| Ein Künstler auf dem hohen Seil, |
| Der alt geworden mittlerweil, |
| Stieg eines Tages vom Gerüst |
| Und sprach: Nun will ich unten bleiben |
| Und nur noch Hausgymnastik treiben, |
| Was zur Verdauung nöthig ist. |
| Da riefen alle: Oh, wie schad! |
| Der Meister scheint doch allnachgrad |
| Zu schwach und steif zum Seilbesteigen! |
| Ha! denkt er, dieses wird sich zeigen! |
| Und richtig, eh der Markt geschlossen, |
| Treibt er auf's neu die alten Possen |
| Hoch in der Luft und zwar mit Glück, |
| Bis auf ein kleines Mißgeschick. |
| Er fiel herab in großer Eile |
| Und knickte sich die Wirbelsäule. |
| Der alte Narr! Jetzt bleibt er krumm |
| So äußert sich das Publikum. |
| Wenn die Tante Adelheide |
| Als Logierbesuch erschien, |
| Fühlte Fritzchen große Freude, |
| Denn dann gab es was für ihn. |
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| Immer hat die liebe Gute |
| Tief im Reisekorb versteckt |
| Eine angenehme Tute, |
| Deren Inhalt köstlich schmeckt. |
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| Täglich wird dem braven Knaben |
| Draus ein hübsches Stück beschert, |
| Bis wir schließlich nichts mehr haben |
| Und die Tante weiter fährt. |
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| Mit der Post fuhr sie von hinnen. |
| Fritzchens Trauer ist nur schwach. |
| Einer Tute, wo nichts drinnen, |
| Weint man keine Thräne nach. |
| Gestützt auf seine beiden Krücken, |
| Die alte Kiepe auf dem Rücken, |
| Ging durch das Dorf ein Bettelmann |
| Und klopfte stets vergeblich an. |
| Erst aus dem allerletzten Haus |
| Kam eine gute Frau heraus, |
| Die grad den dritten Mann begraben, |
| Daher geneigt zu milden Gaben, |
| Und legt in seines Korbes Grund |
| Ein Brod von mehr als sieben Pfund. |
| Ein schmaler Steg führt gleich danach |
| Ihn über einen Rauschebach. |
| Jetzt hab ich Brod, jetzt bin ich glücklich! |
| So rief er froh, und augenblicklich |
| Fiel durch den Korb, der nicht mehr gut, |
| Sein Brod hinunter in die Fluth. |
| Das kommt von solchem Übermuth. |
| In der ersten Nacht des Maien |
| Läßt's den Hexen keine Ruh. |
| Sich gesellig zu erfreuen, |
| Eilen sie dem Brocken zu. |
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| Dorten haben sie ihr Kränzchen. |
| Man verleumdet, man verführt, |
| Macht ein lasterhaftes Tänzchen, |
| Und der Teufel präsidiert. |