| Die laute Welt und ihr Ergötzen, |
| Als eine störende Erscheinung, |
| Vermag der Weise nicht zu schätzen. |
| Ein Maulwurf war der gleichen Meinung. |
| Er fand an Lärm kein Wohlgefallen, |
| Zog sich zurück in kühle Hallen |
| Und ging daselbst in seinem Fach |
| Stillfleißig den Geschäften nach. |
| Zwar sehen konnt er da kein Bissel, |
| Indessen sein getreuer Rüssel, |
| Ein Nervensitz voll Zartgefühl, |
| Führt sicher zum erwünschten Ziel. |
| Als Nahrung hat er sich erlesen |
| Die Leckerbissen der Chinesen, |
| Den Regenwurm und Engerling, |
| Wovon er vielfach fette fing. |
| Die Folge war, was ja kein Wunder, |
| Sein Bäuchlein wurde täglich runder, |
| Und wie das häufig so der Brauch, |
| Der Stolz wuchs mit dem Bauche auch. |
| Wohl ist er stattlich von Person |
| Und kleidet sich wie ein Baron, |
| Nur schad, ihn und sein Sammetkleid |
| Sah Niemand in der Dunkelheit. |
| So trieb ihn denn der Höhensinn, |
| Von unten her nach oben hin, |
| Zehn Zoll hoch, oder gar noch mehr, |
| Zu seines Namens Ruhm und Ehr |
| Gewölbte Tempel zu entwerfen, |
| Um denen draußen einzuschärfen, |
| Daß innerhalb noch einer wohne, |
| Der etwas kann, was nicht so ohne. |
| Mit Baulichkeiten ist es misslich. |
| Ob man sie schatzt, ist ungewisslich. |
| Ein Mensch von andrem Kunstgeschmacke, |
| Ein Gärtner, kam mit einer Hacke. |
| Durch kurzen Hieb nach langer Lauer |
| Zieht er an's Licht den Tempelbauer |
| Und haut so derb ihn übers Ohr, |
| Daß er den Lebensgeist verlor. |
| Da liegt er nun der stolze Mann. |
| Wer thut die letzte Ehr ihm an? |
| Drei Käfer, schwarz und gelb gefleckt, |
| Die haben ihn mit Sand bedeckt. |
| Ich schlief. Da hatt ich einen Traum. |
| Mein Ich verließ den Seelenraum. |
| Frei vom gemeinen Tagesleben, |
| Vermocht ich leicht dahin zu schweben. |
| So, angenehm mich fortbewegend, |
| Erreicht ich eine schöne Gegend. |
| Wohin ich schwebte, wuchs empor |
| Alsbald ein bunter Blumenflor, |
| Und lustig schwärmten um die Dolden |
| Viel tausend Falter, roth und golden. |
| Ganz nah auf einem Lilienstengel, |
| Einsam und sinnend, saß ein Engel, |
| Und weil das Land mir unbekannt, |
| Fragt ich: Wie nennt sich dieses Land? |
| Hier, sprach er, ändern sich die Dinge. |
| Du bist im Reich der Schmetterlinge. |
| Ich aber, wohlgemuth und heiter, |
| Zog achtlos meines Weges weiter. |
| Da kam, wie ich so weiter glitt, |
| Ein Frauenbild und schwebte mit, |
| Als ein willkommenes Geleite, |
| Anmuthig lächelnd mir zur Seite, |
| Und um sie nie mehr loszulassen, |
| Dacht ich die Holde zu umfassen; |
| Doch eh ich Zeit dazu gefunden, |
| Schlüpft sie hinweg und ist verschwunden. |
| Mir war so schwül. Ich mußte trinken. |
| Nicht fern sah ich ein Bächlein blinken. |
| Ich bückte mich hinab zum Wasser. |
| Gleich faßt ein Arm, ein kalter blasser, |
| Vom Grund herauf mich beim Genick. |
| Zwar zog ich eilig mich zurück, |
| Allein der Hals war steif und krumm, |
| Nur mühsam dreht ich ihn herum, |
| Und ach, wie war es rings umher |
| Auf einmal traurig, öd und leer. |
| Von Schmetterlingen nichts zu sehn, |
| Die Blumen, eben noch so schön, |
| Sämtlich verdorrt, zerknickt, verkrumpelt. |
| So bin ich seufzend fortgehumpelt, |
| Denn mit dem Fliegen, leicht und frei, |
| War es nun leider auch vorbei. |
| Urplötzlich springt aus einem Graben, |
| Begleitet vom Geschrei der Raben, |
| Mir eine Hexe auf den Nacken |
| Und spornt mich an mit ihren Hacken, |
| Und macht sich schwer, wie Bleigewichte, |
| Und drückt und zwickt mich fast zunichte, |
| Bis daß ich matt und lendenlahm |
| Zu einem finstern Walde kam. |
| Ein Jägersmann, dürr von Gestalt, |
| Trat vor und rief ein dumpfes Halt. |
| Schon liegt ein Pfeil auf seinem Bogen, |
| Schon ist die Sehne straff gezogen. |
| Jetzt trifft er dich in's Herz, so dacht ich, |
| Und von dem Todesschreck erwacht ich |
| Und sprang vom Lager ungesäumt, |
| Sonst hätt ich wohl noch mehr geträumt. |