: das mußte doch noch wieder bedeutsam Neues hinzubringen. Der Krebs läuft trotz und mit der Huckepackschale immer noch gar viel behender als der Schneck, muß also seine blinden Passagiere, die er mit der Fremdkutsche übernommen, noch ganz anders zu ihrem Gewinn herumschütteln. Aber solcher Krebs ist auch, abgesehen vom Laufen, ein ganz anders unruhiger Geselle, immerzu strudelt er mit Beinen und Kiefern im Grundmoder herum, wühlt alle Sorten Stoff durch und durch, wirft herauf und auseinander, und als noch wilderer Räuber lebt er sozusagen auf Schritt und Tritt im Schlachthause, packt, zerbeißt und hackt, was er nur kriegen kann, daß die Abfallfetzen nur so fliegen. Hat das Polypenvolk also gelegentlich schon von der Schnecke nicht bloß als Kutsche zum Wirtshaus profitiert, sondern unmittelbar etwas Kriegskost mit abbekommen, so muß sich das hier gradezu zum Hauptnutzen steigern. Immer mehr kann der „Storch auf dem Dach“ da selber gebrauchen gleich den aufräumenden Marabus in unsern indischen Menschenstädten, und zuletzt ist ihm die Ortsbewegung wirklich fast gleichgültig gegen den Krebs in Person, der ihn, wo immer er Mittag hält, ohne Absicht aus den Brosamen seines Reichtums selber mitfüttert. Man versteht, daß Polypen auf Schalen mit solchen Bernhardskrebsen allmählich fetter wuchsen als irgendwo sonst, und daß also die Naturzüchtung (wie immer man sich im einzelnen nun deren Wege denken mag) grade solche Bewohnung als „Synökie“ mit freier Kost obenein auch in ihren Trieben begünstigen und die Polypen zum lebhafteren Anschlußbedürfnis grade hier herüber drängen mußte. Wie einfach war aber dann wieder eine weitere Logik.

Solcher Krebs ist gewiß ein verwegener Kerl, der es als reisiger Kriegsmann mit manchem aufnimmt. Aber auch er hat doch Feinde, die ihm „über“ sind, größere seines Volks, wehrhafte Beißer unter den Fischen, die wilden „Kraken“ oder Tintenfische, die auch schon bei kleinem Kaliber eine tyrannische Macht üben in den Jagdgründen da unten. Um sich dagegen zu schützen, hat sich der Einsiedler ja schon den steinharten Fremdharnisch der Schnecke selbst übergezogen, in den er sich nötigenfalls völlig zurückzuziehen, ja den er durch kunstvoll in der Öffnung gekreuzte Scheren oft wunderbar noch zu sperren weiß. Aber der ganz geschickte Gegner versteht es doch das eine- oder anderemal, ihn auch in dieser Festung zur Übergabe zu zwingen, wobei es dann keinen Pardon gibt. Da aber mußte es soundso oft ganz von selber auch geschehen, daß der böse Feind unversehens den aufsitzenden Polypen zu nahe kam. Und gereizt schnurrte alsbald deren ganzer eigener Schutzapparat ab: es hagelte plötzlich von der einzelnen Seerose oder den Soldaten des Polypengärtleins da oben Explosivkapseln dem Fisch oder Tintenfisch auf den Kopf, daß ihm Hören und Sehen verging und er in vielen Fällen nun doch noch jammervoll Reißaus nahm, also daß der bedrängte Krebs wunderbar wieder Luft bekam. Die Sache entwickelte eine neue Seite auch für den Krebs selbst! Der gleichgültige „Synöke“ da oben brachte ihm im Wechselspiel selber einen Gewinn: nämlich noch eine sehr wirksame Hilfsverteidigung. Das „Dach mit Storchnest“ erwies sich als wesentlich wertvoller als das einfache Dach. Und abermals begreift man, wie auch dieser Vorteil nach Tierbrauch sich allmählich in festem Trieb gleichsam anlegen mußte, der, wie er den Polypen Schneckenhäusern mit Krebsen darin geneigter machte, so im Krebsinstinkt Schneckenhäuser mit Polypen darauf begünstigte.

Auf dieser einfachen logischen Basis gewahren wir nun ein gegebenes Bild, das wieder schon früh den Beobachtern am Meeresstrande sich aufdrängte, ohne ihnen doch gleich so verständlich zu werden. In Menge sehen wir verschiedene Bernhardinerarten Polypen herumschleppen, als müßte es so sein. Bald sitzt eine große einzelne Seerose, riesig im Verhältnis wie ein prunkvoller Federschmuck, auf der erbeuteten Rüstung, bald drängen sich dort sogar mehrere, gleich bunten Schirmen entfaltet schwebend oder auch einer fetten Schwarte ähnlich den ganzen Harnisch noch einmal umklammernd. Sagartia- und Adamsia-Arten kommen in unseren Gewässern so besonders in Betracht. Oder das ganze hängende Gärtlein der Semiramis ist in Gestalt solcher auf Arbeitsteilung vereinten polypischen Geschwisterkolonie dem Dach eingebaut (Hydractinia und Podocoryne).