Einen gewissen Übergang bilden da schon handlange Barsche in Siam, die sogenannten Schützenfische (Toxotes), die in fast unglaublicher und doch fest erwiesener Weise aus dem Fluß ans Ufer mit Wasser schießen. Sie zielen gleich dem Chamäleon auf Fliegen und andere Insekten, die in einigermaßen erreichbarer Nähe auf den Pflanzen oberhalb des Wasserspiegels sitzen, senden ihnen jäh einen dicken Wassertropfen zu und verschmausen vergnüglich dann das Opfer, das so getroffen ins Wasser gefallen ist. In Ermanglung der Chamäleonzunge, die einen Lasso mit Klebevorrichtung darstellt, muß auch der Fisch dabei wirklich »schießen« – er legt sich horizontal nahe unter den Wasserspiegel, äugt scharf hinauf und schnellt dann, vermutlich durch besondern Muskeldruck, bei geschlossenem Munde von der etwas vorstehenden Unterkieferspitze eine Wasserperle geradlinig über die Fläche empor aufs nichts ahnende Ziel. Schützenfische im Zimmeraquarium wissen so auch das Auge des Menschen, das sie wohl ebenfalls für ein glänzendes Insekt halten, auf etwa drei Fuß Entfernung mit erstaunlichster Sicherheit blitzschnell zu treffen.
Ist es hier schon fremdes Wasser, das benutzt wird, so zeigt aber ein Landtier vollends drastisch die Stufe des »Fremdmaterials« beim Schuß.
An den sonnenwarmen kahlen Sandhängen unserer Kiefernwälder haust, mir auf gewohnten Spaziergängen am märkischen Müggelsee zur rechten Zeit ein alltäglicher Anblick, der »Ameisenlöwe«, die gefräßige Larve eines äußerlich libellenhaften Insekts, in selbstgeschaffenen Sandtrichtern. Gerät eine Ameise oder ein ähnliches Kleintier auf den losen Rand dieser bösen Falle und droht ohnehin schon abzurutschen, so eröffnet der fette Unhold der Tiefe in seinem Schützengraben alsbald eine regelrechte Beschießung von unten nach oben, indem er Sandgarbe um Sandgarbe nach dem strauchelnden Opfer schleudert, bis es verloren ganz hinabstürzt.
Kein Zweifel, daß hier schon mit fremdem Material geschossen wird, wenn schon in plumperer Form. Und erwägt man nun, daß zum Beispiel unsere Flußkrebse nach jeder Häutung wieder fremde Sandkörnchen, also ebensolches Material, in ihre Gehörorgane aufnehmen, wo sie eine bestimmte notwendige Rolle spielen, so ließe sich unschwer denken, daß auch bei jenen feinen Pistolen der Schnecken mit ähnlich von außen geholtem »Schrot« geschossen würde – dann aber hätten wir bis zu gewissem Grade auch diesen Fremdschuß schon beim Tier in der verfeinerten Form.
»Natura artis magistra«, sagt ein altes Wort: »die Natur Lehrerin der Kunst«; sie ist mehr: ihre Vorläuferin.
Unterseeische Schiffsangriffe durch Tiere
Das Tier im Kriege – wieviel läßt sich davon erzählen!