Ich bin nun der Ansicht, daß das Sammeln hier wie überall in erster Linie eine Glücksquelle sei, und alle Nützlichkeit des Herrn Professors in Ehren, halte ich doch stark auf den Wert jedweder Vergnüglichkeit in dieser Welt als Selbstzweck. Wenn aber durchaus auch hier gelernt werden soll, so läßt sich sogar vor dem Freimarkenalbum eine Zoologiestunde geben.

Zwar an den älteren mythologischen Wappentieren ist nicht viel mit wirklicher Tierkunde zu fassen: den Löwen, die wie muntere Pudel ausschauen, dem Braunschweiger Weihnachtspferdchen, dem steifen Mecklenburger oder gar dem alten Moldauer Ochsenkopf, der schon mehr nach mykenischer Urkunst schmeckt als nach 1858.

Ob der chinesische Markendrache wirklich auf den Alligator des Jangtsekiang zurückgeht, weiß ich nicht, jedenfalls könnte er der Gestalt nach ebensogut von der berühmten Seeschlange abstammen.

Wenn das südamerikanische Paraguay nicht den heimischen Jaguar, sondern den Löwen (und zwar auf neueren Marken einen naturgeschichtlich treuen, nicht stilisierten) führt, so will es offenbar direkt betonen, daß es nicht zoologisch echt kommt, denn in Amerika gibt es keinen echten Löwen.

Aber in so manchem überseeischen Reich oder Kolonialland blüht wachsend jetzt ein wirkliches Stück »zoologischen Gartens« auf den Marken, und man merkt die Hilfe des tierkundigen Fachmannes.

Französisch-Guiana zeigt den Yurumi, den großen Ameisenbären mit riesigem Buschschweif, Guatemala den altheiligen Vogel des mexikanischen Sonnengottes und Königshabits, den herrlichen goldgrünen Quesal oder Prachttrogon.

Peru hat sein braves Lama, Nordamerika den schönen weißköpfigen Seeadler und eine Jagd noch auf den Bison, was schon bald wie prähistorisch wirkt, Neufundland seinen unschätzbaren Kabeljau, eine Robbenkolonie und das Ptarmigan, das beliebte Schneehuhn seiner Sportleute, Kanada auch ein aussterbendes Tier: den Biber.

Neukaledonien führt stolz seinen landeseigentümlichen Rallenkranich, den seltsamen Kagu, vor, Neuseeland den flügellosen Zwergstrauß Kiwi, den Houia (Hopflappenvogel), bei dem Männchen und Weibchen verschieden gebaute Schnabel besitzen, und den fleischfressenden Alpenpapagei Nestor, Neusüdwales den australischen Emustrauß, den edeln Leiervogel und das Känguruh, Westaustralien seinen berühmten schwarzen Schwan, Tasmanien auf einer allerdings nicht ganz vollwertigen Stempelmarke gar das geheimnisvoll eierlegende Schnabeltier.

Die bekannteste und technisch schönste Menagerie gibt das englische Nordborneo – alles Bedeutende, das es hat, ist darauf: der Samburhirsch und der Argusfasan, das kolossale Leistenkrokodil und der Orang-Utan, der groteske Nashornvogel und der possierliche Malaienbär, der Schabrackentapir, der indische Elefant und das lange so sagenhafte Doppelnashorn Südasiens, selbst der geographisch hier nur noch anklingende Kasuar. In Afrika hat der Kongostaat einen wilden Elefantenbullen, das portugiesische Nyassa Giraffen, Kamele und Zebras in wahrhaft monumentalen Maßen.