Verlag von Fr. Bassermann.
1905.
| Halt dein Rösslein nur im Zügel, |
| Kommst ja doch nicht allzuweit. |
| Hinter jedem neuen Hügel |
| Dehnt sich die Unendlichkeit. |
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| Nenne Niemand dumm und säumig, |
| Der das Nächste recht bedenkt. |
| Ach, die Welt ist so geräumig, |
| Und der Kopf ist so beschränkt. |
| Dies für Den und Das für Jenen. |
| Viele Tische sind gedeckt. |
| Keine Zunge soll verhöhnen, |
| Was der andern Zunge schmeckt. |
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| Lasse Jedem seine Freuden, |
| Gönn ihm, daß er sich erquickt, |
| Wenn er sittsam und bescheiden |
| Auf den eignen Teller blickt. |
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| Wenn jedoch bei deinem Tisch er |
| Unverschämt dich neckt und stört, |
| Dann so gieb ihm einen Wischer, |
| Daß er merkt, was sich gehört. |
| Nirgend sitzen todte Gäste. |
| Allerorten lebt die Kraft. |
| Ist nicht selbst der Fels, der feste, |
| Eine Kraftgenossenschaft? |
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| Durch und durch aus Eigenheiten, |
| So und so zu sein bestrebt, |
| Die sich lieben, die sich streiten, |
| Wird die bunte Welt gewebt. |
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| Hier gelingt es, da mißglückt es. |
| Wünsche finden keine Rast. |
| Unterdrücker, Unterdrücktes, |
| Jedes Ding hat seine Last. |
| Der Fährmann lag in seinem Schiff |
| Beim Schein des Mondenlichts, |
| Als etwas kam und rief und pfiff |
| Doch sehen that er nichts. |
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| Ihm war, als stiegen hundert ein. |
| Das Schifflein wurde schwer. |
| Flink, Fährmann, fahr uns übern Rhein, |
| Die Zahlung folgt nachher. |
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| Und als er seine Pflicht gethan, |
| Da ging es klinglingling, |
| Da warf ein Goldstück in den Kahn |
| Jedwedes Geisterding. |
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| Husch, weg und weiter zog die Schar. |
| Verwundert steht der Mann: |
| So Seelen sind zwar unsichtbar |
| Und doch ist etwas dran. |