Ein paar schlichte Daten, die durch die zoologische Kritik jetzt einwandfrei durchgegangen sind, mögen das besser als alle Reden erläutern. Bei einem alten britischen Kriegsschiff hatte das (im Holz schließlich abgebrochene) Schwert des Fisches die 2,5 Zentimeter der Verschalung, 7,5 Zentimeter Holz einer Planke durchstoßen und war dann noch mehr als 11 Zentimeter weit in einen Pfosten eingedrungen. In einem Walfischfänger waren in gleicher Weise der Kupferbelag, die 2,5-Zentimeter-Verschalung, eine 7,5 Zentimeter dicke Planke und ein 30 Zentimeter starker Eichenbalken durchlocht worden, und die scheußliche Spitze hatte zum Schluß noch dem Boden eines Tranfasses im Schiffsraum ein besonderes Leck geschlagen. Der Stoß erschütterte in solchem Fall das ganze Schiff so, daß alles auf Deck rannte. Auf einem großen englischen Indienfahrer konnte man den unterseeischen Angriff unmittelbar in seinem Anlaß verfolgen: man hatte den ungeheuren Fisch mit der Angel geködert, worauf aber die Leine riß und der wütende Unhold sofort einen furchtbaren Unterwasserstoß wagte. Das Schiff wurde leck und kam mit Not in den Hafen zurück, von dem es ausgegangen war; es entwickelte sich dann eine Schadenersatzklage, bei der zoologische Sachverständige die Kraft des Fisches zu solcher Leistung gerichtlich festlegen mußten und schließlich die Versicherungsgesellschaft 12 000 Mark dafür zahlen mußte, daß sich solche lebendigen Unterseeboote im Ozean herumtreiben.
Was ein einfaches Boot bei solcher Sachlage erfahren kann, erhellt von selbst: schon ein kleinerer Schwertfisch stieß gelegentlich beide Bootsseiten durch und das dazwischen befindliche Bein eines Rudernden mit. Der bekannte Zoologe Peschuel-Loesche ist um ein Haar bei solchem Angriff, bei dem der Fisch sich mit Schwert und noch einem Stück Kopf durch den Bootsboden schlug, ums Leben gekommen.
Nach diesen Angaben kann also nicht bestritten werden, daß der Schwertfisch eine wirkliche Gefahr für die Schiffahrt ist, an der tatsächlich Schiffe verunglückt sein können, ohne daß man je etwas von ihrem genaueren Schicksal mehr gehört hat. Und es ist gewiß ein Gedanke von seltsamer Romantik: der einsame, wilde Fisch in seinem Element, der den Kampf gegen die ganze Kultur wagt, die da hinter ihren paar Zentimetern Holzplanken über den weiten Ozean fährt. Aber was will's in unserer ungeheuren Zeit, wo das feurige Schwert des Menschen in seiner Not Schiff um Schiff in den schwarzen Abgrund senkt, aus dem keine Wiederkehr …
Aus der Flottenkunst der Tiere
I
Unter fremder Flagge
Vom See, dessen lichtblauer Spiegel zwischen dem weißen und rosenroten Blütenschnee meines Gartens durchlugt, schallt ein eigentümliches, bald mehr summendes, bald mehr rollendes Geräusch.
Ich weiß: sie proben wieder da draußen. In diesen Zeiten des Weltensturmes nicht wie sonst zum anmutigen technischen Spiel, sondern mit dem ganzen furchtbaren Ernst der Stunde. Und doch kommt es so von weitem daher blank und elegant wie ein Spielzeug aus dem Laden: ein Wasserflugzeug. Erst saust es mit seiner Schaumbrust in die glänzende Wasserfläche hinein wie ein riesiger Fisch; gleich, denkt man, wird er untertauchen. Aber ehe der Blick es noch ganz fest gefaßt hat, ist der Fisch zum fliegenden Fisch geworden: mit seinen Flossen gleichsam schwebt er auf einmal hoch über dem Seeplan im freien, durchsichtigen Element, und nur sein Schatten läuft noch gespenstisch als Fisch unten weiter. Und jäh wird der Fisch zum Vogel, majestätisch schraubt das prachtvolle Wunderwerk menschlichen Erfindergeistes sich zu Adlerhöhen hinauf und wieder hinab, um endlich pfeilschnell und treffsicher wie der Adler zum Horst bei seiner Halle am Ufer wieder einzuschlüpfen.